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Restaurierung meiner HARMONY “Patrician”

Ein Artikel von Andreas Polte.

© HR

Als diese Harmony “Patrician” in meine Hände fiel, dachte ich erst einmal: “Auweia!!!”. Der Zustand der Gitarre war erbärmlich: Zahlreiche Lackabschürfungen, Stellen, die bereits bis ins Holz abgekratzt waren, ein lockerer Hals, der zudem noch eher die Form einer Banane hatte als eines Gitarrenhalses, Bundstäbchen, die bis auf absolut Null runtergespielt waren, eine Stegkonstruktion, die auf einem Bambusröhrchen basierte und zahllose weitere Kleinigkeiten. Also ein Albtraum.
Aber: Die Patrician besteht aus massiven Hölzern (Fichtendecke, Vogelaugenahornboden) und hat einen guten Grundsound, Binding und Schlagbrett sind aus echtem “Tortoise”, ein Material, dass man heute nicht mehr bekommen kann. Ein Indiz für ein überaus eingespieltes Instrument waren die Bundstäbchen; sie waren eben so gut wie nicht mehr vorhanden – und das fast überall fast gleichmäßig auf dem Griffbrett. Kurz angespielt, war da eben ein sehr, sehr guter Grundsound, der die Gitarre trotz erheblicher Mängel interessant erscheinen ließ.
Kurzer Exkurs zum Modell “Patrician” von Harmony:
Harmony war ein amerikanischer Hersteller u.a. auch von Archtop-Gitarren. Harmony wurde 1892 in Chicago von Wilhelm Schultz gegründet. 1916 hatte Harmony bereits 125 Mitarbeiter und war erfolgreich im Instrumentenbau. Um 1930 hatte die Firma einen Ausstoß von jährlich 500.000 Instrumenten. Endorser für die Harmony Archtops war Roy Smeck, ein damals sehr bekannter Gitarrist, der auch Lehrbücher veröffentlichte.
Unter den Gitarrenmodellen von Harmony war die “Patrician” das Topmodell; massive Hölzer, handgestochene Decke, Tortoise-Binding und -Schlagbrett. Die besten vorhandenen Hölzer wurden für die Patrician ausgewählt. Interessanterweise gab es bei Harmony während der Krieges einen Metallengpass, und so war während des Krieges der Saitenhalter aus Holz; er wurde auf die Decke geschraubt.
Die vorliegende Patrician hatte vor der Restaurierung eben diesen Holzsaitenhalter, was die Datierung der Gitarre auf die Jahre beschränkt, in denen die USA am 2. Weltkrieg beteiligt waren.
Die Restaurierung wurde von Herbert Rittinger durchgeführt, einem sehr sympathischen und ambitionierten Sammler und Restaurator von deutschen Vintage-Archtops. Herbert ist Ingenieur, und so ist auch seine Herangehensweise an die Restaurierung nicht von reiner Gitarrenbaukunst geprägt.


© HR

Er bringt stattdessen zusätzlich die kreativen und pragmatischen Seiten seiner langen Berufstätigkeit in sein Hobby mit ein… mit beachtlichem Erfolg:
Herbert bekommt auch die Hälse noch dauerhaft gerade, die ein Gitarrenbauer mitunter aufgibt. Wer das Glück hat, sich seine Sammlung ansehen zu dürfen und die Dokumentation seiner Restaurierungen sieht, gibt ihm gerne sein Instrument zur Verbesserung. So war es für mich auch keine Frage, dass ich ihm die Patrician anvertrauen würde.


© HR

Herbert Rittinger hat an dieser Gitarre ein kleines Wunder vollbracht: Der Hals ist absolut gerade, die neuen Bundstäbchen sind perfekt eingepasst und abgerichtet.
Die Hals-Korpusverbindung ist perfekt stabil und hat überall Kontakt (wichtig für die Tonübertragung).

Die Abdeckung der Kopfplatte wurde neu gearbeitet und nun sind Schriftzug und die Verzierungen durch Ausfräsung dreidimensional. Das sieht wirklich Klasse aus.
Die Risse in der Decke sind stabil repariert und die Gitarre bekam mehrere neue Lackschichten, um die abgeratzten Stellen auf der Decke zu kaschieren.


© HR

Neuer Saitenhalter (im Stile der Vorkriegs-Patricians), neue Mechaniken und neuer handgeschnitzter Steg vollenden das Werk.
Aber am schönsten ist der Klang: Höhenbetont samtig, sehr klar, trockene Bässe und schnell in der Ansprache. So hatte ich gehofft, dass es werden würde.

Kurz: Spitze, lieber Herbert und vielen Dank!!