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Restauration einer Framus Cutaway 5/68

von Martin Kemmler

Dieses substanziell gut erhaltene Framus Modell Cutaway 5/68 (vgl. http://www.framus-vintage.de) erhielt ich von einem Bekannten aus Franken zu einem fairen Preis. Die nachfolgend beschriebene Restauration führte ich für meinen Sohn Lucas durch, der sich zu dieser Zeit auf Klassenfahrt in Frankreich befand.

Die Archtop Modelle Cutaway wurden von 1958 bis 1965 in den Framus-Werken in Bubenreuth hergestellt. Zum Teil wurden massive Fichtendecken verbaut, wie auch in dieser Gitarre. Sie trug noch folgenden Aufkleber, welcher der Restauration zum Opfer fiel: Franz Spengler, Musikinstrumentenbau Nürnberg, Wölkernstraße 22, Tel.: 46654. Dort wurde sie offenbar verkauft.

Vor der Restauration wurde die Gitarre ca. ein Jahr gespielt. Man konnte das Potential am guten Sustain der Bässe erahnen, welches in dieser ca. fünfzig Jahre alten Gitarre schlummerte. Allerdings war der Klang sehr dumpf bzw. arm an Höhen.

Die dunklen Lackschichten der Sunburst Lackierung waren erkennbar zersetzt. Die sehr dick aufgetragene dunkle Originalfarbe war teerartig weich geworden und dämpfte ganz offensichtlich die hohen Frequenzen!

Nach Abschluss aller notwendigen Arbeiten war ich äußerst überrascht über den phantastisch ausgewogenen und brillianten Klang. Auch die Lautstärke und besonders das Sustain haben sich noch einmal verbessert. Ganz offensichtlich hatte der vielschichtig und sehr dünn aufgebrachte neue Nitrocelluloselack diese durchschlagende Verbesserung bewirkt. Mit dem komfortablen Griffbrett (42 mm am Nullbund) und der guten Saitenlage lässt sie sich mühelos spielen. Verstärkt mittels des hervorragenden Bill Lawrence Tonabnehmers kann die Gitarre mit heutigen Archtop Modellen in den oberen Preisregionen mühelos mithalten!

Als mein Sohn Lucas von der Klassenfahrt zurückkam, rief er aus seinem Zimmer: „Papa, das ist der absolute Oberburner“! Nach dem Anspielen der Gitarre fragte er ungläubig: „Ist das wirklich dieselbe Gitarre?“ Ich bejahte, natürlich, und erklärte ihm, dass der neue Lack, die leichte Brücke und die nun gut verankerten Bundstäbe in Verbindung mit dem alten Holz den Superklang bewirken.

Vor der Restauration


© Martin Kemmler

Folgende Arbeiten wurden durchgeführt:

  • Verkleben eines langen Risses entlang der Zarge und schließen zweier hässlicher 12 mm großer Bohrlöcher in der Zarge
  • Griffbrett abgezogen, poliert und gewachst
  • Bundstäbe komplett erneuert, egalisiert, profiliert und poliert
  • Lose Bindings wieder befestigt und fehlendes Binding farbtreu ersetzt
  • Komplette Entfernung des alten Lackes und Vorbereitung zur Neulackierung
  • Neulackierung mit Nitrocelluloselack, geschliffen und poliert
  • Steg mit Metallreitern aus Ebenholz hergestellt und angepasst
  • Anfertigung eines Schlagbretts mit schwarzem Mooreiche-Furnier und weißem Binding, Unterbringung der Elektronik unter dem Schlagbrett (Volume- und Tonepoti, Kondensator), Fixierung des Bill Lawrence Floating Pickups
  • Einsetzen einer Klinkenbuchse, die als Gurtpin nutzbar ist
  • Saitenhalter repariert und poliert, Mechaniken überholt und poliert
  • Montiert, besaitet, eingestellt und gestimmt

Nach der Restauration


© Martin Kemmler

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