Restaurierung meiner HARMONY “Patrician”

Ein Artikel von Andreas Polte.

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Als diese Harmony “Patrician” in meine Hände fiel, dachte ich erst einmal: “Auweia!!!”. Der Zustand der Gitarre war erbärmlich: Zahlreiche Lackabschürfungen, Stellen, die bereits bis ins Holz abgekratzt waren, ein lockerer Hals, der zudem noch eher die Form einer Banane hatte als eines Gitarrenhalses, Bundstäbchen, die bis auf absolut Null runtergespielt waren, eine Stegkonstruktion, die auf einem Bambusröhrchen basierte und zahllose weitere Kleinigkeiten. Also ein Albtraum.
Aber: Die Patrician besteht aus massiven Hölzern (Fichtendecke, Vogelaugenahornboden) und hat einen guten Grundsound, Binding und Schlagbrett sind aus echtem “Tortoise”, ein Material, dass man heute nicht mehr bekommen kann. Ein Indiz für ein überaus eingespieltes Instrument waren die Bundstäbchen; sie waren eben so gut wie nicht mehr vorhanden – und das fast überall fast gleichmäßig auf dem Griffbrett. Kurz angespielt, war da eben ein sehr, sehr guter Grundsound, der die Gitarre trotz erheblicher Mängel interessant erscheinen ließ.
Kurzer Exkurs zum Modell “Patrician” von Harmony:
Harmony war ein amerikanischer Hersteller u.a. auch von Archtop-Gitarren. Harmony wurde 1892 in Chicago von Wilhelm Schultz gegründet. 1916 hatte Harmony bereits 125 Mitarbeiter und war erfolgreich im Instrumentenbau. Um 1930 hatte die Firma einen Ausstoß von jährlich 500.000 Instrumenten. Endorser für die Harmony Archtops war Roy Smeck, ein damals sehr bekannter Gitarrist, der auch Lehrbücher veröffentlichte.
Unter den Gitarrenmodellen von Harmony war die “Patrician” das Topmodell; massive Hölzer, handgestochene Decke, Tortoise-Binding und -Schlagbrett. Die besten vorhandenen Hölzer wurden für die Patrician ausgewählt. Interessanterweise gab es bei Harmony während der Krieges einen Metallengpass, und so war während des Krieges der Saitenhalter aus Holz; er wurde auf die Decke geschraubt.
Die vorliegende Patrician hatte vor der Restaurierung eben diesen Holzsaitenhalter, was die Datierung der Gitarre auf die Jahre beschränkt, in denen die USA am 2. Weltkrieg beteiligt waren.
Die Restaurierung wurde von Herbert Rittinger durchgeführt, einem sehr sympathischen und ambitionierten Sammler und Restaurator von deutschen Vintage-Archtops. Herbert ist Ingenieur, und so ist auch seine Herangehensweise an die Restaurierung nicht von reiner Gitarrenbaukunst geprägt.


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Er bringt stattdessen zusätzlich die kreativen und pragmatischen Seiten seiner langen Berufstätigkeit in sein Hobby mit ein… mit beachtlichem Erfolg:
Herbert bekommt auch die Hälse noch dauerhaft gerade, die ein Gitarrenbauer mitunter aufgibt. Wer das Glück hat, sich seine Sammlung ansehen zu dürfen und die Dokumentation seiner Restaurierungen sieht, gibt ihm gerne sein Instrument zur Verbesserung. So war es für mich auch keine Frage, dass ich ihm die Patrician anvertrauen würde.


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Herbert Rittinger hat an dieser Gitarre ein kleines Wunder vollbracht: Der Hals ist absolut gerade, die neuen Bundstäbchen sind perfekt eingepasst und abgerichtet.
Die Hals-Korpusverbindung ist perfekt stabil und hat überall Kontakt (wichtig für die Tonübertragung).

Die Abdeckung der Kopfplatte wurde neu gearbeitet und nun sind Schriftzug und die Verzierungen durch Ausfräsung dreidimensional. Das sieht wirklich Klasse aus.
Die Risse in der Decke sind stabil repariert und die Gitarre bekam mehrere neue Lackschichten, um die abgeratzten Stellen auf der Decke zu kaschieren.


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Neuer Saitenhalter (im Stile der Vorkriegs-Patricians), neue Mechaniken und neuer handgeschnitzter Steg vollenden das Werk.
Aber am schönsten ist der Klang: Höhenbetont samtig, sehr klar, trockene Bässe und schnell in der Ansprache. So hatte ich gehofft, dass es werden würde.

Kurz: Spitze, lieber Herbert und vielen Dank!!

Restauration einer MIGMA von „Erich WANDER“

von Herbert Rittinger

Die Gitarre wurde vor geraumer Zeit als Restaurationsobjekt in ebay angeboten.

Es war Liebe auf den ersten Blick und mir war sofort klar, dass dies kein alltägliches Instrument ist.
Leider fehlte jegliche Hardware und die Decke hatte einen unprofessionell reparierten Crash am großen Bug, nebst zwei offenen Rissen in der Zarge.

Ich hätte beinahe gewettet, dass es sich um einen Korpus von ROGER handelt, wäre da nicht im Inneren ein Zettel mit der Aufschrift MIGMA MEISTER gewesen. Dieser ist handsigniert. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nichts über den Erbauer, außer dass dieser aus dem Vogtland stammen musste und seine Instrumente über die MIGMA vertrieben hat.

Als erstes wurde der stark gekrümmte, geschraubte Hals begradigt. Das Abrichten und Profilieren der Bundstäbe war der nächste Schritt, gefolgt von der Kosmetik für das Griffbrett.
Nun war die Reparatur des Deckenschadens und die Stabilisierung der Zargenrisse an der Reihe. Diese Arbeiten hatten aber den Lack so in Mitleidenschaft gezogen, dass ich mich zu einer kompletten Neulackierung entschloss.
Das Entfernen des ursprünglichen, transparenten Lacks wie auch das nachfolgende Schleifen erfolgte in reiner Handarbeit.

In den vergangenen Jahren habe ich in vielen Versuchen mit verschiedenen Lacken und Verarbeitungsverfahren Erfahrungen gesammelt. Die besten Resultate, vor allem in Bezug auf die klangliche Auswirkung, habe ich beim Farbauftrag mit dem Pinsel erzielt. Dieses Verfahren erfordert allerdings eine spezielle Technik und ist darüber hinaus viel zeitintensiver weil mehrmals geschliffen werden muss. Das Ergebnis ist ein brillianter, glockenreiner Klang der mich für diese zusätzliche Mühe reichlich belohnt.

Von den vielen Parametern die den Klang einer Gitarre beeinflussen, zähle ich die Lackierung zu den gravierendsten Einflussgrößen.

Nachdem das Holz wieder in neuem Glanz erstrahlte, wurde das schmucke Stück mit der passenden Hardware komplettiert. Für die Schlagplatte bevorzugte ich das ROGER-Design an Stelle der Originalform. Ich fand dies kongenial weil der Korpus eine millimetergenaue Kopie des berühmten Vorbildes ist und mir diese Schlagbrettform darüber hinaus die unsichtbare Unterbringung der Klinkenbuchse gestattete.

Die Gitarre von Erich Wander ist nicht nur eine gelungene Kopie der ROGER, sie ist dieser auch in allen Belangen ebenbürtig. Was ihr im Vergleich zu ihrem Vorbild fehlt, ist die Berühmtheit und der Bekanntheitsgrad ihres Erbauers.
Mittlerweile besitze ich mehr Informationen über Erich Wander. Für mich gehört er unzweifelhaft zur Oberklasse der Gitarrenbauer seiner Zeit.


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RESTAURATION EINER ZWEITEN OSBAMA-TANGO

von Herbert Rittinger

 

Eines Tages rief mich Stefan Lob an und fragte mich, ob ich eine OSBAMA-TANGO für meine Sammlung gebrauchen könne. Natürlich konnte ich nicht nein sagen. Als ich die Gitarre dann in den Händen hielt wurde mir schnell klar, dass enorm viel Arbeit nötig sein würde, um aus diesem Wrack ein spielbares, gut aussehendes Instrument zu machen.
Der Hals war krumm und deshalb nur sehr eingeschränkt spielbar, was aber den Vorteil hatte, dass die Bundstäbe nur minimal abgenutzt waren und so auf eine Neubundierung verzichtet werden konnte. Den Zustand der Lackierung brauche ich nicht näher zu beschreiben; die Bilder sprechen für sich. Grosse Teile vom Korpus waren aus dem Leim gegangen und die Decke zierten zwei offene Risse. Drei Bohrlöcher in der Zarge, im Bereich des großen Bugs zeigten an, dass an dieser Stelle einmal eine Armauflage montiert war. Stefan war so freundlich, mir das gleiche Modell aus seiner Sammlung zur Verfügung zu stellen und so war ich in der glücklichen Lage, fehlende Teile originalgetreu replizieren zu können. Zum Dank für seine stete Hilfsbereitschaft habe ich ihm seine TANGO restauriert.

Nach Abschluss aller notwendigen Arbeiten darf ich eine wundervolle Gitarre meiner Sammlung hinzufügen. Der Klang ist ausgewogen und brillant und sie lässt sich trotz des kräftigen Halses mühelos spielen. Angenehm überrascht bin ich von der guten elektrischen Abnahme durch den in den Hals eingebauten RELLOG. Viele im Hals eingebaute Pickups haben das Problem, dass das Signal der beiden äußeren Saiten, bedingt durch die geringe Breite des Tonabnehmers, schwächer ist. Dieser Nachteil ist bei diesem Abnehmer nicht feststellbar.

Vor der Restauration


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Durchgeführte Arbeiten:

01. Schritt: Halskrümmung beseitigt
02. Schritt: Bundstäbe beidseitig unterkoffert
03. Schritt: Bunddrahtenden verrundet und poliert
04. Schritt: Bünde abgerichtet, profiliert und poliert
05. Schritt: Griffbrett abgezogen, poliert und gewachst
06. Schritt: Decken-und Bodenablösung + lose Zargen + Bindings verleimt
07. Schritt: Hals-Korpusverbindung überarbeitet
08. Schritt: Gitarre komplett entlackt und zum Lackieren vorbereitet
09. Schritt: Gitarre lackiert, patiniert, geschliffen und poliert
10. Schritt: Steg überarbeitet und angepasst
11. Schritt: Mechaniken überholt, Wellen gekürzt
12. Schritt: fehlende Armauflage incl. Verzierungen + Halter angefertigt
13. Schritt: montiert, besaitet und justiert
14. Schritt: dokumentiert und fotografiert

Bilder Nach der Restauration


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Diese Gitarre wurde von Erich Neudel 1959 für OSBAMA gebaut


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Nachwort:

Es gibt viele unterschiedliche Meinungen über Sinn und Zweck von Restaurationen bei Gitarren. Bevor man mit einer Restauration beginnt, sollte man versuchen, das Ziel zu definieren. Dazu ist es notwendig alle wichtigen Kriterien zu erfassen und durch eine Bestimmung der Wertigkeit in die richtige Reihenfolge zu bringen. Aus diesen Vorgaben ergibt sich die Art und der Umfang der notwendigen Arbeiten.
Meine Kriterien und deren Wertigkeit, gültig für den überwiegenden Teil meiner Projekte:

OPTIMALER KLANG / 40%
OPTIMALE BESPIELBARKEIT / 30%
ORIGINALES AUSSEHEN / 30%

Natürlich existieren auch Ausnahmen bei denen ich, bedingt durch besondere menschliche, konstruktive und historische Gegebenheiten, die Vorgaben verändert habe.
Das Ergebnis wird aber immer ein Kompromiss sein, denn auch hier gilt: die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht.

Nach weit über hundert durchgeführten Restaurationen, bei denen die klangliche Optimierung der Instrumente immer im Vordergrund gestanden hatte, bin ich erstaunt darüber, wie wenig Bedeutung (Sorgfalt) der optimalen Gestaltung der Passflächen von Hals-Korpusverbindungen beigemessen wurde. Dabei zählt die Hals-Korpusverbindung, ebenso wie die Lackierung zu den klangrelevanten Einflussgrößen.

DATENBLATT


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RESTAURATION EINER WOLFRUM JAZZGITARRE

von Herbert Rittinger

Auch diese Big-Mama hat mir Stefan Lob vermittelt. Sie ist mit Ihren gewaltigen Ausmaßen der JUMBO in meiner Sammlung.
Der katastrophale Zustand der Gitarre ließ darauf schließen, dass hier ein Vandale am Werk gewesen sein musste. Der Hals war krumm, das Schlagbrett fehlte und der Lack war komplett versprödet.
Mir war sofort klar, dass eine Menge Arbeit auf mich zukommen würde. Allein der originalgetreue Nachbau der Schlagplatte nahm eine enorme Zeit in Anspruch. Für den millimetergenauen Scan einer Original-Schlagplatte möchte ich Stefan Lob ganz herzlich danken.

Nach Abschluss aller aus meiner Sicht notwendigen Arbeiten präsentiert sich die Gitarre wieder in einem Ihrer Herkunft entsprechenden Outfit.

Sehr erfreut bin ich über die enorme klangliche Leistung. Diese entspricht in punkto Power meiner fast gleich grossen LEVIN DELUXE. Die Bässe sind wegen der wesentlich dickeren Decke zwar nicht ganz so stark, dafür ist sie in den Höhen etwas kräftiger und sie liefert auch etwas mehr Sustain
Der Klang ist ausgewogen und brilliant und sie lässt sich mühelos spielen.

Stefan Lob hat die WOLFRUM als die „Super 400 des Vogtlandes“ bezeichnet.
Diesem Kompliment schließe ich mich gerne an.

Bilder vor der Restauration


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Durchgeführte Arbeiten

  • 01. Hals gerichtet
  • 02. Halsbohrungen verfüllt und retuschiert
  • 03. Bundstäbe beidseitig unterkoffert
  • 04. Bunddrahtschlitze im Binding verfüllt
  • 05. Bünde abgerichtet, profiliert und poliert
  • 06. Griffbrett abgezogen, poliert und gewachst
  • 07. lose Bindings verleimt und Deckenschäden ausgebessert und retuschiert
  • 08. Gitarre komplett entlackt und zum Lackieren vorbereitet
  • 09. Gitarre lackiert, patiniert, geschliffen und poliert
  • 10. Steg überarbeitet und angepasst
  • 11. Saitenhalter poliert und Mechaniken überholt
  • 12. Schlagbrett-Originalkopie inclusive Bügel angefertigt
  • 13. montiert, besaitet und justiert
  • 14. dokumentiert und fotografiert

Bilder nach der Restauration


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Datenblatt


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RESTAURATION EINER SELTENEN GITARRE VON HERBERT TODT

von Herbert Rittinger

Bei diesem Instrument handelt es sich um ein sehr ausgefallenes Modell mit kammförmigem Wulst entlang der Hohlkehle von Decke und Boden. Bis jetzt sind 3 Instrumente mit dieser einzigartigen Ausprägung bekannt. Eine davon ist die aufwendige Multistreifen-Gitarre, die dieselben Schalllöcher besitzt, weswegen sie ursprünglich Heinz Seifert zugeschrieben wurde. Tatsächlich sind die von Herbert Todt und Heinz Seifert benutzten Tropfenlöcher in der Kontur absolut identisch.
Die Gitarre war für ihr Alter in einem recht ordentlichen Zustand, ohne Risse und Brüche, aber mit einer Unzahl von Macken und Dellen. Die Lackierung war, wie bei den meisten Gitarren von den Erzeugern aus dem Osten, total versprödet. Bezüglich Alterungs- und UV-Beständigkeit hatten die Lacke der westlichen Hersteller, aus dieser Zeit, eine ungleich bessere Qualität.
Durch zu trockene Lagerung hatten sich die Bindings reihenweise gelöst. In die Zarge war nachträglich eine Klinkenbuchse eingebaut worden, mit einem zusätzlichen Loch in der Decke für das Ausgangskabel des versteckten Tonabnehmers. Außerdem war der originale Steg durch eine billige Plastikversion ersetzt worden.

Restaurationsbericht:

Zuerst begann ich mit der Instandsetzung des Halses. Als erstes wurde die Krümmung beseitigt. Danach folgte die komplette Überarbeitung des Griffbretts, einschließlich Einlagen und Bundstäben.
Anschließend folgten die notwendigen Arbeiten am Korpus.
Das Verleimen der losen Bindings, mit nachfolgendem Verschleifen, war der nächste Schritt.
Nun war die Überarbeitung des Halslagers für den eingeschraubten Hals an der Reihe.
Bezüglich der Lackierung entschied ich mich für die aufwendige Vollrestauration des Originallacks.
Nach der Überarbeitung der gesamten Hardware und der Durchführung aller weiterer, akustisch klangrelevanter Maßnahmen erfolgte die Endmontage, das Stimmen und Justieren, sowie das Vermessen und Dokumentieren.

Mit dem optischen Ergebnis bin ich zufrieden. Angenehm überrascht war ich vom Klang. Das Instrument hat eine unwahrscheinliche Ansprache, eine hervorragende Bespielbarkeit und reagiert auf die leichteste Berührung der Saiten. Die Töne sind brillant und differenziert. Sie eignet sich hervorragend für das Solospiel. Bei sehr druckvoller Spielweise über alle Saiten werden die einzelnen Töne allerdings nicht mehr sauber voneinander getrennt.

Die Arbeiten im Einzelnen:

01. Schritt: Halsbiegung beseitigt
02. Schritt: Bundstäbe beidseitig unterkoffert
03. Schritt: Bünde abgerichtet, profiliert, Enden verrundet und poliert
04. Schritt: Griffbrett ausgebessert, geschliffen, poliert und gewachst
05. Schritt: Kopfplatte poliert
06. Schritt: lose Bindings verleimt und verschliffen
07. Schritt: Halslager überarbeitet + Optimierung des Halswinkels
08. Schritt: gesamte Lackierung trocken überschliffen
09. Schritt: Macken und Dellen aufgefüllt und verschliffen
10. Schritt: patiniert, retuschiert und transparent versiegelt
11. Schritt: Lack feingeschliffen, und poliert
12. Schritt: Neuer Steg, gewichtsoptimiert, angepasst und poliert
13. Schritt: Saitenhalter poliert
14. Schritt: Schlagplatte + Halter überarbeitet
15. Schritt: Rückbau des Klinkensteckers unter die Schlagplatte
16. Schritt: Mechaniken überholt, Einschlagsitze kalibriert
17. Schritt: Spezialanfertigung des Halsfuß-Gurtpins
18. Schritt: montiert, besaitet und justiert
19. Schritt: dokumentiert und fotografiert

Bilder nach der Restauration:


© Stefan Lob schlaggitarren.de

 

Datenblatt:


© Stefan Lob schlaggitarren.de

RESTAURATION EINER JAZZGITARRE LEVIN DE LUXE

von Herbert Rittinger

Dies ist das zweite Mal, dass ich meinem Vorsatz, nur alte deutsche Schlaggitarren zu sammeln, untreu geworden bin.
Ich war schon immer ein Verehrer dieser extravaganten Primadonna aus dem kühlen Norden und als diese mir plötzlich und unerwartet von Stefan angeboten wurde konnte ich einfach nicht nein sagen.
Die Gitarre, Baujahr 1956, befand sich in einem relativ guten Allgemeinzustand. Sie hatte weder Risse noch gröbere Schäden und zu meiner großen Freude war sie auch keinem Hobby Bastler in die Hände gefallen. Allerdings hatte sie mehrere Jahre in einem Koffer zugebracht. Infolge Luftfeuchtigkeit und mangelnder Belüftung hat sich das Zelluloidschlagbrett zersetzt. Die dabei frei gewordene Essigsäure hat die Metallteile und den Lack in der unmittelbaren Nähe des Schlagbretts stark angegriffen. Die chemische Reaktion hat selbst Verfärbungen im darunter liegenden Holz hinterlassen die auch nach der Neulackierung noch geringfügig sichtbar sind. Es wäre kein Problem gewesen mit einer leicht bräunlichen Patinierung diese Spuren unsichtbar zu machen, aber diese Maßnahme hätte der Optik der wunderschönen Haselfichte geschadet und das war es mir nicht wert.

Dank der Speziallackierung und zusätzlichen konstruktiven Verbesserungen spielt die LEVIN jetzt klanglich in einer höheren Liga. Aufgrund des sehr geringen Gewichts von nur 2,4 kg bei einer Größe von 18,3 Inch sprengt die Gitarre bezüglich Volumen, Lautstärke und Attack die gewohnten Grenzen. Der Klang ist ausgewogen und brilliant bei gleichbleibender Intensität über das gesamte Griffbrett. Für mich und für alle die sie bisher gespielt haben ist sie ein absolutes TOP- Instrument.

Bilder vor der Restauration

 

Durchgeführte Arbeiten

  • 01. Schritt: Bundstäbe unterkoffert
  • 02. Schritt: Bünde abgerichtet, profiliert und poliert
  • 03. Schritt Griffbrett abgezogen, poliert und gewachst
  • 04. Schritt lose Bindings verleimt und Bohrungen verfüllt
  • 05. Schritt komplett entlackt und zum Lackieren vorbereitet
  • 06. Schritt Gitarre transparent speziallackiert, geschliffen und poliert
  • 07. Schritt Brücke überarbeitet und angepasst
  • 08. Schritt neues Schlagbrett angefertigt
  • 09. Schritt Saitenhalter poliert und Mechaniken überholt
  • 10. Schritt montiert, besaitet, gestimmt, justiert, dokumentiert und fotografiert

Bilder nach der Restauration


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Datenblatt


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RESTAURATION EINER JAZZGITARRE VON CALACE

von Herbert Rittinger

 

Ich sammBild 15le und restauriere alte deutsche Schlaggitarren aus den 40er bis 70er Jahren.
Die Beschränkung auf deutsche Instrumente war sinnvoll, um den Bedarf an Raum und Kapital den vorhandenen Ressourcen anzupassen. An diese Vorgabe habe ich mich bisher auch streng gehalten…, mit einer einzigen Ausnahme:
Vor genau einem Jahr wurde in ebay eine Gitarre angeboten, die mich sofort in ihren Bann zog.
Obwohl sie total heruntergekommen und bar jeglicher Hardware war, gab es keinerlei Zweifel an ihrer adligen Herkunft. Bernd, den Verkäufer, hatte wohl der Mut verlassen, diesem Wrack seine einstige Schönheit zurückzugeben. Das war mein Glück, und so bekam ich sie also…..die CALACE!
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich zu diesem Zeitpunkt mit diesem Namen nichts , aber auch gar nichts anfangen konnte.

Meine Recherchen brachten folgendes ans Licht:

Die Firma CALACE wurde gegründet im Jahre 1825 von Nicola Calace auf der Insel Procida in der Nähe von Neapel.

Begonnen wurde mit der Produktion von Gitarren. Nach dem Tod des Gründers übernahm dessen Sohn Antonio den Betrieb. Der Firmensitz wurde von Procida nach Neapel verlegt, wo erstmals Mandolinen gebaut wurden. Antonio hatte zwei Söhne, Nicola (1859-1923) und Raffaele (1863-1934), die nach dem Tod ihres Vaters den inzwischen berühmt gewordenen Zupfinstrumentenbau weiterführten. Raffaele Calace baute mit seinem Bruder Nicola nicht nur die besten Mandolinen seiner Zeit, er hatte auch ein bemerkenswertes musikalisches Talent. Neben seiner Tätigkeit als Instrumentenbauer war er auch als Musiker und Komponist engagiert, was sehr bald zum Konflikt mit seinem Bruder führte. Dieser wanderte 1906 nach Amerika aus und baute dort unter dem Namen Nicola Turturro Zupfinstrumente.

Raffaele führte mit seiner Tochter Maria und seinem Sohn Guiseppe die Firma Calace weiter. Er selbst wurde in der Folge mit seiner Musik weltberühmt. Man bezeichnete ihn als Paganini der Mandoline.
Heute wird das Unternehmen (www.calace.it) von Guiseppes Sohn Raffaele jr. geführt. Es beschäftigt sieben Instrumentenbauer und ist begehrtes Reiseziel von Mandolinisten aus aller Welt.

Inspiriert vom Erfolg der berühmten Jazzgitarrenschmiede aus Übersee baute Guiseppe Calace in den 30er Jahren einige wenige Jazzgitarren nach dem Motto: Das können wir auch, nur viel schöner!
Es blieb jedoch bei weniger als 10 Kopien der L5.

Bilder vor der Restauration


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Restaurationsbericht:

  • 01. Schritt: Verleimen des Zargen- und Halsbruchs
  • 02. Schritt: Entfernung des Bodens mit nachfolgender Verleimung der Risse in Decke und Boden
  • 03. Schritt Boden aufleimen
  • 04. Schritt Halsbiegung und Halstorsion eliminieren
  • 05. Schritt fehlende Perlmutteinlagen von Korpus und Schlagbrett angefertigt und eingesetzt
  • 06. Schritt Korpus und Hals geschliffen und zum Lackieren vorbereitet
  • 07. Schritt Bünde abgerichtet, profiliert und poliert; Griffbrett geschliffen und poliert
  • 08. Schritt Korpus und Hals lackiert, geschliffen und poliert
  • 09. Schritt Saitenhalter von „Originalfoto“ (siehe unten) abgenommen, angefertigt und vergoldet
  • 10. Schritt Brücke von „Originalfoto“ abgenommen und angefertigt
  • 11. Schritt Spezialanfertigung der handgravierten und vergoldeten Einzelmechaniken ( Rubner)
  • 12. Schritt HW montiert, besaitet, gestimmt, justiert, dokumentiert u. fotografiert

Weitere Bilder von der Restauration

Zur Stabilisierung der nur 2,5mm dicken Decke wurde ein zusätzlicher kurzer Querbalken eingeleimt.


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Bilder nach der Restauration


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