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RESTAURATION EINER  HERRNSDORF ELEKTRO ARTIST VON TODT

Durch einen glücklichen Zufall kam ich in den Besitz einer Gitarre, die schon seit längerer Zeit meine Aufmerksamkeit erregt hatte.

Die Tatsache, dass das Instrument eine starke Ähnlichkeit mit Exemplaren des berühmten Meisters Artur Lang aufweist und darüber hinaus qualitativ sehr hochwertig verarbeitet ist, weckte in mir das Verlangen, herauszufinden, wer der Schöpfer dieser wunderschönen Modellreihe ist.

Natürlich hatte ich aufgrund meines umfangreichen Bildmaterials einen hinlänglichen Verdacht.


Nach gründlicher Untersuchung und Auswertung aller relevanten Daten steht für mich zweifelsfrei fest, dass diese Gitarre aus der Werkstatt von Herbert Todt stammt.

Die meisten Modelle dieser Art wurden über die Firma HERRNSDORF verkauft, aber auch HEMOSCH zählte, wenn auch nur in geringem Umfang, zu den Vertreibern.


Nachfolgend eine Auflistung der auffälligsten Konstruktionsmerkmale:


  • Abgeflachte Korpusform am großen Bug
  • Decke und Boden mit German Carve
  • Parallele Deckenquerverbalkung
  • Geteilte Schalllöcher wie bei LANG –  (das untere Schallloch gibt es auch in Sichelform)
  • Radius am Cutaway-Übergang zum Halsfuß
  • Eingelegte Plastikstreifen in der Zarge
  • Unterkante Kopfplattenende stark gerundet

Siehe auch hier!


Die Gitarre, Baujahr Ende 50, befand sich, in Anbetracht ihres Alters, in einem ordentlichen Zustand. Ein paar offene Leimfugen in Decke und Boden, eine Reihe loser Bindings, 2 Zargenüberstände am großen Bug, ein Griffbrettschaden im Bereich des RELLOG-Tonabnehmers sowie fehlende bzw. defekte HW bedeuteten keine allzu große Herausforderung.




Die Arbeiten im Einzelnen:

  • Gitarre demontiert
  • Halslager im Korpus überarbeitet
  • Passfläche am Hals für optimalen Halswinkel nachgearbeitet
  • Einlagen und lose Bindings am Hals verleimt
  • Bundstäbe unterkoffert
  • Bundstäbe abgerichtet, profiliert, Enden verrundet und poliert
  • Griffbrettschaden im PU-Bereich repariert
  • Griffbrett überarbeitet, geschliffen, poliert und gewachst
  • Offene Mittelfugen an Decke und Boden verleimt
  • 2 Zargenüberstände am großen Bug stabilisiert und egalisiert
  • Bindings am Korpus und an den Schalllöchern verleimt und verschliffen
  • Bohrlöcher verfüllt und retuschiert
  • Korpus und Hals entlackt und feingeschliffen
  • Korpus und Hals lackiert, zwischengeschliffen, poliert und retuschiert
  • Steg gewichtsoptimiert, angepasst und poliert
  • Spezialanfertigung von 6 Einschlaghülsen aus Neusilber
  • Neuanfertigung Saitenhalteranschraublasche
  • Saitenhalter poliert
  • Originalkopie von Schlagbrett angefertigt
  • Spezialanfertigung Gurthalter für Befestigung in der Halsverschraubung
  • montiert, besaitet und justiert
  • dokumentiert und fotografiert

Damit ist wieder ein interessantes Projekt zu meiner vollsten Zufriedenheit abgeschlossen.

Besondere Freude empfinde ich über die Klärung der Herkunft des edlen Instruments.

Mit einem fantastischen Klang und einer hervorragenden Bespielbarkeit bin ich für meine Arbeit reich belohnt worden.


Nachrüstung:

6 Einschlaghülsen

Originalkopie Schlagplatte + Halter

Gurthalter Halsfuß



Bilder nach der Restauration:







Datenblatt: 

Datenblatt Todt Herbert