Fasan Archtop ca. 1958/1959 von Andi Polte

Die Gitarre wurde 2000 auf einem Antikmarkt erstanden. Der damalige Käufer recherchierte nach dem Hintergrund der Gitarre. Außer dass es E-Gitarren von Fasan gibt, die recht außergewöhnlich sind, hat er erst einmal nicht viel erfahren können.

Dann hat ihm ein “Guitarfreak” erzählt, die Fasan Gitarren stammten aus den Framus-Werken und wären ein Versuch der Firma gewesen eine Reihe von Topmodellen zu schaffen. Der Grund dafür soll gewesen sein, den Höfner-Werken Konkurrenz zu machen, die damals wohl einen besseren Ruf hatten. Andere Leute meinten, Fasan wäre entweder von Höfner oder eine Kopie einer Höfner (ein Ebay-Mitglied meinte: “…das Design der Kopfplatte weist auf eine Höfner hin…“).

Dieser Mann hatte natürlich recht, wie wir noch sehen werden!

Auf Grund einer Ebay-Auktion, in der diese Gitarre versteigert wurde, wurde ich auf sie aufmerksam. Außer, dass ich die Optik der Fasan ansprechend fand, machte mich ein Verzierungsdetail neugierig. Ich erinnerte mich, ein solches Detail bei einer Höfner „Committee“, dem damaligen Export -„Top-of-the-line“ Modell Höfners, gesehen zu haben. Ein Vergleich der beiden Gitarren zeigt ein überraschendes Ergebnis!

Es fiel auf, dass sowohl das Design des Bindings als auch die haargenaue Ausführung (Linienführung, Kreuzungspunkte, Einfassung der Verzierung in dünnen schwarzen Linien) bis ins letzte Fleckchen vollkommen mit identisch waren. Das gleiche kann man für den Boden der Gitarre sagen: Es ist haargenau das gleiche Holz der Committee von Tats Ohisa, mit den gleichen kleinen „Birdseys“.

Ebenso das schöne Abalone-Binding der Korpusse: Haargenau die gleichen Materialien und Ausführungen! Ein Vergleich von Zargen, Decke und F-Löchern zeigt ebenfalls eine Übereinstimmung bis ins kleinste Detail: Auch hier stimmen selbst die Einfassungen.
Nicht übereinstimmend sind Saitenhalter und Brücke. Hier war natürlich die erste Möglichkeit, die Ähnlichkeit zu kaschieren und außerdem ist die Brücke auf der Fasan nicht mehr original.
Zum gesamten Korpus der Gitarre ist zu sagen, dass die außergewöhnliche Übereinstimmung den Schluss mehr als nahe legt, dass es sich bei dem Fasan-Korpus um den Originalkorpus einer Höfner „Committee“ handelt, nicht um die Kopie eines solchen.

Die Hälse stimmen allerdings überhaupt nicht mit der “Committee” überein und es hat mich ein bisschen Zeit gekostet, bis ich dahinter kam, obwohl die Inlays auf der Kopfplatte vollkommen typisch für Höfner waren und heute noch sind.
Um das Ergebnis vorweg zu nehmen; bei dem Hals der Fasan handelt es sich, wieder einmal bis ins absolut kleinste Detail, um den Originalhals einer Höfner „470“ (ebenfalls in oberster Modellpalette angesiedelt seinerzeit). Die genauen und sehr komplizierten Einlagen im Griffbrett sind haargenau übereinstimmend!

Gleiches gilt für die Kopfplatte! Ausnahme: die Mechaniken und der Namenszug. Beim Namenszug ist folgendes auffällig: Der „Höfner“ Namenszug ist recht groß und gerade ausgeführt. Er ist in das Holz eingelassen.

Der „Fasan“ Schriftzug hat die gleiche Größe und ist ebenfalls gerade ausgeführt. Allerdings ist er in Abalone eingelegt. Wenn man genau hinschaut und darüber nachdenkt, würde man so verfahren, wenn man eine Kopfplatte mit einem Namenszug hat und ihn ersetzen möchte. Fasan hat vermutlich den Bereich des Höfner-Namenszuges aus der Kopfplatte herausgenommen und ihn auf diese Art und Weise ersetzt. Insgesamt wurde wohl so verfahren:
Den fertigen Original-Korpus einer „Committee“ und den fertigen Original-Hals mit Kopfplatte einer „470“ zu einer neuen Gitarre zusammengefügt. Beides ohne Hardware. An der Kopfplatte wurde der Namenszug ausgetauscht. Dann wurden nicht originale Saitenhalter, Brücke und Mechaniken eingebaut und fertig war eine neue Gitarre.
Das ist allerdings eine Gitarre, die es in sich hat: Sie hat nicht nur den Korpus einer „top-of-the-line“ Gitarre, sie klingt auch so! Sehr gute Ansprache und Dynamik verbunden mit langem Sustain und vollem Ton sind die wesentlichen Klangmerkmale.

Auf Grund der verblüffend hohen Ähnlichkeit mit der Höfner Committe, die Tats Ohisa in Japan besitzt, kann man sogar vermutlich sagen, dass diese Fasan 1958 oder 1959 gebaut worden sein muss.
Warum ist das wohl so gemacht worden? Nun, Fasan wollte wohl ein Archtop „Spitzenmodell“ in seine Palette aufnehmen und hatte ggf. nicht die Möglichkeit dazu, sie selbst herzustellen. Von Fasan Archtops ist aber weltweit nichts zu finden außer dieser einen hier. Wahrscheinlich handelte es sich um einen Prototyp oder um eine spezielle Bestellung eines Kunden. Vielleicht wollte Fasan auch nur eine Vorzeige-Archtop präsentieren. Jedenfalls wurde diese Idee von Fasan offensichtlich nicht weiter fortgeführt. Lustigstenfalls gibt es doch irgendwo auf der Welt noch eine Fasan, die aus dem Korpus einer Höfner „470“ und den Hals einer „Committee“ besteht 😉 (*siehe hierzu unten Nachricht aus Wien)

Aufgrund der obigen Schlüsse kann man wohl die Vermutung, diese Gitarre sei von Framus gebaut worden, vergessen. Die Expertise des fraglichen Ebay-Mitgliedsder die Ähnlichkeit zu Höfner feststellte, hat sich jedoch mit Sicherheit bestätigt.
Der Wert der Fasan Archtop dürfte sich in der Mitte zwischen einer Höfner „Committee“ und einer „470“ bewegen. Mit einem Aufschlag dafür, das es die vermutlich einzige Fasan-Archtop weltweit ist. Auch unser Vintage-Oberhaupt Norbert Schnepel kommt zu der gleichen Auffassung. Selbst er hat noch nie von einer Fasan-Archtop gehört.

Bleibt die Frage: Wer steckt hinter Fasan? Ein Herr Franz Sandner. Wer sind die Sandners: Es gibt noch Isana (Ignaz Sandner), Alosa (Alois Sandner). Auch bei allen “Sandner”-Archtops habe ich den Eindruck, dass sowohl sehr stark an Höfner-Vorbildern gebaut wurde, als auch teilweise Höfnerteile für den Gitarrenbau genutzt wurden. Dies hier alles bildlich darzustellen, würde allerdings den Rahmen sprngen. Fasan hat allerdings auch wirklich ungewöhnliche Gitarren mit extremer Optik gebaut.
Es gibt übrigends noch heute einen Gitarrenbauer namens Sandner, nämlich Anton Sandner. Er wohnt im gleichen Ort, in dem Höfner seinen Firmensitz hat. Passend!

Zu diesem Bericht erhielt ich eine Nachricht aus Wien:
“... Ich erinnere mich aber, dass mein Großvater, es muss so ca. 1968 gewesen sein, eine Fasan Archtop Vollresonanz Jazzgitarre hatte, die er jedoch nie benutzte; er war kein Gitarrist und ich erinnere mich noch daran, das die Gitarre in Zellophan eingepackt an der Wand hing. Ich erinnere mich auch noch sehr gut daran, die Farben der Gitarre waren Suburst von Rot in Schwarz übergehend und die Zarge war dunklrot mit weiss gestreift, d.h. jeder Streifen war ca. 10mm breit. (ähnlich der amerikanischen Fahne). Die F Löcher und der Korpus waen ebenfalls Weiss eingefasst.
Leider habe ich kein Foto der Gitarre mehr aus dieser Zeit und nach seinem Tod 1978 ist leider auch nicht mehr nachvollziehbar welchen Weg das gute Stück gegangen ist. Sie muss aber so ca. ende der 50er Jahre hergestellt worden sein.
m.f.G. aus Wien “
Quellen
4 Lindberg Kataloge
Bilder von mehr als 200 Gitarren
55 Bilder von datierten Instrumenten
Untersuchung von mehr als 30 Instrumenten

Danksagung:

Vielen Dank an Stephen Candib, Simon Deobald, Frankpaush, Johann Frisch, Rolf Gückel, Kim Jensen, Herbert Rittinger, Ol'Fret , Snap, Wietse und viele andere Teilnehmer des "Euroguitars Forums" und viele eBayer weltweit, die mir Bilder und anderes Material zur Verfügung stellten.

Danksagung von Stefan Lob

Vielen Dank an Kield "Lacquercracks" für diese sensationelle Bestimmungshilfe, Herrn Martin Haberfellner für die vielen Informationen, Herbert Rittinger der mich als erster auf Rod. Hoyer Gitarren aufmerksam machte und durch ein Aufkleber in einer seiner Gitarren auch den Herkunftsort nennen konnte. Durch diese Informationen war es mir erst möglich weiter zu forschen. Natürlich auch Dank an die zahlreichen Leser und Freunde, die dieses Projekt unterstüzten.

Kield "Lacquercracks" und Stefan Lob für "www.schlaggitarren.de" im Dezember 2009