Herbert Todt Schlaggitarre von Stefan Lob

Restauriert von Herbert Rittinger

Dieser Restauration einer Schlaggitarre von Herbert Todt möchte ich den Titel geben:“ EIN WUNDER“

Ich habe diese Herbert Todt von einem Schreiner bekommen, der sie vorhatte, selbst zu restaurieren. Er hat aber keine Chance gesehen, aus diesem „Wrack“, wieder ein spielbares Instrument zu machen. Die Bilder sprechen für sich. Das schlimmste waren die verbrannten mehrstreifigen Ziereinlagen auf der Bodenseite. Es fehlten fast alle Zubehörteile und sie hatte auch Risse im Boden.

Wenn es jemanden gibt, der solch eine „Wunder“ – Restauration vollbringen kann ist es Herbert Rittinger.

Mit viel Geduld, Akribie, Liebe zum Detail und vor allen Dingen viel, viel Zeit, zauberte er aus der alten Todt ein edles Trauminstrument.

Die Bilder sprechen für sich!

VOR DER RESTAURATION


© Stefan Lob schlaggitarren.de

NACH DER RESTAURATION


© HR

 

Jetzt ein paar Details zur Restauration:

  • Hals gerichtet
  • Hals-Korpuspaßfläche überarbeitet
  • Hals gerichtet
  • Bünde abger., profil.+ poliert
  • Griffbr. abgez., poliert u. gewachst
  • entlackt, Oberflächen zum Lackieren vorbereitet
  • Risse in Kopfplatte geleimt u. retuschiert
  • Mechaniken, Saitenhalter und Kopfplatte poliert
  • Bindingreparatur am Boden
  • Korrektur Zargenüberstand
  • entlackt; neu lackiert, geschliffen u. poliert; retuschiert
  • Steg angepaßt
  • Schlagplatte reproduziert u. befestigt
  • komplett montiert, neu besaitet, gestimmt und justiert

DATENBLATT
(Anmerkung: Es ist nicht das Modell SINFONIA sondern der Vertrieb)

 

Ich danke meinem Freund Herbert vielmals, dass er mir solch eine riesige Freude bereitet hat
und die alte Todt wieder ein neues Leben bekam!

RESTAURATION EINER JAZZGITARRE VON CALACE

von Herbert Rittinger

 

Ich sammBild 15le und restauriere alte deutsche Schlaggitarren aus den 40er bis 70er Jahren.
Die Beschränkung auf deutsche Instrumente war sinnvoll, um den Bedarf an Raum und Kapital den vorhandenen Ressourcen anzupassen. An diese Vorgabe habe ich mich bisher auch streng gehalten…, mit einer einzigen Ausnahme:
Vor genau einem Jahr wurde in ebay eine Gitarre angeboten, die mich sofort in ihren Bann zog.
Obwohl sie total heruntergekommen und bar jeglicher Hardware war, gab es keinerlei Zweifel an ihrer adligen Herkunft. Bernd, den Verkäufer, hatte wohl der Mut verlassen, diesem Wrack seine einstige Schönheit zurückzugeben. Das war mein Glück, und so bekam ich sie also…..die CALACE!
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich zu diesem Zeitpunkt mit diesem Namen nichts , aber auch gar nichts anfangen konnte.

Meine Recherchen brachten folgendes ans Licht:

Die Firma CALACE wurde gegründet im Jahre 1825 von Nicola Calace auf der Insel Procida in der Nähe von Neapel.

Begonnen wurde mit der Produktion von Gitarren. Nach dem Tod des Gründers übernahm dessen Sohn Antonio den Betrieb. Der Firmensitz wurde von Procida nach Neapel verlegt, wo erstmals Mandolinen gebaut wurden. Antonio hatte zwei Söhne, Nicola (1859-1923) und Raffaele (1863-1934), die nach dem Tod ihres Vaters den inzwischen berühmt gewordenen Zupfinstrumentenbau weiterführten. Raffaele Calace baute mit seinem Bruder Nicola nicht nur die besten Mandolinen seiner Zeit, er hatte auch ein bemerkenswertes musikalisches Talent. Neben seiner Tätigkeit als Instrumentenbauer war er auch als Musiker und Komponist engagiert, was sehr bald zum Konflikt mit seinem Bruder führte. Dieser wanderte 1906 nach Amerika aus und baute dort unter dem Namen Nicola Turturro Zupfinstrumente.

Raffaele führte mit seiner Tochter Maria und seinem Sohn Guiseppe die Firma Calace weiter. Er selbst wurde in der Folge mit seiner Musik weltberühmt. Man bezeichnete ihn als Paganini der Mandoline.
Heute wird das Unternehmen (www.calace.it) von Guiseppes Sohn Raffaele jr. geführt. Es beschäftigt sieben Instrumentenbauer und ist begehrtes Reiseziel von Mandolinisten aus aller Welt.

Inspiriert vom Erfolg der berühmten Jazzgitarrenschmiede aus Übersee baute Guiseppe Calace in den 30er Jahren einige wenige Jazzgitarren nach dem Motto: Das können wir auch, nur viel schöner!
Es blieb jedoch bei weniger als 10 Kopien der L5.

Bilder vor der Restauration


© HR

 

Restaurationsbericht:

  • 01. Schritt: Verleimen des Zargen- und Halsbruchs
  • 02. Schritt: Entfernung des Bodens mit nachfolgender Verleimung der Risse in Decke und Boden
  • 03. Schritt Boden aufleimen
  • 04. Schritt Halsbiegung und Halstorsion eliminieren
  • 05. Schritt fehlende Perlmutteinlagen von Korpus und Schlagbrett angefertigt und eingesetzt
  • 06. Schritt Korpus und Hals geschliffen und zum Lackieren vorbereitet
  • 07. Schritt Bünde abgerichtet, profiliert und poliert; Griffbrett geschliffen und poliert
  • 08. Schritt Korpus und Hals lackiert, geschliffen und poliert
  • 09. Schritt Saitenhalter von „Originalfoto“ (siehe unten) abgenommen, angefertigt und vergoldet
  • 10. Schritt Brücke von „Originalfoto“ abgenommen und angefertigt
  • 11. Schritt Spezialanfertigung der handgravierten und vergoldeten Einzelmechaniken ( Rubner)
  • 12. Schritt HW montiert, besaitet, gestimmt, justiert, dokumentiert u. fotografiert

Weitere Bilder von der Restauration

Zur Stabilisierung der nur 2,5mm dicken Decke wurde ein zusätzlicher kurzer Querbalken eingeleimt.


© HR

 

Bilder nach der Restauration


© HR

© HR

 

Datenblatt

RESTAURATION EINER LANG VON ALOSA

Von Herbert Rittinger im Oktober 2013

Diese LANG mit kleinem Korpus von 43 cm und tiefem Cutaway wurde über ALOSA vertrieben. Sie ist ein sehr frühes Modell aus der Werkstatt in der Breitenau und dürfte aus dem Jahr 1951-52 stammen. Das 2-lagige Griffbrett aus Ebenholz/Palisander, ohne keilförmige Verstärkung der Halszunge, zeugt ebenfalls vom frühen Baudatum. Der Verzicht auf den Nullbund war sicherlich ein ausdrücklicher Wunsch von ALOSA.

 

 

Zustand vor der Restauration:

Die Untersuchung offenbarte eine Reihe von Schäden:

Zwei Deckenrisse, ein Boden- und ein Zargenriss, dazu Zargenüberstände an einigen Stellen.

Die Lackierung war stark aerodiert und Decke + Boden hatten sich über weite Strecken von den Zargen gelöst. Selbst am kleinen Bug und im Cut-Bereich war die Verleimung defekt, was mir in diesem Umfang bisher noch nicht begegnet ist. Die Gitarre muss wohl über viele Jahre extremen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt gewesen sein.

 

 

Restaurationsbericht:

Zuerst demontierte ich die Gitarre und überarbeitete das Halslager und die Halspassfläche. Ein vergrößerter Halswinkel sorgt für eine höhere Stegauflagekraft wodurch eine bessere Klangübertragung erreicht wird. Es folgte das Tuning des Griffbretts und der Bundstäbe.

Sodann waren die notwendigen Reparaturen am Korpus an der Reihe, wobei die Nachverleimung von Decke, Boden und Bindings sowie die Egalisierung der Zargenüberstände außergewöhnlich viel Zeit in Anspruch nahmen. Das Entlacken von Hals und Korpus plus Finish für die Lackierung war der nächste Schritt.  Die transparente Spezialbeschichtung mit Zwischenschliff und Hochglanzpolitur weist ein Gewicht von 50 Gramm auf.

 

Auf eine Einfärbung des transparenten Lacks verzichte ich grundsätzlich. Der honigfarbene Farbton und die starke Kontrastierung der Holzmaserung wird durch künstliche Alterung, verbunden mit der guten Anfeuerung, des von mir verwendeten Beschichtungsmaterials erreicht.

 

Die Menge (Schichtdicke) der Lackierung hat, wie schon an anderer Stelle erwähnt, zusammen mit deren physikalischen Eigenschaften, einen gravierenden Einfluss auf den Klang der Gitarre. 

Allgemein gilt: Mit fallender Masse verbessert sich die Ansprache und die Brillanz.

Eingehende Untersuchungen an 17 Zoll Archtops aus den 50er bis 80er Jahren haben ergeben, dass die üblichen Nitrocellulosebeschichtungen eine durchschnittliche Masse von 100 bis 150 Gramm aufweisen. Moderne 2-Komponenten-Beschichtungen liegen meist deutlich darüber.

 

Die Spezialanfertigung von fehlender oder nicht originalkonformer Hardware, eingedenk der Überarbeitung von vorhandenen Komponenten erforderte einen nicht unerheblichen Zeitaufwand.

Nach der Endmontage, dem Stimmen und Justieren, sowie dem Vermessen und Dokumentieren ist ein weiteres Projekt zu einem guten Ende gekommen.

 

Das optische Ergebnis entspricht meinen Erwartungen. Der Klang ist fantastisch.

 

Bilder vor der Restauration:

 

Die Arbeiten im Einzelnen:

 

  • Gitarre demontiert
  • Halslager im Korpus überarbeitet
  • Passfläche am Hals für optimalen Halswinkel nachgearbeitet
  • Bohrlöcher an beiden Seiten des Griffbretts versiegelt
  • Riss in der Kopfplatte und lose Bindings verleimt
  • Bundstäbe unterkoffert,  Griffbretteinlagen nachverleimt
  • Bünde abgerichtet, profiliert, Enden verrundet und poliert
  • Offene Bundschlitze im Binding verschlossen
  • Griffbrett überarbeitet, geschliffen, poliert und gewachst
  • 2 Deckenrisse + 1 Boden-und Zargenriss verleimt
  • Decken- und Bodenablösung verleimt und verschliffen
  • lose Bindings am Korpus verleimt und verschliffen
  • Zargenüberstände egalisiert
  • Korpus und Hals entlackt, feingeschliffen und retuschiert
  • transparente Lackierung mit Zwischenschliff, Endschliff und Politur
  • Steg gewichtsoptimiert, angepasst und poliert
  • Anfertigung von 6 Einschlaghülsen aus Neusilber
  • Kalibrierung der Bohrungen für die Einschlaghülsen in der Kopfplatte
  • Anfertigung von originalgetreuer Schlagplatte inklusive Halter
  • Mechaniken überholt, neue Wirbel aus Perlmutt
  • Spezialanfertigung Gurtpin für Montage in der Halsverschraubung
  • montiert, besaitet und justiert
  • PU d´Armond Rhythm Chief 1000 + Controlbox + Gestänge nachgerüstet
  • dokumentiert und fotografiert

 

Bilder nach der Restauration: