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RESTAURATION EINER LANG „SUPER DE LUXE“

von Herbert Rittinger

Die Gitarre hat mein Freund Elmar, Mitte des vergangenen Jahres, auf ebay ersteigert. Mir war sie wegen ihrer ungewöhnlichen Gravur der Hardware sowie eines eingelegten Medaillons in der Schlagplatte schon vor Jahren auf der Webseite von Günter Amendt aufgefallen. Leider war sie zu diesem Zeitpunkt schon in die USA verkauft worden. Nun ist sie wieder in ihre Heimat zurückgekehrt und darüber freue ich mich sehr.
Ich bin seit vielen Jahren mit der Historie und den Instrumenten von Artur Lang bestens vertraut, aber ein Modell mit einer solch speziellen Gravur und zusätzlichen Perlmutteinlagen im 1. und 15. Bund ist mir noch nicht untergekommen. Alle Griffbretteinlagen sind, ähnlich wie bei amerikanischen Modellen, durch einen oder zwei Schrägbalken getrennt. In die Einlage im 15. Bund ist zusätzlich noch NEW YORK eingraviert. Hier wurde eine LANG mit typisch amerikanischen Attributen versehen. Es fiel mir schwer zu glauben, dass dieses Tuning vom Meister selbst stammt. Der Umstand, dass die Gravur des Saitenhalters und des Medaillons dieselben Stilelemente aufweisen wie bei der Kopfplatte konnte jedoch ein Indiz für die Originalität sein.
Nun war das schöne und teure Stück aber leider mit ein paar gravierenden Mängeln behaftet. Der Boden und die Decke hatten sich im Bereich des großen Bugs an mehreren Stellen gelöst und der Zargenüberstand erreichte stellenweise 3mm. Weil ich über entsprechende Erfahrung in der Beseitigung dieses Problems verfüge, habe ich Elmar angeboten, diese Reparatur für ihn durchzuführen.

Zuerst habe ich alle Teile demontiert. Mir ist aufgefallen, dass die Kopfplatte, die Mechanikabdeckungen, das Medaillon auf der Schlagplatte und der Saitenhalter mit einer gelb-violetten Patina überzogen waren. Die Unterseite der Kopflatte und des Saitenhalters jedoch war silbrig hell.

Eine genaue Untersuchung aller Teile führte zu folgendem Ergebnis:

  • Die Kopfplatte ist nicht original. Sie wurde später, mit neuem Design, gegen das Originalteil ausgetauscht. Das sonnenförmige Stilelement, von LANG sehr oft verwendet, wurde deshalb gewählt, weil es als Einlage für die Schlagplatte die ideale Form hatte. Die kopierte Platte ist aus Neusilber und hat eine Stärke von 0,6mm. Die Originalplatten dieser Zeit hingegen sind 1mm dick und bestehen aus Messing mit einem galvanischen Überzug aus Nickel oder Chrom.
  • Die Einlage im originalen Schlagbrett ist ein maßgenaues Duplikat des Stilelements von der Kopfplatte. Material und Blechstärke des Medaillons sind identisch mit der Kopfplatte.
  • Der originale Saitenhalter erhielt das gleiche florale Motiv wie die Kopfplatte und wurde anschließend vernickelt.
  • Die Gravur aller Metallteile weist im Vergleich mit Originalteilen eine andere Feinstruktur auf. Die Randverzierung auf der Kopfplatte ist ebenfalls ein Detail das man bei LANG nur bei der spitzen Ausführung (PRÄMUS) findet. Die Gravurarbeiten wurden folglich nicht von der Manufaktur ausgeführt die exklusiv für LANG arbeitete.
  • Die Patina auf den Metallteilen wurde künstlich erzeugt (phosphatiert)
  • Die Griffbretteinlagen aus Perlmutt im 1. und 15. Bund wurden nachträglich eingesetzt. Die optische Trennung der Einlagen mittels einem oder zwei Schrägbalken erfolgte durch Einfräsen einer Nut und anschließendem Auffüllen mit schwarzer Farbe. In gleicher Weise erfolgte auch die Einbringung der Schrift im 15. Bund.
  • Alle vorstehend aufgeführten, nachträglichen, Veränderungen an der Gitarre wurden in einem Zuge durchgeführt.

Nach der schlüssigen Klärung aller Fragen zur Originalität konnte ich mit der eigentlichen Arbeit beginnen.
Zuerst verleimte ich Boden und Decke mit der Zarge. Es folgte die Nachverleimung der einzelnen, über weite Strecken losen, Bindingstreifen. Ein Deckenriss musste ebenfalls stabilisiert werden. Es folgte die Egalisierung der Zargenüberstände. Die komplette Überarbeitung der Lackierung nebst dem Auffüllen der vielen Macken und Dellen und das anschließende Verschleifen, Polieren, Retuschieren und Versiegeln nahm eine geraume Zeit in Anspruch. Die Schleifarbeiten sind, weil sie trocken und von Hand ausgeführt werden müssen, eine schweißtreibende, schmutzige und giftige Angelegenheit. Eine Filtermaske ist dabei unerlässlich.
Mit dem Tuning des Halses folgte der nächste Abschnitt, gefolgt von der Überarbeitung der gesamten Hardware.
Damit war der Pflichtteil der Restauration absolviert. Die nachfolgende Kür beinhaltete die Endmontage, das Stimmen und Justieren, sowie das Vermessen und Dokumentieren

Mit dem optischen Ergebnis bin ich zufrieden. Restlos begeistert bin ich jedoch vom fantastischen Klang der Gitarre. Sie spielt sich fast von alleine und ab dem 10. Bund legt sie noch derart zu, dass einem Angst und Bange wird, der Korpus könne zerspringen.

In meiner Rangliste gehört sie zu den 5 Besten.

Bilder vor der Restauration


© ol Fret

Die Arbeiten im Einzelnen:

01. Schritt: Verleimung von Decke und Boden
02. Schritt: Verleimung von losen Bindings und Stabilisierung eines Deckenrisses
03. Schritt: Egalisierung der Zargenüberstände
04. Schritt: Lackierung trocken überschleifen
05. Schritt: Macken und Dellen auffüllen und verschleifen
06. Schritt: Fugen von Halsverbindung und Zargenbinding verputzen
07. Schritt: Lack polieren, retuschieren und versiegeln
08. Schritt: Bundstäbe beidseitig unterkoffern
09. Schritt: Bünde abrichten, profilieren, Enden verrunden und polieren
10. Schritt: Griffbrett ausbessern, schleifen, polieren und wachsen
11. Schritt: Steggewicht optimieren, anpassen und polieren
12. Schritt: Schlagplatte + Halter polieren und neu verschrauben
13. Schritt: Kopfplatte und Saitenhalter polieren
14. Schritt: Mechaniken überholen, Einschlagsitze kalibrieren
15. Schritt: montiert, besaitet und justiert
16. Schritt: dokumentiert und fotografiert

Bilder nach der Restauration


© HR

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