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RESTAURATION HOYER-SPECIAL-SL „DIE ZWEITE „

von Herbert Rittinger

Es ist schon verrückt: Auf meine erste HOYER-SPECIAL-SL musste ich über sechs Jahre warten.
Ich habe meinen Augen nicht getraut als ich nur zwei Monate später eine zweite SL auf ebay entdeckte, aber dieses Phänomen ist mir mittlerweile nicht mehr neu. Natürlich habe ich mich sehr darüber gefreut, dass ich die Gitarre bekommen habe. Sie ist gut zwei Jahre jünger als meine erste, ist auch, wie diese, in red sunburst lackiert, hat aber einen dunklen Mittelstreifen auf der Decke. Die Elektrik ist ebenfalls von Schaller, aber die beiden Tonabnehmer sind höhenverstellbar in einem, auf der Decke angeschraubten, Metallgehäuse untergebracht. Regler, Schalter und Klinkenbuchse sind direkt in die Decke montiert.

Das Instrument befand sich in einem absolut originalen und substanziell guten Zustand.
Es waren keine Risse im Korpus vorhanden. Allerdings hatte sich der Lack an den Engstellen der Taille handtellergroß gelöst. Um ein Abblättern zu verhindern waren die betroffenen Stellen mit Tesafilmstreifen überklebt. Am Übergang vom Hals zur Kopfplatte war der Lack, in Folge eines Halsbruchs, ebenfalls abgeplatzt. Die gesamte Lackierung ist mit einer Stärke von 0,5mm viel zu dick. Lackrisse, wie Gletscherspalten, sind die logische Folge. Die Bundstäbe hatten teilweise starke Kerben, was aber für ein Instrument dieses Alters nicht ungewöhnlich ist.

Nach der Demontage der gesamten Hardware zeigte sich, wie schon bei der Restauration der ersten SL, dass auch hier die Montagearbeit der Firmenmitarbeiter alles andere als perfekt ausgeführt war. Zuerst rätselte ich über den Sinn eines, im Bereich des unteren Schalllochs ausgesägten, rechteckigen Deckensegments, das mit Tesafilm fixiert war. Mit dem Ausbau des Schalters löste sich das Rätsel. Dieser konnte aus dem Korpusinneren erst nach dem Entfernen des Deckensegments herausgenommen werden. (siehe Foto)

Als erstes stabilisierte ich den Halsbruch. Nun folgte das Tuning des Halses inclusive Neubundierung.
Die Reparatur der abgeblätterten Lackpartien verursachte einen immensen Zeitaufwand. Schicht für Schicht mussten die Krater aufgefüllt werden. Die Überarbeitung der Lackierung war der nächste Schritt. Wegen der Lackrisse musste trocken geschliffen werden. Es folgte das Ausbessern der Lackschäden mit nachfolgendem, transparentem Lackauftrag zur Versiegelung. Nach nassem Feinschliff und anschließender Politur sieht die SL wieder aus wie neu.

Mit der Optik des Instruments bin ich sehr zufrieden. Der akustische Klang entspricht allerdings nicht meinen Ansprüchen. Zwar klingt die Gitarre sehr fein und ausgewogen, aber das Potenzial dieses gewaltigen Korpus bleibt ungenutzt. Verstärkt ist der Sound ansprechend und relativ unanfällig gegen feed back. Für mich ist das ein anschauliches Beispiel dafür, wie man mit einer übermäßig dicken Lackierung den Effekt eines Stimmstocks erzielen kann.

Bilder vor der Restauration


© HR

Durchgeführte Arbeiten

  • 01. Schritt: Stabilisierung des Halsbruchs; lose Halsbindings verleimt
  • 02. Schritt: Griffbrett abgezogen, poliert und gewachst
  • 03. Schritt: Hals neu bundiert; Bundstäbe beidseitig unterkoffert
  • 04 Schritt: Bünde abgerichtet, profiliert und poliert
  • 05. Schritt: lose Lackpartickel entfernt; Randzonen unterkoffert
  • 06. Schritt Schadstellen schichtweise aufgefüllt und verschliffen
  • 07. Schritt gesamte Lackierung trocken überschliffen
  • 08. Schritt aufgefüllte Lackpartien retuschiert
  • 09. Schritt Korpus und Hals transparent überlackiert, geschliffen und poliert
  • 10. Schritt Steg überarbeitet und poliert; fehlende Rändelscheiben ersetzt
  • 11. Schritt: Schlagbrettkrümmung beseitigt und bodenseitig verstärkt
  • 12. Schritt Schlagbrettbefestigungen neu, poliert
  • 13. Schritt Mechaniken überholt
  • 14. Schritt montiert, besaitet und justiert
  • 15. Schritt: dokumentiert und fotografiert

Bilder nach der Restauration


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Datenblatt


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