RESTAURATION EINER LANG – STANDARD

Dieses Mal hat eine frühe LANG-STANDARD meine Hilfe in Anspruch genommen.

Der Vorbesitzer hatte an ihr bereits folgende Reparaturen durchführen lassen:

 

  • Neulackierung der Decke
  • Erneuerung der Bünde

Diese Arbeiten wurden von 2 verschiedenen Gitarrenbauern ausgeführt.

Die Lackierung der Decke ist sehr ordentlich gemacht.

An der Deckeninnenseite ist ein Riss nahe der Taille zum kleinen Bug erkennbar.

Dieser wurde fachgerecht repariert. Vermutlich war dies der Grund für die Neulackierung.

Die Bundierung war soweit okay, aber gänzlich unverständlich für mich ist, dass im Zuge dieser Arbeit weder die Krümmung des Halses beseitigt, noch das Griffbrett abgezogen wurde.

Für mich ist es auch selbstverständlich, dass im Falle einer Neubundierung  eines so wertvollen Instruments, die Sägeschlitze im Halsbinding verschlossen werden. 

 

Die Untersuchung offenbarte folgende Mängel:

  • offene Mittelfuge und Schäden im Boden
  • 6 Risse und Schäden in der Zarge
  • loses Binding an Korpus und Hals
  • außermittige Befestigung des Saitenhalters
  • Halszunge liegt, als Folge eines Hals-resets, auf der Decke auf
  • Hals spielbar aber gekrümmt
  • lose Einlagen und starke Spielspuren im Griffbrett
  • offene Leimfuge in der Kopfplatte
  • desolater Zustand der Lackierung von Boden, Zargen und Hals
  • Steg nicht original
  • Schlagbrett fehlt

 

Restaurationsbericht: 

Nach der Demontage war zuerst der Hals an der Reihe. Zuerst wurde die Halszunge an der Unterseite freigeräumt, sodass ein sicherer Abstand zur Decke gewährleistet ist. Nach der Beseitigung der Krümmung wurden die Bundstäbe unterkoffert, abgerichtet, profiliert, die Enden verrundet und poliert. Die Überarbeitung des Griffbretts war der nächste Schritt.

Es folgte die Verleimung der offenen Fugen und Risse, sowie der losen Einlagen und Bindings.

Dann war die Reparatur der Lackschäden und die Überlackierung von Boden Zargen und Hals fällig.

Nach erfolgtem Feinschliff,  der auch die Decke beinhaltete, konnte die Politur erfolgen.

Die Anfertigung der fehlenden HW und die Überarbeitung und Optimierung derselben nahm einige Zeit in Anspruch. Der Saitenhalter wurde mit einem Endpinjack kombiniert und an der richtigen Stelle positioniert, nachdem die alten Löcher versiegelt waren.

Die Elektrifizierung war der nächste Schritt. Ein d’Armond 1100, mit kurzer Stange, wurde am Halsende montiert.  Über ein Daumenradpoti unter dem Schlagbrett lässt sich das Volumen bequem,  unsichtbar und ohne Behinderung durch überstehende Knöpfe regeln.

Somit ist ein weiteres Projekt zu einem guten Ende gekommen.  Mit der wiedergewonnen Schönheit und dem hervorragenden Klang bin ich für meine Mühen reich belohnt worden. 

Bilder vor der Restauration:

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Die Arbeiten im Einzelnen:

  • Gitarre demontiert
  • Halszunge freigeräumt
  • Halskrümmung beseitigt
  • Einlagen, Kopfplattenriss und lose Bindings am Hals verleimt
  • Bundstäbe unterkoffert
  • Bünde abgerichtet, profiliert, Enden verrundet und poliert
  • Griffbrett überarbeitet, geschliffen, poliert und gewachst
  • Bodenmittelfuge und Zargenrisse verleimt und verschliffen
  • lose Bindings am Korpus verleimt und ausgebessert
  • Lackierung von Boden + Zargen + Hals ausgebessert, geschliffen u. retuschiert
  • Boden, Zargen und Hals überlackiert
  • gesamte Lackierung feingeschliffen, poliert und retuschiert
  • Mechaniken überholt und montiert – 2 Einschlaghülsen ersetzt
  • Saitenhalter mit Endpinjack modifiziert und lagerichtig montiert
  • Steg neu, gewichtsoptimiert, angepasst und poliert
  • Originalkopie von Schlagbrett + Halter angefertigt
  • Daumenradpoti montiert und mit PU und Endpinjack verkabelt
  • montiert, besaitet und justiert
  • dokumentiert und fotografiert

 

 

Bilder nach der Restauration:

 

Nachrüstung:

  • 2 Einschlaghülsen
  • verstellbarer Steg aus Ebenholz
  • 1 Satz Saiten
  • Originalkopie Schlagplatte + Halter
  • Gurthalter Halsfuß
  • d’Armond 1100 + Haltestange + Daumenradpoti + Endpinjack

 

 

 

RESTAURATION EINER  HERRNSDORF ELEKTRO ARTIST VON TODT

 

Durch einen glücklichen Zufall kam ich in den Besitz einer Gitarre, die schon seit längerer Zeit meine Aufmerksamkeit erregt hatte.

Die Tatsache, dass das Instrument eine starke Ähnlichkeit mit Exemplaren des berühmten Meisters Artur Lang aufweist und darüber hinaus qualitativ sehr hochwertig verarbeitet ist, weckte in mir das Verlangen, herauszufinden, wer der Schöpfer dieser wunderschönen Modellreihe ist.

Natürlich hatte ich aufgrund meines umfangreichen Bildmaterials einen hinlänglichen Verdacht.

 

Nach gründlicher Untersuchung und Auswertung aller relevanten Daten steht für mich zweifelsfrei fest, dass diese Gitarre aus der Werkstatt von Herbert Todt stammt.

Die meisten Modelle dieser Art wurden über die Firma HERRNSDORF verkauft, aber auch HEMOSCH zählte, wenn auch nur in geringem Umfang, zu den Vertreibern.

 

Nachfolgend eine Auflistung der auffälligsten Konstruktionsmerkmale:

 

  • Abgeflachte Korpusform am großen Bug
  • Decke und Boden mit German Carve
  • Parallele Deckenquerverbalkung
  • Geteilte Schalllöcher wie bei LANG –  (das untere Schallloch gibt es auch in Sichelform)
  • Radius am Cutaway-Übergang zum Halsfuß
  • Eingelegte Plastikstreifen in der Zarge
  • Unterkante Kopfplattenende stark gerundet

 

Siehe auch hier!

 

Die Gitarre, Baujahr Ende 50, befand sich, in Anbetracht ihres Alters, in einem ordentlichen Zustand. Ein paar offene Leimfugen in Decke und Boden, eine Reihe loser Bindings, 2 Zargenüberstände am großen Bug, ein Griffbrettschaden im Bereich des RELLOG-Tonabnehmers sowie fehlende bzw. defekte HW bedeuteten keine allzu große Herausforderung.


 


Die Arbeiten im Einzelnen:

  • Gitarre demontiert
  • Halslager im Korpus überarbeitet
  • Passfläche am Hals für optimalen Halswinkel nachgearbeitet
  • Einlagen und lose Bindings am Hals verleimt
  • Bundstäbe unterkoffert
  • Bundstäbe abgerichtet, profiliert, Enden verrundet und poliert
  • Griffbrettschaden im PU-Bereich repariert
  • Griffbrett überarbeitet, geschliffen, poliert und gewachst
  • Offene Mittelfugen an Decke und Boden verleimt
  • 2 Zargenüberstände am großen Bug stabilisiert und egalisiert
  • Bindings am Korpus und an den Schalllöchern verleimt und verschliffen
  • Bohrlöcher verfüllt und retuschiert
  • Korpus und Hals entlackt und feingeschliffen
  • Korpus und Hals lackiert, zwischengeschliffen, poliert und retuschiert
  • Steg gewichtsoptimiert, angepasst und poliert
  • Spezialanfertigung von 6 Einschlaghülsen aus Neusilber
  • Neuanfertigung Saitenhalteranschraublasche
  • Saitenhalter poliert
  • Originalkopie von Schlagbrett angefertigt
  • Spezialanfertigung Gurthalter für Befestigung in der Halsverschraubung
  • montiert, besaitet und justiert
  • dokumentiert und fotografiert

 

Damit ist wieder ein interessantes Projekt zu meiner vollsten Zufriedenheit abgeschlossen.

Besondere Freude empfinde ich über die Klärung der Herkunft des edlen Instruments.

Mit einem fantastischen Klang und einer hervorragenden Bespielbarkeit bin ich für meine Arbeit reich belohnt worden.

 

Nachrüstung:

6 Einschlaghülsen

Originalkopie Schlagplatte + Halter

Gurthalter Halsfuß


 

Bilder nach der Restauration:

 

 

 

 

Datenblatt: 

Datenblatt Todt Herbert

 

 

 

ROGER Bilder Galerie

Herbert Rittinger hat durch seinen ROGER Artikel Kontakt zu Claudia und Günther Dress erhalten. Dies war für ihn ein einzigartiger Glücksfall. Claudia und Günther haben viele Jahre in München, in der Hohenzollernstraße 58, Tür an Tür mit den Rossmeisls gewohnt. Mit den Jahren entwickelte sich ein enges, familiäres Verhältnis zu Wenzel und Marianne, die das junge Paar mit ihren Kindern ins Herz geschlossen hatte. Nach dem Tode von Marianne Rossmeisl gingen deren gesamte persönliche Erinnerungsstücke in den Besitz von Claudia und Günther Dress über, die Herbert bereitwillig dieses umfangreiche Material für die ROGER-Biographie anboten. Annähernd 400 Bilder und Dokumente, von denen der größte Teil nun in der Bildergalerie zu sehen ist, geben nun tiefe Einblicke in das bewegte Leben von Wenzel Rossmeisl. Ein wahrer Bilderschatz!

Handgeschnitzte Jazzgitarre MK III – Blond

Handgeschnitzte Jazzgitarre MK III – Blond von Martin Kemmler

Diese vollmassive Gitarre wurde wieder komplett in meiner Werkstatt vom Juni bis November 2014 von Hand aus besten Hölzern gebaut und lackiert. Griffbrett und  Brücke wurden als Teile zugekauft. Ansonsten wurden sämtliche Holzteile aus dem vollen Holz herausgearbeitet.


 

Die Gitarre weist folgende Merkmale auf:

  • Korpus: 17 Zoll mit Cutaway (Benedetto-Form) und klassischen F-Löchern in Kurt-Seifert Form, Bebalkung: Parallel-Bracing, Reifchen aus Mahagoni
  • Mensur 62,5 cm
  • Vollmassive, handgeschnitzte Decke aus luftgetrockneter Fichte, Cellodecke, stammt aus Beständen der Musima, mindestens 20 Jahre alt (eher 30 bis 40 Jahre alt)
  • Vollmassiver, handgeschnitzter Boden aus luftgetrocknetem bosnischen geflammtem Ahorn (Celloboden) aus dem Jahr 2003
  • Zargen: Geflammter massiver Ahorn
  • Hals: luftgetrockneter, sehr alter geflammter bosnischer Ahorn sowie altes Mahagoni (aus einem Türrahmen, der im Jahr 1980 verbaut wurde). Dreiteiliger Hals Ahorn/Mahagoni/Ahorn aus einem Stück von Halszunge bis Kopfplatte (Zunge und Halsfuß nicht angestückelt)!
  • Griffbrett: 30 Jahre altes luftgetrocknetes Ebenholz, 24 Bünde, Einlagen Perlmutt, 12er Radius
  • Hals justierbar mit 2-Wege-Halsstab (Imbusmutter)
  • Knochensattel, poliert
  • Kopfplatte: Ebenholz mit Perlmutt-Einlagen und Ebenholz Blende
  • Mechaniken: Schaller GrandTune (offen) mit vergoldeten Zahnrädern
  • Binding: Decke 5-lagig mit Fishbone-Muster, Boden: 2-lagig, Hals: 1-lagig mit Dots
  • Saitenhalter: geerdeter Halter mit Perlmutt-Einlagen
  • Tonabnehmer: Kent Armstrong Slimbucker mit Ton- und Volumenregelung /Thumbwheel -Potis unter dem Schlagbrett) und Endpin-Jack am Saitenhalter
  • Brücke: Höfner-Brücke aus massivem Ebenholz mit Metallreitern
  • Lackierung: Votteler Nitrocellulose Lack (Polier- und Schwabbellack)
  • Besaitung: 12er Thomastik Flatwound

Dieses Modell weist eine schwächere Wölbung der Decke gegenüber der Vorgängerin auf. Die Bebalkung erfolgte wieder parallel, jedoch über die gesamte Länge des Korpus.

Der Klang dieser Gitarre ist sehr offen und weist bei nahezu gleicher Deckenstärke deutlich mehr Sustain auf. Siehe Klangbeispiel „Alicia´s Lullaby“ (Lucas Kemmler).


 

„Alicia´s Lullaby“ (Lucas Kemmler)

Sound-Demo akustisch

Sound-Demo verstärkt

Komplett-Restauration einer vollmassiven Herbert Todt Jazzgitarre von Martin Kemmler


 

Wenn man einmal eine Jazzgitarre von Herbert Todt in den Händen halten und sie eventuell anspielen darf, ist einem sofort bewusst, dass hier einer der besten Gitarrenbauer – und nicht nur in Markneukirchen, sondern weltweit – am Werk war. Es sind wunderbar ausgearbeitete Decken und Böden, die nur in mühevoller Handarbeit hergestellt werden konnten!
Die vorliegende Gitarre würde jedoch auf den ersten Blick eher als Wrack bezeichnet werden! Die Halszunge war abgebrochen und verloren gegangen. Ebenso war der Halsfuß gebrochen und wurde unfachmännisch mit Weißleim „zusammengeklebt“. Da Weißleim für Instrumente in der Regel völlig ungeeignet ist, weil er auf Zug langsam nachgibt, wurde das Griffbrett von oben durchbohrt und eine 8 mm Holzschraube in den Hals hineingedreht! So wurde das Instrument wieder spielbar und man konnte, obwohl so malträtiert, hören, dass es eine wunderbare Gitarre ist.
Auf den zweiten Blick konnte man erkennen, dass dies Defekte waren, die man beheben konnte und der gesamte Korpus unversehrt war. Lediglich der übliche Zargenüberstand hat zur Öffnung und Ablösung des Bodens von der Zarge geführt. Der Hals wies auch unter Spannung keine Krümmung auf! Der Lack war stark ausgeblichen und teilweise verwittert. An den vom Sonnenlicht verschonten Stellen (z. B. am Schraubhals innen) konnte man sehen, dass die Gitarre ursprünglich ein hellbraunes bis braunes Sunburst trug! Der Boden und die Zargen weisen herrlich geflammter Ahorn auf!

Der wunderbare Klang des Instruments spielgelt die hohe Kunst des Gitarrenbauers Herbert Todt in vollem Umfang wieder!


 

 


Nachfolgend die Beschreibung der einzelnen Arbeitsschritte:

 

Arbeiten am Hals:

  • alte Bünde entfernt, 8 mm Holzschraube entfernt;
  • Halszunge aus Palisander und original alten Bindingresten  wiederhergestellt;
  • Fehlende Perlmutt Intarsien ersetzt und Löcher farbtreu verschlossen;
  • Bohrloch am Griffbrett verfüllt und mit Palisander verschlossen, Griffbrett abgerichtet;
  • Bundierung (Bünde verklebt, egalisiert, profiliert, poliert);
  • Weißleim am Halsfuss entfernt und neu verleimt, Stabilisation Halsfuss (unsichtbar)
  • Halswinkel angepasst und Sitz des Schraubhalses optimiert;
  • Mechaniken gerichtet u. defekte Teile ersetzt;
  • alle Metallteile poliert, Sattel gerichtet, Griffbrett gewachst und poliert.

 

Arbeiten am Korpus:

  • Alter, stark verwitterter Lack entfernt;
  • Loses Binding verklebt und Löcher verfüllt;
  • Zargenüberstand beseitigt (Öffnen am Endblock und Kürzung der Zargen)
  • Korpus und Hals verschliffen;
  • Erstlackierung dünn mit klarem Nitrolack, Feinschliff, Sunburst-Lackierung, Fixieren mit klarem Nitrolack, Feinschliff, mehrere sehr dünne Schichten Nitrolack (je mit Zwischenschliff, nass);
  • Feinschliff nass, Hochglanzpolitur;
  • Metallteile montiert, Schlagbrett in Originalform aus massivem ostindischem Palisander hergestellt und montiert, Brücke angepasst;
  • Saiten aufgezogen (Phospor Bronze, Clapton´s choice von Martin, 12er), justiert und gestimmt.

 

 

Handgeschnitzte, vollmassive 17 Zoll Archtop Jazzgitarre mit Cutaway

Von Martin Kemmler

Im Frühjahr 2014 entstand eine 17 Zoll Jazzgitarre, die aus dem vollen Holz von Hand herausgearbeitet wurde. Ein Freund vermachte mir 32 Cellodecken aus Fichte, die er vor ca. 20 Jahren aus der Konkursmasse der Musima herauskaufte. Als Boden wurde ebenfalls ein abgelagerter Rohling für ein Cello aus geflammtem Ahorn verwendet. Fichtendecke und Ahornboden wurden nach Anleitung aus dem Buch von Robert Benedetto von Hand herausgearbeitet.

Im Unterschied zu Benedetto erhielten Decke und Boden wesentlich stärkere Wölbungen.

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Klassische Instrumente wie Celli und Violinen haben ebenfalls starke Wölbungen und klingen besonders warm und voluminös. Es soll eine Jazzgitarre mit warmem Klang entstehen – im Gegensatz zu vielen deutschen Schlaggitarren, die oft sehr hell und höhenreich klingen, bis hinein zu einem klirrenden, fast schon scheppernden Klangbild.

 

 

Als Klangvorbilder dienen Gitarren von Epiphone (Broadway aus den 40er Jahren), Gibson Super 400 und Artur Lang.

Beim Restaurieren von Jazzgitarren fiel mir auf, dass handgeschnitzte Jazzgitarren mit stärkerer Wölbung von Decke und Boden und starkem Carving (z. B. Lang und Otwin) einen hervorragenden Klang aufweisen. Da die Decken zum Teil sehr dünn herausgearbeitet wurden (Bsp. Otwin-Gitarren) ist das Ansprechverhalten naturgemäß sehr gut – aber auch das Sustain ist ausgeprägt. Darüber hinaus weisen stark gewölbte Jazzgitarren eine sehr gute Dynamik auf. Offensichtlich vereint man mit einer stark gewölbten und etwas dünneren Decke Klangeigenschaften, die sich sonst eher ausschließen.

Dieser Beobachtung folgend, wurden Decke und Boden ohne Vorlage freihändig geschnitzt. Die Angaben für die Stärken der Fichtendecke (je nach Region) von Robert Benedetto wurden jedoch beachtet.

Als Pickup wurde ein flacher Kent Armstrong eingebaut. Unter dem Schlagbrett wurden zwei Thumbwheel-Potis für Volume und Tone angebracht. Die Klinkenbuchse ist als Endpin ausgeführt.

Im Unterschied zur Vorlage Benedettos konnten durch die stärkere Wölbung der Decke etwas

schwächere und kürzere Balken eingebaut werden. Das soll den warmen und voluminösen Ton unterstützen.

 

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Die Gitarre hat folgende Merkmale:

  • Abmessungen 17 Zoll mit Cutaway (Benedetto-Form)
  • Handgeschnitzte Fichtendecke und handgeschnitzter, geflammter Ahornboden, parallel-Bracing
  • Zargen aus geflammtem Ahorn (2,5 mm massiv)
  • Reifchen aus Mahagoni
  • F-Löcher entsprechend „Kurt Seifert“
  • Länge 107 cm
  • Zargentiefe: 84mm
  • Hals: geflammter Ahorn mit 2-Wege-Halsstab, Schwalbenschwanz; eingeleimt
  • Kopfplatte: Ebenholz mit Einlagen aus Perlmutt entsprechend Gibson, eigenes Logo
  • Mensur: 65 cm, Ebenholz Griffbrett, Einlagen Perlmutt entsprechend Gibson Super 400
  • 22 Bünde, Knochensattel
  • Sattelbreite: 45 mm
  • Saitenbreite: 60 mm
  • Binding: Decke und Boden (6 fach) plus Fishbone Purfling, Hals und Kopfplatte 3-fach
  • Brücke aus Ebenholz (Höfner Modell)
  • Schlagbrett Ebenholz mit Einlagen
  • Saitenhalter: Eigenbau mit Perlmutt-Einlagen, Erdung der Saiten)
  • Kent Armstrong Pickup mit Tone- und Volumecontrol (Thumbwheels)
  • Schaller Vintage Mechaniken
  • Gelborange/rotbraune Sunburst-Lackierung (Nitrolack)
  • Angenehme Bespielbarkeit, sehr gute Saitenlage
  • Besaitung: Thomastik Flatwound (12er)

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Die Gitarre weist die gewünschten positiven Klangeigenschaften als Jazzgitarre auf und ist überdies hervorragend bespielbar.

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Klangbeispiel

Alicia´s Lullaby von Attila Zoller, gespielt von Lucas Kemmler

 

Akustisch 

Verstärkt 

 

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RESTAURATION EINER LANG – SUPER – DELUXE

LANG – SUPER – DELUXE

von Herbert Rittinger

Wieder einmal ist eine vornehme alte Dame in kritischem Zustand in die Notaufnahme meiner Gitarrenklinik eingeliefert worden.

Der Verkäufer hatte sich alle Mühe gegeben, die mannigfaltigen Verletzungen nicht zu offenbaren.

Umso erstaunter war ich, als ich bei der Übergabe des Instruments, in der Zarge, auf der Bassseite am großen Bug, zahllose klaffende Risse entdeckte. Dazu gesellten sich noch Decken- und Bodenablösungen mit den dazugehörigen Zargenüberständen.

Allein meine Verbundenheit mit dem berühmten Erbauer und dessen genialer Arbeit hat mich dazu bewogen, die Operation durchzuführen.

 

Die Untersuchung offenbarte folgende Schäden: 

  • 2 Risse in der Decke
  • 16 Risse und ein Loch in der Zarge, davon 13 Risse auf der Bassseite am großen Bug
  • 18 Bohrlöcher in Zarge und Binding im Bereich der Befestigung des Schlagbretts
  • 3 Decken- und Bodenablösungen am großen Bug mit Zargenüberstand
  • lose Bindings an Korpus und Hals
  • 25 Bohrlöcher im Hals
  • Griffbrettschäden, desolate Bundstäbe und durchgeschnittenes Griffbrett-Binding
  • Gebrochenes Brückenoberteil
  • fehlender Originalsaitenhalter
  • fehlendes Schlagbrett
  • zerstörter Gurtpin
  • desolater Zustand der Lackierung und der Hardware

 


 

Restaurationsbericht: 

Zuerst demontierte ich die Gitarre, entfernte den Hals und überarbeitete die Passfläche im Korpus und am Hals. Die Halsbefestigung habe ich umgestellt auf  „geschraubt“. Dazu war die Anfertigung und Montage eines speziellen Schraubankers nötig. Ein vergrößerter Halswinkel sorgt nun für eine höhere Stegauflagekraft die eine bessere Klangübertragung garantiert. Es folgte die Neubundierung und das Tuning des Griffbretts und der Bundstäbe.

Sodann waren die notwendigen Reparaturen am Korpus an der Reihe, wobei die Verleimung der zahllosen Zargenrisse die größte Herausforderung darstellte. Um eine absolut sichere Verleimung zu gewährleisten, habe ich erstmalig ein neues Druck-Injektionsverfahren angewandt.

Es folgte die Reparatur der Risse in der Decke und das Verleimen der losen Bindings. Die Reparatur der Decken- und Bodenablösungen und die Egalisierung der Zargenüberstände waren der nächste Schritt.  Nun konnte das Entlacken von Hals und Korpus, inklusive Feinschliff, in Angriff genommen werden.  Die Lackierung erfolgte in mehreren Schritten mit Zwischenschliff und künstlicher Alterung. Dieser spezielle Vorgang hat neben der klanglichen Verbesserung ein Anfeuern des Lacks zur Folge, sodass auf  die Einfärbung der transparenten Beschichtung verzichtet werden kann.

Nach der Neuanfertigung der fehlenden und der Überarbeitung der vorhandenen Hardware war die Endmontage, sowie das Stimmen und Justieren, der letzte Schritt in einer langen Kette von Arbeitsfolgen.

Mit dem optischen Ergebnis, vor allem aber mit dem Klang, bin ich mehr als zufrieden. 


Bilder „vor der Restauration“

Die Arbeiten im Einzelnen: 

  • Gitarre demontiert
  • Hals ausgebaut
  • Halslager im Korpus überarbeitet
  • Passfläche am Hals für optimalen Halswinkel nachgearbeitet
  • Spezialanfertigung und Montage von Schraubanker
  • lose Bindings am Hals verleimt
  • Neubundierung
  • Bundstäbe unterkoffert
  • Bünde abgerichtet, profiliert, Enden verrundet und poliert
  • Griffbrett überarbeitet, geschliffen, poliert und gewachst
  • Zargenrisse druckverleimt
  • 2 Deckenrisse verleimt
  • Decken- und Bodenablösungen verleimt und verschliffen
  • Zargenüberstände egalisiert und retuschiert
  • lose Bindings am Korpus verleimt und verschliffen
  • Korpus und Hals entlackt, feingeschliffen und retuschiert
  • Lackierung mit Zwischenschliff, künstlicher Alterung, Endschliff und Politur
  • Steg repariert, gewichtsoptimiert, angepasst und poliert
  • Spezialanfertigung von originalgetreuem Schlagbrett + Halter
  • Mechaniken überholt
  • Kopfplatte poliert und neu verschraubt
  • montiert, besaitet und justiert
  • dokumentiert und fotografiert

 

 

Nachrüstung:

  • Original LANG-Saitenhalter
  • D´ Armond Rhythm Chief 1000
  • Gurthalter Endpin
  • Gurthalter Halsfuß

 Bilder „nach der Restauration“

 

 

 

 

 

 

RESTAURATION EINER ASCHADO – Herbert Rittinger

RESTAURATION EINES PREMIUM MODELLS VON ALFRED SCHAUFUSS

Die Chance, in den Besitz einer ASCHADO zu gelangen, ist sehr gering.

 

Dass ausgerechnet mir dieses Glück zuteil wurde, ist wohl auch dem Umstand geschuldet, dass sich die Gitarre in einem äußerst reparaturbedürftigen Zustand befand.

Nun bot sich mir die einmalige Gelegenheit, mich mit dem Mythos der Gitarren von Alfred Schaufuß auseinander zu setzen und diese mit den Top-Instrumenten anderer berühmter Gitarrenbauer zu vergleichen.

Mich interessierte sehr die Konstruktion und die Verarbeitung im Detail.  Dazu war eine exakte Vermessung und eine genaue Inspektion des Korpusinneren notwendig.

 

Optik und Handling:

  • Opulente Verzierungen auf Deckenrand, Kopfplatte, Griffbrett und Schlagbrett.
  • Kein anderer Gitarrenbauer verzierte seine Gitarren so verschwenderisch mit Perlmutt.
  • ausgesuchte Hölzer
  • aufwendige Multi-Bindings
  • gute Gewichtsverteilung

 

Konstruktive Merkmale:

  • Decke und Boden mit relativ flacher Wölbung und ausgeprägter Hohlkehle
  • Kräftige Decke; Deckendicke am F-Loch – Bass/Diskant  – 7,5/6,5mm
  • Deckeninnenseite von Hand ausgearbeitet
  • Halsblockinnenseite mit aufgeleimter Ahornplatte als Verstärkung gegen das Eindrücken der Halsschraube (s. TODT)
  • Hals geschraubt, ohne Verstärkung; Halsfuß leicht konisch mit nicht zu großem Überstand über die Zarge
  • Hals ist 7-fach gesperrt

 

Die Untersuchungen und Vergleiche führten zu einem überraschenden Ergebnis:

 

Die ASCHADO entspricht in Punkto Form, Gewicht und Abmessungen, abgesehen von einer geringfügigen Abweichung in der Korpuslänge, exakt meinem Top-Modell von HERBERT TODT.

Diese Übereinstimmung gilt auch für den Hals, mit dem Unterschied, dass das Halsende bei der TODT, wegen des versteckt eingebauten Tonabnehmers, etwas länger ist.

 

ASCHADO-TODT-01

ASCHADO-TODT-02

 


 

ASCHADO INNEN

ASCHADO-03

 


 

TODT INNEN

TODT-04-

 


 

 

Zustand vor der Restauration:

Die Untersuchung offenbarte eine Reihe von Schäden:

  • Risse und Schäden in der Decke und im Halsblock
  • fehlende Perlmutt-Einlagen im Deckenrand
  • Risse und Beschädigungen in der Zarge
  • Deckenablösung am großen Bug mit Zargenüberstand
  • offene Mittelfuge und Schäden im Boden
  • lose Bindings an Korpus und Hals
  • aufgeleimter Furnierstreifen im Halslager zur  Einstellung des passenden Halswinkels
  • offene Leimfuge an der Halsunterseite und fehlende Einlage im Griffbrett
  • schlechter Allgemeinzustand der Lackierung mit starken Schäden

 

 

Restaurationsbericht:

Zuerst demontierte ich die Gitarre, entfernte den eingelegten Furnierstreifen im Halslager und überarbeitete die Passfläche im Korpus und am Hals. Ein vergrößerter Halswinkel sorgt nun für eine höhere Stegauflagekraft die eine bessere Klangübertragung garantiert. Es folgte das Tuning des Griffbretts und der Bundstäbe. Eine offene Leimfuge an der Unterseite des Halses musste nachverleimt werden.

Sodann waren die notwendigen Reparaturen am Korpus an der Reihe, wobei der Ersatz der fehlenden Perlmutteinlagen am Deckenrand die meiste Zeit in Anspruch nahm.  Es folgte die Reparatur der Risse und Schäden in Decke, Boden und Zargen. Die Verleimung der Deckenablösung und die Egalisierung des Zargenüberstands waren der nächste Schritt.  Nun konnte das Entlacken von Hals und Korpus, inklusive Feinschliff, in Angriff genommen werden.  Mit der Lackierung in redsunburst waren alle notwendigen Arbeiten erledigt.

Nach der Endmontage, dem Stimmen und Justieren, war endlich der mit Spannung erwartete Moment gekommen, wo ich die Antwort erhielt auf die quälende Frage nach dem Klang.

Meine Erwartungshaltung war groß, denn die Voraussetzungen für ein gutes Klangverhalten waren gegeben, da  beim Abklopfen alle Resonanzbereiche vorhanden waren die für die Widergabe des vollen, hörbaren Frequenzspektrums verantwortlich sind.

 

Meine geheimen Wünsche haben sich erfüllt.

 

Die ASCHADO ist klanglich und optisch ein Spitzeninstrument.

 


Bilder vor der Restauration:   

 

Die Arbeiten im Einzelnen:

  • Gitarre demontiert
  • Halslager im Korpus überarbeitet
  • Passfläche am Hals für optimalen Halswinkel nachgearbeitet
  • offene Leimfuge an der Halsunterseite stabilisiert
  • lose Bindings am Hals verleimt
  • fehlende Einlage im 5. Bund ersetzt
  • Bundstäbe unterkoffert
  • Bünde abgerichtet, profiliert, Enden verrundet und poliert
  • Griffbrett überarbeitet, geschliffen, poliert und gewachst
  • 2 Deckenrisse + Riss im Halsblock stabilisiert
  • Deckenablösung verleimt und verschliffen
  • Zargenüberstand egalisiert
  • offene Bodenmittelfuge nachverleimt
  • gekittete Reparaturstelle am Boden ausgeräumt und mit Epoxydharz aufgefüllt
  • lose Bindings am Korpus verleimt und verschliffen
  • Korpus und Hals entlackt, feingeschliffen und retuschiert
  • Lackierung in redsunburst mit Zwischenschliff, Endschliff und Politur
  • Perlmuttauflage von Kopfplatte und Schlagplatte poliert
  • alte, nicht originale Bandmechaniken ersetzt durch Weissgerber-Einzelmechaniken
  • Steg gewichtsoptimiert, angepasst und poliert
  • Spezialanfertigung Gurtpin für Montage in der Halsverschraubung
  • montiert, besaitet und justiert
  • dokumentiert und fotografiert

 


 

Bilder nach der Restauration:

 


 

Datenblatt:  EXCEL-Datei 

aschado tabelle

RESTAURATION EINER ALOSA-Black King – Herbert Rittinger

Das Bild von der Musikmesse in Garmisch Partenkirchen, um ca. 1955,  vermittelt einen guten Eindruck von der Vielfalt der Hersteller die ALOSA im Programm hatte.


Zu Beginn meines Berichts möchte ich die Gelegenheit wahrnehmen, dem bereits vorhandenen Bericht über die Firma ALOSA auf schlaggitarren.de, einige interessante Details hinzuzufügen.

Die Firma ALOSA war eine Vertriebsfirma, die, unter anderem, Schlaggitarren und deren Komponenten von verschiedenen Herstellern kaufte und unter ihrem eigenen Namen vermarktete. Alois Sandner war der geborene Händler aber nicht der geniale Handwerker.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Vertreibern legte Alois Sandner sehr großen Wert auf  CORPORATE IDENTITY.  Er hat es tatsächlich geschafft, seine Marke im Bewusstsein der Menschen so zu verankern,  dass der Großteil derjenigen, die ALOSA und deren Produkte kennen, glauben, die Instrumente seien vom Gitarrenbauer Alois Sandner entwickelt und gebaut worden. Alois Sandner hat permanent daran gearbeitet seine Marke bekannt zu machen.


Am Beispiel der Premium-Modelle soll die konstante Entwicklung der Marke ALOSA veranschaulicht werden.

Der erste Lieferant von Top-Modellen um 1953 war Artur Lang, der komplette Instrumente und separate Hälse lieferte.

Die ersten über ALOSA verkauften LANG´s besaßen lediglich den ALOSA-Schriftzug auf dem Standard-Harfen-Saitenhalter. Bild 2

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurze Zeit später erscheint das dreieckige Abzugsbild auf der Decke

Bild 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Schriftzug auf der Schlagplatte fällt in etwa in die gleiche Zeit

Bild 4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im nächsten Schritt, um ca. 1955, finden wir das ALOSA-Logo auf der Kopfplatte zusammen mit dem von ALOSA kreierten Saitenhalter mit Gravur.

Bild 5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In diesen Zeitraum fällt auch das rautenförmige dritte Schallloch mit nachgeformtem Griffbrettende.

Mitte der 50er, als LANG seinen eigenen Kundenstamm hatte, endete die Zusammenarbeit.

GUSTAV GLASSL, ein begnadeter Gitarrenbauer der jüngeren Generation und Verehrer von A. LANG,

lieferte fortan Top-Modelle an ALOSA.

Die Premium Modelle haben folgende Namen:

BLACK KING

BLACK QUEEN

SOLIST

LUX

 GUSTAV GLASSL war nicht der einzige Lieferant im Premium-Sektor.

HOYER, HÖFNER, HOPF und KLIRA befanden sich ebenfalls unter den Zulieferern.

Eine feste Zuordnung modellspezifischer Eigenheiten existierte nicht.

Alle denkbaren Variationen bezüglich Korpusform und Abmessungen, Farbe, Cutaway, Schalllöcher, Hals, und Hardware waren möglich. Das erlaubte die Verwendung von kostengünstigen Standardkomponenten aus der laufenden Produktion verschiedener Hersteller.

Allein die Beschriftung auf der Hardware gab Auskunft darüber, um welches Modell es sich handelt.

Interessant wäre zu wissen, welche Preise für die einzelnen Modelle verlangt wurden.

Eine GLASSL Black King, mit 44cm Korpus und Hoyer-Hals,  konnte sicher nicht in der gleichen Preisklasse angesiedelt sein als beispielsweise eine KLIRA Black King mit 42cm Korpus und unverstärktem Hals.

Aufgabe der Mitarbeiter bei ALOSA war, neben der Durchführung von Reparaturen und kundenspezifischen Wünschen, vorwiegend die Endmontage von Einzelkomponenten.

Nach der Schließung der Werkstatt wurden die Instrumente von den Zulieferern komplett an ALOSA geliefert.

Die Bestimmung des Erbauers oder die Zuordnung von Komponenten zu den jeweiligen Herstellern der oben genannten Modelle ist nicht einfach, weil dazu umfassende Kenntnisse über Konstruktions- Fertigungs- und Stil-Details aller beteiligten Produzenten erforderlich sind.

Fortsetzung:  Restauration einer ALOSA-Black King

Dieses Mal ist ein blaublütiger Patient mit schweren aber nicht lebensbedrohenden Verletzungen in meine Gitarrenklinik eingeliefert worden. Der Einlieferungszustand ist auf den nachfolgenden Bildern hinreichend dokumentiert.

Mir war klar, dass die Behandlung umfangreich und zeitraubend werden würde, aber die Aussichten auf eine vollständige Genesung waren gut.  Ja, und außerdem war mein Patient ja nicht irgendwer, sondern ein echter Spross aus dem Hause GLASSL

Den Halsrohling von HOYER ziert eine Kopfplatte mit dem von GLASSL bevorzugten Sternmotiv aus einzelnen, rautenförmigen Perlmutteinlagen.

Für die offenen Bandmechaniken mit den Schmetterlingswirbeln hatte GLASSL und HOYER eine Präferenz.

Der Steg und die Schlagplatte fehlten.

Restaurationsbericht:

Zuerst entfernte ich den Hals der, im Zuge einer Reparatur, schlampig und nicht in dem von mir gewünschten Winkel eingeleimt worden war. Zum Vorschein kam die von GLASSL bevorzugte Hals-Korpusverbindung, die eine Stufe in der Passfläche des Halses und im Halsblock aufweist. Diese Konstruktion gewährleistet eine höhere Formstabilität der Zarge im Bereich der Hals-Korpusverbindung. Bei der herkömmlichen Befestigungsmethode ohne Stufe besteht die Gefahr, dass sich die 2,5 mm dicke Zarge von der Anlage am Hals ablöst. Der so entstandene Spalt ist optisch nicht gerade ansprechend.

Der Nachteil der Stufe liegt aber in der Problematik der exakten Anlage der versetzten Flächen.

Ich habe mich für eine Schraubverbindung des Halses mit dem Korpus ohne Stufe entschieden.

Nach der Überarbeitung des Halslagers und der Passfläche am Hals wurde der speziell von mir entwickelte Schraubanker eingebaut. Im Anschluss daran erledigte ich alle notwendigen Halsreparaturarbeiten.

Das Entlacken von Hals und Korpus war der nächste Schritt. Sodann folgten die Reparaturarbeiten am Korpus.

Bezüglich der Lackierung entschied ich mich für die originalgetreue schwarze Farbe mit transparentem Überzug.

Bei der Reproduktion der fehlende Schlagplatte habe ich die von GUSTAV GLASSL bevorzugte Ausführung gewählt. Der zusätzliche Formsprung an der Halsanlageseite gibt den Blick frei auf das rautenförmige, geschwungene Schallloch und bietet darüber hinaus jederzeit die Möglichkeit der Montage für einen frei schwebenden Hals- Pickup.

Nach der Endmontage, dem Stimmen und Justieren, sowie dem Vermessen und Dokumentieren war die Mission Black King erfolgreich abgeschlossen.

Das optische Ergebnis und der Klang entsprechen meinen Erwartungen.

Bilder vor der Restauration:

 

Die Arbeiten im Einzelnen:

  • Hals entfernt
  • offene Leimfuge am Halsfuß stabilisiert
  • Stufe in der Hals-Passfläche beseitigt
  • Halslager im Korpus überarbeitet
  • Passfläche am Hals für optimalen Halswinkel nachgearbeitet
  • Bohrung für Schraubanker gesetzt
  • Schraubanker hergestellt und montiert
  • loses Binding am Griffbrett verleimt
  • Bohrlöcher an beiden Seiten des Griffbrettendes aufgefüllt
  • fehlendes Binding am Kopfplattenende ersetzt
  • Bundstäbe unterkoffert
  • Bünde abgerichtet, profiliert, Enden verrundet und poliert
  • Griffbrett überarbeitet, geschliffen, poliert und gewachst
  • Bundschlitze im Griffbrettbinding kaschiert
  • offene Decken- und Bodenmittelfuge verleimt
  • Deckenablösung am großen Bug und Bodenablösung am Halsfußende verleimt
  • Zargenüberstand an Decke und Boden egalisiert
  • lose Bindings am Korpus verleimt und verschliffen
  • Korpus und Hals entlackt, feingeschliffen und retuschiert
  • transparent lackiert mit Zwischenschliff
  • Patinierung schwarz
  • transparente Endlackierung inklusive Schleifen und Polieren
  • Steg, gewichtsoptimiert, angepasst und poliert
  • Anfertigung von originalgetreuer Schlagplatte inklusive Halter
  • Anfertigung und Montage von 6 neuen Plastikhülsen für die Mechanikwellen
  • Mechaniken überholt, alte Plastikwirbel durch Perlmuttwirbel ersetzt
  • Bohrungen für die Einschlaghülsen kalibriert
  • Anfertigung von 6 neuen Einschlaghülsen aus Neusilber
  • montiert, besaitet und justiert
  • dokumentiert und fotografiert

Bilder vor dem Lackieren: 

 

Bilder nach der Restauration:

 

Datenblatt:  EXCEL-Datei 

datenblatt

Thomas Buhé Jazzgitarrist

Liebe Leser,

Thomas Buhé hat mich gebeten, einen offenen Dankbrief an seine treue Gefolgschaft im Internet zu veröffentlichen. Er ist mittlerweile 93 Jahre alt und spielt, wie man auf dem Bild sieht, immer noch seine alte Roger Gitarre. Eigentlich sollte man lebende Künstler nicht als Legenden bezeichnen doch im Fall Thomas Buhé, der im Jahre 1920 geboren wurde, ist dies angebracht und so danke ich der Gitarren-Legende Buhé und wünsche Ihm noch viele interessante Lebensjahre!

Stefan Lob von Schlaggitarren.de

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Thomas Buhé Jazzgitarrist, Autor, Pädagoge

geb. 26.09.1920, BerlinThomas Buhe0001

 

Liebe Gitarrenfreunde,

als vor etwa 70 Jahren, nach dem bösen Krieg, zur Stunde „Null“, mir das Schicksal ausgerechnet eine Archtop-Gitarre vor die Füße legte, ahnte ich nicht, dass ich eine märchenhafte Ent­wicklung dieses Instruments miterleben sollte, an der ganze Völkerscharen verschiedener Interessen und Fähigkeiten beteiligt waren.

Inspiriert vom Jazz-Virus und dem Wissensdurst der jungen Gene­ration fand ich schließlich meine Lebensaufgabe, die mich nicht mehr losließ und mir die Begegnung mit zahlreichen interessier­ten und schöpferischen Kollegen, Schülern, Studenten, Solisten und Autoren bescherte, die mir bis heute nahe stehen.

Staunend verfolge ich, wie aus der Tradition der „Old School“, die Folgegeneration ihre „New School“ entwickelt und ihren kulturellen Beitrag leistet, wie Wissenschaftler, Autoren und Pädagogen die historischen Inhalte veralteter Tonträger und Bilder  wieder zugänglich machen.

Herzlichen Dank Euch allen, die mir getreulich halfen bei der Bewältigung moderner Medien und neuer Technik!

Good luck, keep swinging

Euer

Thomas Buhe unterschrift