RESTAURATION EINER HOPF 320 SL VON HERBERT RITTINGER

RESTAURATION EINER  HOPF 320 SL
GEBAUT VON GUSTAV GLASSL

Dieses Mal hat eine üppige, in die Jahre gekommene Schönheit aus dem hohen Norden den Weg zu mir gefunden.

Ihr Zustand war, in Anbetracht ihres Alters, durchaus passabel.

 Die Untersuchung führte zu folgender Diagnose:

 

  • 5 Risse, 11 Bohrlöcher und Schäden in der Decke
  • 9 Bohrlöcher in der Zarge
  • lose Bindings an Korpus, Schalllöchern und Hals
  • beschädigtes Binding am großen Bug
  • 17 Bohrlöcher im Hals
  • offene Leimfuge und Riss im Halsfuß
  • Hals-Gurtpinbefestigung 2x außermittig
  • Steg nicht original
  • Schlagbrett nicht original
  • desolater Zustand der Lackierung

 


 

Restaurationsbericht:

Zuerst demontierte ich die Gitarre. Es folgte die Nachverleimung der Bindings und Einlagen am Hals und das Tuning des Griffbretts und der Bundstäbe. Die Stabilisierung der Deckenrisse war der nächste Schritt.  Danach war die Verleimung und Ausbesserung der Bindings am Korpus und an den Schalllöchern an der Reihe. Nach dem Entlacken, Feinschleifen und Retuschieren konnte die schrittweise volltransparente Lackierung, mit Zwischenschliffen,  künstlicher Alterung und Hochglanzpolitur in Angriff genommen werden. Aus gesundheitlichen, optischen und klanglichen Erwägungen verwende ich keinen Nitrocelluloselack.

Nach der Neuanfertigung der fehlenden und der Überarbeitung der vorhandenen Hardware sowie der Endmontage, dem Stimmen und Justieren, war dieses Projekt beendet.

Besonders gespannt war ich auf das klangliche Ergebnis, im Vergleich zur Zwillingsschwester, die sich ebenfalls in meiner Sammlung befindet. (siehe Bild)  Auch diese Gitarre wurde von mir restauriert, mit dem Unterschied, dass ich in diesem Fall auf eine Neulackierung verzichtet hatte, da der originale Lack in einem sehr guten Zustand war.

 

Das Ergebnis belegt in eindrucksvoller Weise den positiven Einfluss einer optimalen Lackierung auf den Klang.


 

 Bilder vor der Restauration:


 

Die Arbeiten im Einzelnen: 

  • Gitarre demontiert
  • Einlagen und lose Bindings am Hals verleimt
  • Bundstäbe unterkoffert
  • Bünde abgerichtet, profiliert, Enden verrundet und poliert
  • Griffbrett überarbeitet, geschliffen, poliert und gewachst
  • Deckenrisse verleimt
  • Bindings am Korpus und an den Schalllöchern verleimt und ausgebessert
  • Korpus und Hals entlackt, feingeschliffen und retuschiert
  • Lackierung mit Zwischenschliff, künstlicher Alterung, Endschliff und Politur
  • Steg neu, gewichtsoptimiert, angepasst und poliert
  • Originalschlagbrett von Zwillingsmodell überarbeitet, modifiziert und montiert
  • PU + Regler + Klinkenbuchse auf Schlagbrett montiert.
  • Mechaniken überholt
  • montiert, besaitet und justiert
  • dokumentiert und fotografiert

 

Bilder vor dem Lackieren:


 

Bilder nach der Restauration:


 

Nachrüstung:

 

  • Verstellbarer Steg aus Ebenholz
  • Original Schlagplatte
  • Kent Armstrong Alnico Slimbucker mit Tonregler und Klinkenbuchse
  • Gurthalter Halsfuß

 

Datenblatt:

Datenblatt Hopf 320 SL

Komplett-Restauration einer vollmassiven Herbert Todt Jazzgitarre von Martin Kemmler


 

Wenn man einmal eine Jazzgitarre von Herbert Todt in den Händen halten und sie eventuell anspielen darf, ist einem sofort bewusst, dass hier einer der besten Gitarrenbauer – und nicht nur in Markneukirchen, sondern weltweit – am Werk war. Es sind wunderbar ausgearbeitete Decken und Böden, die nur in mühevoller Handarbeit hergestellt werden konnten!
Die vorliegende Gitarre würde jedoch auf den ersten Blick eher als Wrack bezeichnet werden! Die Halszunge war abgebrochen und verloren gegangen. Ebenso war der Halsfuß gebrochen und wurde unfachmännisch mit Weißleim „zusammengeklebt“. Da Weißleim für Instrumente in der Regel völlig ungeeignet ist, weil er auf Zug langsam nachgibt, wurde das Griffbrett von oben durchbohrt und eine 8 mm Holzschraube in den Hals hineingedreht! So wurde das Instrument wieder spielbar und man konnte, obwohl so malträtiert, hören, dass es eine wunderbare Gitarre ist.
Auf den zweiten Blick konnte man erkennen, dass dies Defekte waren, die man beheben konnte und der gesamte Korpus unversehrt war. Lediglich der übliche Zargenüberstand hat zur Öffnung und Ablösung des Bodens von der Zarge geführt. Der Hals wies auch unter Spannung keine Krümmung auf! Der Lack war stark ausgeblichen und teilweise verwittert. An den vom Sonnenlicht verschonten Stellen (z. B. am Schraubhals innen) konnte man sehen, dass die Gitarre ursprünglich ein hellbraunes bis braunes Sunburst trug! Der Boden und die Zargen weisen herrlich geflammter Ahorn auf!

Der wunderbare Klang des Instruments spielgelt die hohe Kunst des Gitarrenbauers Herbert Todt in vollem Umfang wieder!


 

 


Nachfolgend die Beschreibung der einzelnen Arbeitsschritte:

 

Arbeiten am Hals:

  • alte Bünde entfernt, 8 mm Holzschraube entfernt;
  • Halszunge aus Palisander und original alten Bindingresten  wiederhergestellt;
  • Fehlende Perlmutt Intarsien ersetzt und Löcher farbtreu verschlossen;
  • Bohrloch am Griffbrett verfüllt und mit Palisander verschlossen, Griffbrett abgerichtet;
  • Bundierung (Bünde verklebt, egalisiert, profiliert, poliert);
  • Weißleim am Halsfuss entfernt und neu verleimt, Stabilisation Halsfuss (unsichtbar)
  • Halswinkel angepasst und Sitz des Schraubhalses optimiert;
  • Mechaniken gerichtet u. defekte Teile ersetzt;
  • alle Metallteile poliert, Sattel gerichtet, Griffbrett gewachst und poliert.

 

Arbeiten am Korpus:

  • Alter, stark verwitterter Lack entfernt;
  • Loses Binding verklebt und Löcher verfüllt;
  • Zargenüberstand beseitigt (Öffnen am Endblock und Kürzung der Zargen)
  • Korpus und Hals verschliffen;
  • Erstlackierung dünn mit klarem Nitrolack, Feinschliff, Sunburst-Lackierung, Fixieren mit klarem Nitrolack, Feinschliff, mehrere sehr dünne Schichten Nitrolack (je mit Zwischenschliff, nass);
  • Feinschliff nass, Hochglanzpolitur;
  • Metallteile montiert, Schlagbrett in Originalform aus massivem ostindischem Palisander hergestellt und montiert, Brücke angepasst;
  • Saiten aufgezogen (Phospor Bronze, Clapton´s choice von Martin, 12er), justiert und gestimmt.

 

 

Handgeschnitzte, vollmassive 17 Zoll Archtop Jazzgitarre mit Cutaway

Von Martin Kemmler

Im Frühjahr 2014 entstand eine 17 Zoll Jazzgitarre, die aus dem vollen Holz von Hand herausgearbeitet wurde. Ein Freund vermachte mir 32 Cellodecken aus Fichte, die er vor ca. 20 Jahren aus der Konkursmasse der Musima herauskaufte. Als Boden wurde ebenfalls ein abgelagerter Rohling für ein Cello aus geflammtem Ahorn verwendet. Fichtendecke und Ahornboden wurden nach Anleitung aus dem Buch von Robert Benedetto von Hand herausgearbeitet.

Im Unterschied zu Benedetto erhielten Decke und Boden wesentlich stärkere Wölbungen.

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Klassische Instrumente wie Celli und Violinen haben ebenfalls starke Wölbungen und klingen besonders warm und voluminös. Es soll eine Jazzgitarre mit warmem Klang entstehen – im Gegensatz zu vielen deutschen Schlaggitarren, die oft sehr hell und höhenreich klingen, bis hinein zu einem klirrenden, fast schon scheppernden Klangbild.

 

 

Als Klangvorbilder dienen Gitarren von Epiphone (Broadway aus den 40er Jahren), Gibson Super 400 und Artur Lang.

Beim Restaurieren von Jazzgitarren fiel mir auf, dass handgeschnitzte Jazzgitarren mit stärkerer Wölbung von Decke und Boden und starkem Carving (z. B. Lang und Otwin) einen hervorragenden Klang aufweisen. Da die Decken zum Teil sehr dünn herausgearbeitet wurden (Bsp. Otwin-Gitarren) ist das Ansprechverhalten naturgemäß sehr gut – aber auch das Sustain ist ausgeprägt. Darüber hinaus weisen stark gewölbte Jazzgitarren eine sehr gute Dynamik auf. Offensichtlich vereint man mit einer stark gewölbten und etwas dünneren Decke Klangeigenschaften, die sich sonst eher ausschließen.

Dieser Beobachtung folgend, wurden Decke und Boden ohne Vorlage freihändig geschnitzt. Die Angaben für die Stärken der Fichtendecke (je nach Region) von Robert Benedetto wurden jedoch beachtet.

Als Pickup wurde ein flacher Kent Armstrong eingebaut. Unter dem Schlagbrett wurden zwei Thumbwheel-Potis für Volume und Tone angebracht. Die Klinkenbuchse ist als Endpin ausgeführt.

Im Unterschied zur Vorlage Benedettos konnten durch die stärkere Wölbung der Decke etwas

schwächere und kürzere Balken eingebaut werden. Das soll den warmen und voluminösen Ton unterstützen.

 

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Die Gitarre hat folgende Merkmale:

  • Abmessungen 17 Zoll mit Cutaway (Benedetto-Form)
  • Handgeschnitzte Fichtendecke und handgeschnitzter, geflammter Ahornboden, parallel-Bracing
  • Zargen aus geflammtem Ahorn (2,5 mm massiv)
  • Reifchen aus Mahagoni
  • F-Löcher entsprechend „Kurt Seifert“
  • Länge 107 cm
  • Zargentiefe: 84mm
  • Hals: geflammter Ahorn mit 2-Wege-Halsstab, Schwalbenschwanz; eingeleimt
  • Kopfplatte: Ebenholz mit Einlagen aus Perlmutt entsprechend Gibson, eigenes Logo
  • Mensur: 65 cm, Ebenholz Griffbrett, Einlagen Perlmutt entsprechend Gibson Super 400
  • 22 Bünde, Knochensattel
  • Sattelbreite: 45 mm
  • Saitenbreite: 60 mm
  • Binding: Decke und Boden (6 fach) plus Fishbone Purfling, Hals und Kopfplatte 3-fach
  • Brücke aus Ebenholz (Höfner Modell)
  • Schlagbrett Ebenholz mit Einlagen
  • Saitenhalter: Eigenbau mit Perlmutt-Einlagen, Erdung der Saiten)
  • Kent Armstrong Pickup mit Tone- und Volumecontrol (Thumbwheels)
  • Schaller Vintage Mechaniken
  • Gelborange/rotbraune Sunburst-Lackierung (Nitrolack)
  • Angenehme Bespielbarkeit, sehr gute Saitenlage
  • Besaitung: Thomastik Flatwound (12er)

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Die Gitarre weist die gewünschten positiven Klangeigenschaften als Jazzgitarre auf und ist überdies hervorragend bespielbar.

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Klangbeispiel

Alicia´s Lullaby von Attila Zoller, gespielt von Lucas Kemmler

 

Akustisch 

Verstärkt 

 

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RESTAURATION EINER LANG – SUPER – DELUXE

LANG – SUPER – DELUXE

von Herbert Rittinger

Wieder einmal ist eine vornehme alte Dame in kritischem Zustand in die Notaufnahme meiner Gitarrenklinik eingeliefert worden.

Der Verkäufer hatte sich alle Mühe gegeben, die mannigfaltigen Verletzungen nicht zu offenbaren.

Umso erstaunter war ich, als ich bei der Übergabe des Instruments, in der Zarge, auf der Bassseite am großen Bug, zahllose klaffende Risse entdeckte. Dazu gesellten sich noch Decken- und Bodenablösungen mit den dazugehörigen Zargenüberständen.

Allein meine Verbundenheit mit dem berühmten Erbauer und dessen genialer Arbeit hat mich dazu bewogen, die Operation durchzuführen.

 

Die Untersuchung offenbarte folgende Schäden: 

  • 2 Risse in der Decke
  • 16 Risse und ein Loch in der Zarge, davon 13 Risse auf der Bassseite am großen Bug
  • 18 Bohrlöcher in Zarge und Binding im Bereich der Befestigung des Schlagbretts
  • 3 Decken- und Bodenablösungen am großen Bug mit Zargenüberstand
  • lose Bindings an Korpus und Hals
  • 25 Bohrlöcher im Hals
  • Griffbrettschäden, desolate Bundstäbe und durchgeschnittenes Griffbrett-Binding
  • Gebrochenes Brückenoberteil
  • fehlender Originalsaitenhalter
  • fehlendes Schlagbrett
  • zerstörter Gurtpin
  • desolater Zustand der Lackierung und der Hardware

 


 

Restaurationsbericht: 

Zuerst demontierte ich die Gitarre, entfernte den Hals und überarbeitete die Passfläche im Korpus und am Hals. Die Halsbefestigung habe ich umgestellt auf  „geschraubt“. Dazu war die Anfertigung und Montage eines speziellen Schraubankers nötig. Ein vergrößerter Halswinkel sorgt nun für eine höhere Stegauflagekraft die eine bessere Klangübertragung garantiert. Es folgte die Neubundierung und das Tuning des Griffbretts und der Bundstäbe.

Sodann waren die notwendigen Reparaturen am Korpus an der Reihe, wobei die Verleimung der zahllosen Zargenrisse die größte Herausforderung darstellte. Um eine absolut sichere Verleimung zu gewährleisten, habe ich erstmalig ein neues Druck-Injektionsverfahren angewandt.

Es folgte die Reparatur der Risse in der Decke und das Verleimen der losen Bindings. Die Reparatur der Decken- und Bodenablösungen und die Egalisierung der Zargenüberstände waren der nächste Schritt.  Nun konnte das Entlacken von Hals und Korpus, inklusive Feinschliff, in Angriff genommen werden.  Die Lackierung erfolgte in mehreren Schritten mit Zwischenschliff und künstlicher Alterung. Dieser spezielle Vorgang hat neben der klanglichen Verbesserung ein Anfeuern des Lacks zur Folge, sodass auf  die Einfärbung der transparenten Beschichtung verzichtet werden kann.

Nach der Neuanfertigung der fehlenden und der Überarbeitung der vorhandenen Hardware war die Endmontage, sowie das Stimmen und Justieren, der letzte Schritt in einer langen Kette von Arbeitsfolgen.

Mit dem optischen Ergebnis, vor allem aber mit dem Klang, bin ich mehr als zufrieden. 


Bilder „vor der Restauration“

Die Arbeiten im Einzelnen: 

  • Gitarre demontiert
  • Hals ausgebaut
  • Halslager im Korpus überarbeitet
  • Passfläche am Hals für optimalen Halswinkel nachgearbeitet
  • Spezialanfertigung und Montage von Schraubanker
  • lose Bindings am Hals verleimt
  • Neubundierung
  • Bundstäbe unterkoffert
  • Bünde abgerichtet, profiliert, Enden verrundet und poliert
  • Griffbrett überarbeitet, geschliffen, poliert und gewachst
  • Zargenrisse druckverleimt
  • 2 Deckenrisse verleimt
  • Decken- und Bodenablösungen verleimt und verschliffen
  • Zargenüberstände egalisiert und retuschiert
  • lose Bindings am Korpus verleimt und verschliffen
  • Korpus und Hals entlackt, feingeschliffen und retuschiert
  • Lackierung mit Zwischenschliff, künstlicher Alterung, Endschliff und Politur
  • Steg repariert, gewichtsoptimiert, angepasst und poliert
  • Spezialanfertigung von originalgetreuem Schlagbrett + Halter
  • Mechaniken überholt
  • Kopfplatte poliert und neu verschraubt
  • montiert, besaitet und justiert
  • dokumentiert und fotografiert

 

 

Nachrüstung:

  • Original LANG-Saitenhalter
  • D´ Armond Rhythm Chief 1000
  • Gurthalter Endpin
  • Gurthalter Halsfuß

 Bilder „nach der Restauration“

 

 

 

 

 

 

RESTAURATION EINER ALOSA-Black King – Herbert Rittinger

Das Bild von der Musikmesse in Garmisch Partenkirchen, um ca. 1955,  vermittelt einen guten Eindruck von der Vielfalt der Hersteller die ALOSA im Programm hatte.


Zu Beginn meines Berichts möchte ich die Gelegenheit wahrnehmen, dem bereits vorhandenen Bericht über die Firma ALOSA auf schlaggitarren.de, einige interessante Details hinzuzufügen.

Die Firma ALOSA war eine Vertriebsfirma, die, unter anderem, Schlaggitarren und deren Komponenten von verschiedenen Herstellern kaufte und unter ihrem eigenen Namen vermarktete. Alois Sandner war der geborene Händler aber nicht der geniale Handwerker.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Vertreibern legte Alois Sandner sehr großen Wert auf  CORPORATE IDENTITY.  Er hat es tatsächlich geschafft, seine Marke im Bewusstsein der Menschen so zu verankern,  dass der Großteil derjenigen, die ALOSA und deren Produkte kennen, glauben, die Instrumente seien vom Gitarrenbauer Alois Sandner entwickelt und gebaut worden. Alois Sandner hat permanent daran gearbeitet seine Marke bekannt zu machen.


Am Beispiel der Premium-Modelle soll die konstante Entwicklung der Marke ALOSA veranschaulicht werden.

Der erste Lieferant von Top-Modellen um 1953 war Artur Lang, der komplette Instrumente und separate Hälse lieferte.

Die ersten über ALOSA verkauften LANG´s besaßen lediglich den ALOSA-Schriftzug auf dem Standard-Harfen-Saitenhalter. Bild 2

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurze Zeit später erscheint das dreieckige Abzugsbild auf der Decke

Bild 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Schriftzug auf der Schlagplatte fällt in etwa in die gleiche Zeit

Bild 4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im nächsten Schritt, um ca. 1955, finden wir das ALOSA-Logo auf der Kopfplatte zusammen mit dem von ALOSA kreierten Saitenhalter mit Gravur.

Bild 5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In diesen Zeitraum fällt auch das rautenförmige dritte Schallloch mit nachgeformtem Griffbrettende.

Mitte der 50er, als LANG seinen eigenen Kundenstamm hatte, endete die Zusammenarbeit.

GUSTAV GLASSL, ein begnadeter Gitarrenbauer der jüngeren Generation und Verehrer von A. LANG,

lieferte fortan Top-Modelle an ALOSA.

Die Premium Modelle haben folgende Namen:

BLACK KING

BLACK QUEEN

SOLIST

LUX

 GUSTAV GLASSL war nicht der einzige Lieferant im Premium-Sektor.

HOYER, HÖFNER, HOPF und KLIRA befanden sich ebenfalls unter den Zulieferern.

Eine feste Zuordnung modellspezifischer Eigenheiten existierte nicht.

Alle denkbaren Variationen bezüglich Korpusform und Abmessungen, Farbe, Cutaway, Schalllöcher, Hals, und Hardware waren möglich. Das erlaubte die Verwendung von kostengünstigen Standardkomponenten aus der laufenden Produktion verschiedener Hersteller.

Allein die Beschriftung auf der Hardware gab Auskunft darüber, um welches Modell es sich handelt.

Interessant wäre zu wissen, welche Preise für die einzelnen Modelle verlangt wurden.

Eine GLASSL Black King, mit 44cm Korpus und Hoyer-Hals,  konnte sicher nicht in der gleichen Preisklasse angesiedelt sein als beispielsweise eine KLIRA Black King mit 42cm Korpus und unverstärktem Hals.

Aufgabe der Mitarbeiter bei ALOSA war, neben der Durchführung von Reparaturen und kundenspezifischen Wünschen, vorwiegend die Endmontage von Einzelkomponenten.

Nach der Schließung der Werkstatt wurden die Instrumente von den Zulieferern komplett an ALOSA geliefert.

Die Bestimmung des Erbauers oder die Zuordnung von Komponenten zu den jeweiligen Herstellern der oben genannten Modelle ist nicht einfach, weil dazu umfassende Kenntnisse über Konstruktions- Fertigungs- und Stil-Details aller beteiligten Produzenten erforderlich sind.

Fortsetzung:  Restauration einer ALOSA-Black King

Dieses Mal ist ein blaublütiger Patient mit schweren aber nicht lebensbedrohenden Verletzungen in meine Gitarrenklinik eingeliefert worden. Der Einlieferungszustand ist auf den nachfolgenden Bildern hinreichend dokumentiert.

Mir war klar, dass die Behandlung umfangreich und zeitraubend werden würde, aber die Aussichten auf eine vollständige Genesung waren gut.  Ja, und außerdem war mein Patient ja nicht irgendwer, sondern ein echter Spross aus dem Hause GLASSL

Den Halsrohling von HOYER ziert eine Kopfplatte mit dem von GLASSL bevorzugten Sternmotiv aus einzelnen, rautenförmigen Perlmutteinlagen.

Für die offenen Bandmechaniken mit den Schmetterlingswirbeln hatte GLASSL und HOYER eine Präferenz.

Der Steg und die Schlagplatte fehlten.

Restaurationsbericht:

Zuerst entfernte ich den Hals der, im Zuge einer Reparatur, schlampig und nicht in dem von mir gewünschten Winkel eingeleimt worden war. Zum Vorschein kam die von GLASSL bevorzugte Hals-Korpusverbindung, die eine Stufe in der Passfläche des Halses und im Halsblock aufweist. Diese Konstruktion gewährleistet eine höhere Formstabilität der Zarge im Bereich der Hals-Korpusverbindung. Bei der herkömmlichen Befestigungsmethode ohne Stufe besteht die Gefahr, dass sich die 2,5 mm dicke Zarge von der Anlage am Hals ablöst. Der so entstandene Spalt ist optisch nicht gerade ansprechend.

Der Nachteil der Stufe liegt aber in der Problematik der exakten Anlage der versetzten Flächen.

Ich habe mich für eine Schraubverbindung des Halses mit dem Korpus ohne Stufe entschieden.

Nach der Überarbeitung des Halslagers und der Passfläche am Hals wurde der speziell von mir entwickelte Schraubanker eingebaut. Im Anschluss daran erledigte ich alle notwendigen Halsreparaturarbeiten.

Das Entlacken von Hals und Korpus war der nächste Schritt. Sodann folgten die Reparaturarbeiten am Korpus.

Bezüglich der Lackierung entschied ich mich für die originalgetreue schwarze Farbe mit transparentem Überzug.

Bei der Reproduktion der fehlende Schlagplatte habe ich die von GUSTAV GLASSL bevorzugte Ausführung gewählt. Der zusätzliche Formsprung an der Halsanlageseite gibt den Blick frei auf das rautenförmige, geschwungene Schallloch und bietet darüber hinaus jederzeit die Möglichkeit der Montage für einen frei schwebenden Hals- Pickup.

Nach der Endmontage, dem Stimmen und Justieren, sowie dem Vermessen und Dokumentieren war die Mission Black King erfolgreich abgeschlossen.

Das optische Ergebnis und der Klang entsprechen meinen Erwartungen.

Bilder vor der Restauration:

 

Die Arbeiten im Einzelnen:

  • Hals entfernt
  • offene Leimfuge am Halsfuß stabilisiert
  • Stufe in der Hals-Passfläche beseitigt
  • Halslager im Korpus überarbeitet
  • Passfläche am Hals für optimalen Halswinkel nachgearbeitet
  • Bohrung für Schraubanker gesetzt
  • Schraubanker hergestellt und montiert
  • loses Binding am Griffbrett verleimt
  • Bohrlöcher an beiden Seiten des Griffbrettendes aufgefüllt
  • fehlendes Binding am Kopfplattenende ersetzt
  • Bundstäbe unterkoffert
  • Bünde abgerichtet, profiliert, Enden verrundet und poliert
  • Griffbrett überarbeitet, geschliffen, poliert und gewachst
  • Bundschlitze im Griffbrettbinding kaschiert
  • offene Decken- und Bodenmittelfuge verleimt
  • Deckenablösung am großen Bug und Bodenablösung am Halsfußende verleimt
  • Zargenüberstand an Decke und Boden egalisiert
  • lose Bindings am Korpus verleimt und verschliffen
  • Korpus und Hals entlackt, feingeschliffen und retuschiert
  • transparent lackiert mit Zwischenschliff
  • Patinierung schwarz
  • transparente Endlackierung inklusive Schleifen und Polieren
  • Steg, gewichtsoptimiert, angepasst und poliert
  • Anfertigung von originalgetreuer Schlagplatte inklusive Halter
  • Anfertigung und Montage von 6 neuen Plastikhülsen für die Mechanikwellen
  • Mechaniken überholt, alte Plastikwirbel durch Perlmuttwirbel ersetzt
  • Bohrungen für die Einschlaghülsen kalibriert
  • Anfertigung von 6 neuen Einschlaghülsen aus Neusilber
  • montiert, besaitet und justiert
  • dokumentiert und fotografiert

Bilder vor dem Lackieren: 

 

Bilder nach der Restauration:

 

Datenblatt:  EXCEL-Datei 

datenblatt

Vollmassive Archtop Jazzgitarre im Calace-Stil

Eigenbau von Martin Kemmler


 

Nach vielen Restaurationen entstand der Wunsch, auch einmal eine eigene vollmassive Archtop Gitarre selbst zu bauen. Nach gründlicher Vorbereitung und praktischem Unterricht beim Gitarrenbauer und Freund Anton Sandner entstand im Laufe des Sommers ein einfaches, klassisches Modell ohne Cutaway, wie es ungefähr in den 1930er und 1940er Jahren v. a. in Amerika gebaut wurde. Decke, Boden und Hals wurden aus Hölzern gefertigt, die mindestens 50 Jahre gelagert waren. Der akustische Klang ist überraschend voluminös und ausgewogen – entsprechend den Erwartungen an eine vollmassive Gitarre.


 Sound File


 

Die Gitarre hat folgende Merkmale:

  • Handgeschnitzte gecarvte Fichtendecke und geflammter Ahornboden
  • Zargen aus geflammtem Ahorn (3 mm massiv)
  • Body: 16,5 Zoll (42 cm), 2 Längsbalken, Reifchen aus Mahagoni
  • F-Löcher entsprechend „Calace“
  • Länge 104 cm
  • Zargentiefe: 90 mm
  • Hals: 7 teilig (Ahorn/Birne/Buche/Birne/Buche/Birne/Ahorn)
  • Eingeleimter Halsstab aus Vierkant-Edelstahl (10×10 mm)
  • Kopfplatte: Palisander mit Einlage geflammter Ahorn
  • Mensur: 65 cm
  • 20 Bünde plus Nullbund
  • Sattelbreite: 44 mm
  • Saitenbreite: 55 mm
  • Binding: 3 mm (4 fach s/w/s/w)
  • Handgeschnitzte Brücke aus Palisander, verstellbar
  • Schlagbrett Fichte mit Binding
  • Orange/rotbraune Sunburst-Lackierung (Nitrolack)
  • Angenehme Bespielbarkeit wie bei einer modernen Gitarre, sehr gute Saitenlage
  • Besaitung derzeit Bronze Martin (12er) Clapton´s Choice 

Mein Dank geht an Anton Sandner, der viele Tricks und Kniffe im Gitarrenbau vermittelte und an Stefan Lob, der die uralten Hölzer bereitstellte!

Martins Restaurationen

 

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Martin Kemmler Eigenbau


 

 

 

 

 

 

 

 

Musima 1655 von Martin Kemmler

Musima 1655 von Martin Kemmler
mit Originalaufkleber Pionierpalast Berlin.
Restauration von Martin Kemmler.

Restauration:

  • Hals abschrauben, Body leimen, Hals anpassen;
  • Überarbeiteung Elektronik;
  • Überarbeitung Hals (Bünde, Biegung mit Halsstab justiert);
  • Aufarbeitung Lack, Mechaniken, Metallteile;
  • Aufziehen von 11er D´Addario Saiten

Ein klasse Instrument, das auch ohne Verstärkung sehr laut klingt!

Vor der Restauration


© Martin Kemmler

Nach der Restauration


© Martin Kemmler

Restauration einer vogtländischen Gitarre im ROGER Stil

von Martin Kemmler

 

Diese vollmassive Gitarre ist bzgl. der Maße einer von Herbert Rittinger restaurierten Migma-Wander identisch (vgl. www.schlaggitarren.de, Gitarren-Restaurationen von Herbert Rittinger). *

Sie war bei einem früheren Restaurationsversuch übel zugerichtet worden:

  • Der Korpus war unfachmännisch abgeschliffen worden;
  • eine Zarge war verzogen und vom Korpus abgelöst;
  • der an sich gerade Hals war zwischen den Bünden tief eingeschliffen;
  • die Bundierung musste erneuert werden;
  • die Hardware fehlte.

Folgende Arbeiten wurden durchgeführt:

  • Biegen und Neuverleimung der Zarge;
  • Entfernung der Bundierung und des Binding am Hals;
  • Egalisierung Griffbrett und Sägen der Bundschlitze;
  • Anbringen des original Binding am Hals und Anfertigung eines Sattels;
  • neu bundiert, egalisiert, profiliert und poliert;
  • Vorbereitung der Oberflächen und Neulackierung;
  • Steg aus Ebenholz angepasst;
  • Montage eines Schaller Pickups und eines Endpin-Jacks;
  • Anfertigung eines Schlagbretts aus Tortoise in Originalform;
  • Metallteile poliert, montiert, besaitet, eingestellt und gestimmt.[/List]

    Die Stimmstabilität der Gitarre ist ausgesprochen gut, da der Hals äußerst starr ist. Klang und Bespielbarkeit der Gitarre sind hervorragend.

    *Anmerkung Stefan Lob

    Da Wenzel Rossmeisl im Herzen von Markneukirchen die Werkstatt von Peter Harlan übernommen hat, haben viele Handwerker aus der Gegend für Ihn gearbeitet. Nachdem Rossmeisl enteignet wurde und die Werkstatt in den Besitz der MUSIMA überging, haben einige vogtländische Gitarrenbauer noch Gitarren in diesem Roger typischen Stil gebaut (zum Teil aus original, vorgefertigten Teilen).


    © Martin Kemmler

    © Martin Kemmler

Restauration einer Framus Cutaway 5/68

von Martin Kemmler

Dieses substanziell gut erhaltene Framus Modell Cutaway 5/68 (vgl. http://www.framus-vintage.de) erhielt ich von einem Bekannten aus Franken zu einem fairen Preis. Die nachfolgend beschriebene Restauration führte ich für meinen Sohn Lucas durch, der sich zu dieser Zeit auf Klassenfahrt in Frankreich befand.

Die Archtop Modelle Cutaway wurden von 1958 bis 1965 in den Framus-Werken in Bubenreuth hergestellt. Zum Teil wurden massive Fichtendecken verbaut, wie auch in dieser Gitarre. Sie trug noch folgenden Aufkleber, welcher der Restauration zum Opfer fiel: Franz Spengler, Musikinstrumentenbau Nürnberg, Wölkernstraße 22, Tel.: 46654. Dort wurde sie offenbar verkauft.

Vor der Restauration wurde die Gitarre ca. ein Jahr gespielt. Man konnte das Potential am guten Sustain der Bässe erahnen, welches in dieser ca. fünfzig Jahre alten Gitarre schlummerte. Allerdings war der Klang sehr dumpf bzw. arm an Höhen.

Die dunklen Lackschichten der Sunburst Lackierung waren erkennbar zersetzt. Die sehr dick aufgetragene dunkle Originalfarbe war teerartig weich geworden und dämpfte ganz offensichtlich die hohen Frequenzen!

Nach Abschluss aller notwendigen Arbeiten war ich äußerst überrascht über den phantastisch ausgewogenen und brillianten Klang. Auch die Lautstärke und besonders das Sustain haben sich noch einmal verbessert. Ganz offensichtlich hatte der vielschichtig und sehr dünn aufgebrachte neue Nitrocelluloselack diese durchschlagende Verbesserung bewirkt. Mit dem komfortablen Griffbrett (42 mm am Nullbund) und der guten Saitenlage lässt sie sich mühelos spielen. Verstärkt mittels des hervorragenden Bill Lawrence Tonabnehmers kann die Gitarre mit heutigen Archtop Modellen in den oberen Preisregionen mühelos mithalten!

Als mein Sohn Lucas von der Klassenfahrt zurückkam, rief er aus seinem Zimmer: „Papa, das ist der absolute Oberburner“! Nach dem Anspielen der Gitarre fragte er ungläubig: „Ist das wirklich dieselbe Gitarre?“ Ich bejahte, natürlich, und erklärte ihm, dass der neue Lack, die leichte Brücke und die nun gut verankerten Bundstäbe in Verbindung mit dem alten Holz den Superklang bewirken.

Vor der Restauration


© Martin Kemmler

Folgende Arbeiten wurden durchgeführt:

  • Verkleben eines langen Risses entlang der Zarge und schließen zweier hässlicher 12 mm großer Bohrlöcher in der Zarge
  • Griffbrett abgezogen, poliert und gewachst
  • Bundstäbe komplett erneuert, egalisiert, profiliert und poliert
  • Lose Bindings wieder befestigt und fehlendes Binding farbtreu ersetzt
  • Komplette Entfernung des alten Lackes und Vorbereitung zur Neulackierung
  • Neulackierung mit Nitrocelluloselack, geschliffen und poliert
  • Steg mit Metallreitern aus Ebenholz hergestellt und angepasst
  • Anfertigung eines Schlagbretts mit schwarzem Mooreiche-Furnier und weißem Binding, Unterbringung der Elektronik unter dem Schlagbrett (Volume- und Tonepoti, Kondensator), Fixierung des Bill Lawrence Floating Pickups
  • Einsetzen einer Klinkenbuchse, die als Gurtpin nutzbar ist
  • Saitenhalter repariert und poliert, Mechaniken überholt und poliert
  • Montiert, besaitet, eingestellt und gestimmt

Nach der Restauration


© Martin Kemmler

Datenblatt