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RESTAURATION EINER JAZZGITARRE VON CALACE

von Herbert Rittinger

Ich sammBild 15le und restauriere alte deutsche Schlaggitarren aus den 40er bis 70er Jahren.
Die Beschränkung auf deutsche Instrumente war sinnvoll, um den Bedarf an Raum und Kapital den vorhandenen Ressourcen anzupassen. An diese Vorgabe habe ich mich bisher auch streng gehalten…, mit einer einzigen Ausnahme:
Vor genau einem Jahr wurde in ebay eine Gitarre angeboten, die mich sofort in ihren Bann zog.
Obwohl sie total heruntergekommen und bar jeglicher Hardware war, gab es keinerlei Zweifel an ihrer adligen Herkunft. Bernd, den Verkäufer, hatte wohl der Mut verlassen, diesem Wrack seine einstige Schönheit zurückzugeben. Das war mein Glück, und so bekam ich sie also…..die CALACE!
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich zu diesem Zeitpunkt mit diesem Namen nichts , aber auch gar nichts anfangen konnte.

Meine Recherchen brachten folgendes ans Licht:

Die Firma CALACE wurde gegründet im Jahre 1825 von Nicola Calace auf der Insel Procida in der Nähe von Neapel.

Begonnen wurde mit der Produktion von Gitarren. Nach dem Tod des Gründers übernahm dessen Sohn Antonio den Betrieb. Der Firmensitz wurde von Procida nach Neapel verlegt, wo erstmals Mandolinen gebaut wurden. Antonio hatte zwei Söhne, Nicola (1859-1923) und Raffaele (1863-1934), die nach dem Tod ihres Vaters den inzwischen berühmt gewordenen Zupfinstrumentenbau weiterführten. Raffaele Calace baute mit seinem Bruder Nicola nicht nur die besten Mandolinen seiner Zeit, er hatte auch ein bemerkenswertes musikalisches Talent. Neben seiner Tätigkeit als Instrumentenbauer war er auch als Musiker und Komponist engagiert, was sehr bald zum Konflikt mit seinem Bruder führte. Dieser wanderte 1906 nach Amerika aus und baute dort unter dem Namen Nicola Turturro Zupfinstrumente.

Raffaele führte mit seiner Tochter Maria und seinem Sohn Guiseppe die Firma Calace weiter. Er selbst wurde in der Folge mit seiner Musik weltberühmt. Man bezeichnete ihn als Paganini der Mandoline.
Heute wird das Unternehmen (www.calace.it) von Guiseppes Sohn Raffaele jr. geführt. Es beschäftigt sieben Instrumentenbauer und ist begehrtes Reiseziel von Mandolinisten aus aller Welt.

Inspiriert vom Erfolg der berühmten Jazzgitarrenschmiede aus Übersee baute Guiseppe Calace in den 30er Jahren einige wenige Jazzgitarren nach dem Motto: Das können wir auch, nur viel schöner!
Es blieb jedoch bei weniger als 10 Kopien der L5.

Bilder vor der Restauration


© HR

Restaurationsbericht:

  • 01. Schritt: Verleimen des Zargen- und Halsbruchs
  • 02. Schritt: Entfernung des Bodens mit nachfolgender Verleimung der Risse in Decke und Boden
  • 03. Schritt Boden aufleimen
  • 04. Schritt Halsbiegung und Halstorsion eliminieren
  • 05. Schritt fehlende Perlmutteinlagen von Korpus und Schlagbrett angefertigt und eingesetzt
  • 06. Schritt Korpus und Hals geschliffen und zum Lackieren vorbereitet
  • 07. Schritt Bünde abgerichtet, profiliert und poliert; Griffbrett geschliffen und poliert
  • 08. Schritt Korpus und Hals lackiert, geschliffen und poliert
  • 09. Schritt Saitenhalter von „Originalfoto“ (siehe unten) abgenommen, angefertigt und vergoldet
  • 10. Schritt Brücke von „Originalfoto“ abgenommen und angefertigt
  • 11. Schritt Spezialanfertigung der handgravierten und vergoldeten Einzelmechaniken ( Rubner)
  • 12. Schritt HW montiert, besaitet, gestimmt, justiert, dokumentiert u. fotografiert

Weitere Bilder von der Restauration

Zur Stabilisierung der nur 2,5mm dicken Decke wurde ein zusätzlicher kurzer Querbalken eingeleimt.


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Bilder nach der Restauration


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Datenblatt