Originalgetreue Restaurierung meiner Osbama Tango

von Herbert Rittinger

Diese Osbama Tango, in einer roten Farbverlauf-Schattierung, (engl. sunburst) bekam ich aus der Schweiz. Sie wurde als eine „von einem Gitarrenbauer generalüberholte“ Gitarre verkauft. Ich freute mich sehr auf dieses seltene Stück. Als ich dieses dann in den Händen hielt und genauer untersuchte, offenbarten sich mir leider eine ganze Reihe von unerfreulichen Schäden. Am gravierendsten war die schlechte Bespielbarkeit, die aus einem gebogenen und verdrehten Hals resultierte. Da fragt man sich: Was hat der Mensch, der sich Gitarrenbauer schimpft, für viel Geld gemacht?!

Zum Glück hat mein guter Freund Herbert Rittinger eine ähnliche Tango bei der jedoch Armrest und Schlagbrett fehlten. Ich schickte Ihm meine Osbama, damit er sich 1:1 Kopien dieser Teile anfertigen konnte. Zurück bekam ich eine wunderschön restaurierte Gitarre. Herbert wird seine Tango wohl neu lackieren und eigentlich hätte meine Gitarre auch eine solche „Sonderbehandlung“ nötig gehabt, da der Originallack arg mitgenommen und außerdem sehr unsauber verarbeitet worden war. Weil die Farbverlauf-Ausführung bei Osbama aber relativ selten ist und meine anderen Osbamas alle blond sind, wollte ich den originalen Lack gerne erhalten. Herbert gab sich unglaublich viel Mühe, besserte mehr als 50 Schadstellen aus, retuschierte und polierte, so dass der Lack in neuem Glanz erstrahlt.

Ein besonderes Problem war der krumme und verdrehte Hals. Der Gitarrenbauer hatte eine dilettantische Lösung versucht, indem er einen Span unterlegte. Unprofessionell, da der Klang darunter leidet und er so weder Biegung noch Torsion eliminieren konnte. Herbert beseitigte Biegung und Torsion des Halses und überarbeitete die Hals-Korpusverbindung. Das Griffbrett wurde runderneuert, die Bundstäbe abgerichtet, profiliert und poliert. Des weiteren verleimte er die teilweise Ablösung von Decke und Boden und die losen Zierstreifen der Schalllöcher. Zusätzlich wurde die gesamte Hardware überarbeitet. Nachdem alle Teile montiert und justiert waren wurde das Instrument vermessen und dokumentiert. Ein wunderbares Instrument und ein Highlight meiner Sammlung; danke Herbert!

Hier ein Sound Demo der OSBAMA.
Aufgenommen über den, im Hals eingebauten, Rellog Tonabnehmer!


© HR

DATENBLATT

RESTAURATION EINER JAZZGITARRE VON CALACE

von Herbert Rittinger

 

Ich sammBild 15le und restauriere alte deutsche Schlaggitarren aus den 40er bis 70er Jahren.
Die Beschränkung auf deutsche Instrumente war sinnvoll, um den Bedarf an Raum und Kapital den vorhandenen Ressourcen anzupassen. An diese Vorgabe habe ich mich bisher auch streng gehalten…, mit einer einzigen Ausnahme:
Vor genau einem Jahr wurde in ebay eine Gitarre angeboten, die mich sofort in ihren Bann zog.
Obwohl sie total heruntergekommen und bar jeglicher Hardware war, gab es keinerlei Zweifel an ihrer adligen Herkunft. Bernd, den Verkäufer, hatte wohl der Mut verlassen, diesem Wrack seine einstige Schönheit zurückzugeben. Das war mein Glück, und so bekam ich sie also…..die CALACE!
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich zu diesem Zeitpunkt mit diesem Namen nichts , aber auch gar nichts anfangen konnte.

Meine Recherchen brachten folgendes ans Licht:

Die Firma CALACE wurde gegründet im Jahre 1825 von Nicola Calace auf der Insel Procida in der Nähe von Neapel.

Begonnen wurde mit der Produktion von Gitarren. Nach dem Tod des Gründers übernahm dessen Sohn Antonio den Betrieb. Der Firmensitz wurde von Procida nach Neapel verlegt, wo erstmals Mandolinen gebaut wurden. Antonio hatte zwei Söhne, Nicola (1859-1923) und Raffaele (1863-1934), die nach dem Tod ihres Vaters den inzwischen berühmt gewordenen Zupfinstrumentenbau weiterführten. Raffaele Calace baute mit seinem Bruder Nicola nicht nur die besten Mandolinen seiner Zeit, er hatte auch ein bemerkenswertes musikalisches Talent. Neben seiner Tätigkeit als Instrumentenbauer war er auch als Musiker und Komponist engagiert, was sehr bald zum Konflikt mit seinem Bruder führte. Dieser wanderte 1906 nach Amerika aus und baute dort unter dem Namen Nicola Turturro Zupfinstrumente.

Raffaele führte mit seiner Tochter Maria und seinem Sohn Guiseppe die Firma Calace weiter. Er selbst wurde in der Folge mit seiner Musik weltberühmt. Man bezeichnete ihn als Paganini der Mandoline.
Heute wird das Unternehmen (www.calace.it) von Guiseppes Sohn Raffaele jr. geführt. Es beschäftigt sieben Instrumentenbauer und ist begehrtes Reiseziel von Mandolinisten aus aller Welt.

Inspiriert vom Erfolg der berühmten Jazzgitarrenschmiede aus Übersee baute Guiseppe Calace in den 30er Jahren einige wenige Jazzgitarren nach dem Motto: Das können wir auch, nur viel schöner!
Es blieb jedoch bei weniger als 10 Kopien der L5.

Bilder vor der Restauration


© HR

 

Restaurationsbericht:

  • 01. Schritt: Verleimen des Zargen- und Halsbruchs
  • 02. Schritt: Entfernung des Bodens mit nachfolgender Verleimung der Risse in Decke und Boden
  • 03. Schritt Boden aufleimen
  • 04. Schritt Halsbiegung und Halstorsion eliminieren
  • 05. Schritt fehlende Perlmutteinlagen von Korpus und Schlagbrett angefertigt und eingesetzt
  • 06. Schritt Korpus und Hals geschliffen und zum Lackieren vorbereitet
  • 07. Schritt Bünde abgerichtet, profiliert und poliert; Griffbrett geschliffen und poliert
  • 08. Schritt Korpus und Hals lackiert, geschliffen und poliert
  • 09. Schritt Saitenhalter von „Originalfoto“ (siehe unten) abgenommen, angefertigt und vergoldet
  • 10. Schritt Brücke von „Originalfoto“ abgenommen und angefertigt
  • 11. Schritt Spezialanfertigung der handgravierten und vergoldeten Einzelmechaniken ( Rubner)
  • 12. Schritt HW montiert, besaitet, gestimmt, justiert, dokumentiert u. fotografiert

Weitere Bilder von der Restauration

Zur Stabilisierung der nur 2,5mm dicken Decke wurde ein zusätzlicher kurzer Querbalken eingeleimt.


© HR

 

Bilder nach der Restauration


© HR

© HR

 

Datenblatt

RESTAURATION EINER HOYER-SPECIAL-SL JAZZGITARRE

von Herbert Rittinger

 

Fast hätte ich die Hoffnung aufgegeben, jemals eine Hoyer –Special- SL in meiner Sammlung zu besitzen. Seit über sechs Jahren verfolge ich die Auktionen auf ebay, aber noch nie wurde diese Topgitarre dort angeboten. Alle mir bekannten Instrumente dieses Typs sind bei bekannten Sammlern in Kanada , Japan und Schweden gelandet.
Ich war wie vom Blitz getroffen als ich sie plötzlich auf ebay entdeckte. Es stellte sich heraus, dass ich Sven, den Verkäufer, kenne. Mit ihm hatte ich bereits vor zwei Jahren den ersten netten Kontakt und so war der Kauf innerhalb weniger Minuten perfekt.
Als ich dann das seltene Stück in den Händen hielt und es genauer untersuchte, war ich positiv überrascht über den guten und originalen Zustand des Instruments. Getrübt wurde meine Freude durch einen ca. 40 cm langen Riss in der Zarge der, um es vorsichtig auszudrücken, sehr unfachmännisch geflickt worden war. Der begnadete Bastler war nicht imstande die Rissflächen passgenau zusammenzuleimen. Eine unvollständig geschlossene und viel zu dicke Leimfuge, in Verbindung mit einem Bruchkantenversatz von einem Millimeter, gaben mir Anlass zur Sorge. Ein ähnlich präziser Reparaturakt war auch an der Bodenmittelfuge vorgenommen worden. Ein Blick ins Innere des Korpus eröffnete das ganze Ausmaß des durch die dilettantischen Eingriffe verursachten Flurschadens. Ein weiteres Manko war das Fehlen des originalen Saitenhalters. Aber auch die Montagearbeit der Firmenmitarbeiter war alles andere als perfekt. So wurde die Kontrollbox von Schaller, mit der planen, vernickelten Frontplatte für die Schaltelemente einfach in die Aussparung der gewölbten Decke eingesetzt und verschraubt. Infolge der Deckenwölbung klaffte beidseitig ein Spalt von ca. 3 mm an den Plattenenden mit der entsprechenden optischen Wirkung.

Zuerst entfernte ich die zur Stabilisierung der Bodenmittelfuge nachträglich eingeleimten Stabholzstücke. Dann folgte die Nachverleimung der Fuge. Der nächste Schritt war die Präparation des Zargenrisses mit anschließender Egalisierung des Bruchkantenversatzes.

Nun folgte das Tuning des Halses inclusive Neubundierung.

Die Überarbeitung der Lackierung war der nächste Schritt. Wegen der Lackrisse musste trocken geschliffen werden. Es folgte das Ausbessern der Lackschäden mit nachfolgendem, ganzflächigen, transparentem Lackauftrag zur Versiegelung. Nach nassem Feinschliff mit anschließender Politur ist die Lackierung wie neu.

Mit Abstand das zeitaufwendigste Projekt war die originalgetreue Kopie des Saitenhalters. Der erste Schritt war die Erstellung der Maßzeichnungen vom Komplettteil und den Einzelteilen. Als nächstes folgte die Konstruktion von speziellen Biegevorrichtungen für die einzelnen Elemente. Mit Hilfe von CAD war diese Phase nach drei Tagen abgeschlossen. Die Herstellung der Biegevorrichtungen nahm noch einmal 2 Tage in Anspruch und nach weiteren 2 Tagen waren 2 Saitenhalter fertig zum Vernickeln.

Die Kontrollbox wurde zerlegt und die Frontplatte entsprechend der Deckenwölbung geformt. Nachdem auch das Unterteil angepasst war wurden beide Teile wieder verlötet.

Nach Abschluss aller notwendigen Arbeiten präsentiert sich die Gitarre wieder in absolut originalem Outfit.

Bei dieser Restauration habe ich mein Hauptaugenmerk auf das originale Aussehen gelegt. Hätte ich, wie üblich, die Priorität auf die optimale Klangentfaltung gelegt, wäre ich um eine Neulackierung nicht umhin gekommen denn der bestehende Lacküberzug ist mit einer gemessenen Dicke von 0,5 mm ein wirkungsvoller Klangkiller. Da ich aber mehrere klanglich optimierte HOYER SPECIALs besitze, kann ich mit diesem Manko gut leben.

Bilder vor der Restauration


© HR

 

Durchgeführte Arbeiten:

  • Entfernung der nachträglich angeleimten Stabholzstücke von der Bodenmittelfuge
  • Neuverleimung der Bodenmittelfuge
  • Präparation des Zargenrisses und Egalisierung der Bruchkanten
  • Hals neu bundiert; Bundstäbe beidseitig unterkoffert
  • Bünde abgerichtet, profiliert und poliert
  • Griffbrett abgezogen, poliert und gewachst
  • Lackierung überarbeitet, 1x lackiert, geschliffen, poliert und retuschiert
  • Spezialanfertigung des originalen Saitenhalters
  • Kontrollgehäuseplatte der Korpuswölbung angepasst
  • Steg und Pickups überarbeitet und poliert
  • Schlagbrettkrümmung beseitigt und bodenseitig verstärkt
  • Schlagbrettbefestigungen neu, poliert
  • Mechaniken überholt
  • montiert, besaitet und justiert
  • dokumentiert und fotografiert

Bilder nach der Restauration


© HR

 

Datenblatt: EXCEL-Datei HOYER SPECIAL SL 276-Restauration

VINTAGE GUITAR SHOW

vgsjpg

Ganz wichtig für alle Gitarren Sammler

http://www.vintage-guitar.de/zeigevintageshow.html

Details | Plakatvorlage A4 als JPG

Seit 1985 findet in Oldenburg die Vintage-Guitar Show statt und sie hat sich im Laufe der Jahre zum Mekka für Musiker, Sammler und Liebhaber von edlen Instrumenten überwiegend der 50 bis 70iger Jahre entwickelt. Im Jahr 2012 mußten wir leider die Vintage-Show in Oldenburg nach 28 Jahren zum ersten Mal ausfallen lassen. Die inzwischen vieldiskutierte Problematik um das unter Artenschutz stehende Holz ‚Rio-Palisander‘ und das damit einhergehende Vermarktungsverbot für alle Instrumente mit diesem Holz hatte uns dazu veranlaßt.

 

Inzwischen haben wir mit der Planung für 2013 begonnen. Die Show wird in den bekannten Räumlichkeiten und im gleichen Rahmen stattfinden. Wir weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass keine Instrumente mit Teilen aus Rio-Palisander ausgestellt werden dürfen ohne die entsprechende CITES-Vermarktungserlaubnis (Infos dazu hier oder per E-Mail bzw. Tel. s.u.). Wir werden versuchen, die Möglichkeit zu schaffen, dass auf der Show Instrumente von Gutachtern auf Rio-Palisander geprüft werden können und dass eventuell auch die entsprechenden Anträge auf die Vermarktungsbescheinigung dort gestellt werden können. Weitere Infos dazu demnächst.

Organisatorische Details

Einlaß für Besucher:
Samstag 2.11. von 10 bis 18 Uhr
Sonntag 3.11. von 11 bis 16 Uhr
Load-in für Aussteller am Freitag von 17 bis 22 Uhr
Eintritt: € 8 pro Tag
2-Tages-Karte € 12.-
Jugendliche bis 17 Jahren € 5.-
Kinder bis 12 J. in Begleitung Erwachsener frei

Vintage-Party mit Live-Musik am Samstagabend

Veranstaltungsort:
Schule am Flötenteich,
26127 Oldenburg,
Flötenstrasse
Weitere Informationen und Hotelreservierungen unter: Tel.0441-3800334 E-Mail: info@vintage-guitar.de

RESTAURATION EINER LANG VON ALOSA

Von Herbert Rittinger im Oktober 2013

Diese LANG mit kleinem Korpus von 43 cm und tiefem Cutaway wurde über ALOSA vertrieben. Sie ist ein sehr frühes Modell aus der Werkstatt in der Breitenau und dürfte aus dem Jahr 1951-52 stammen. Das 2-lagige Griffbrett aus Ebenholz/Palisander, ohne keilförmige Verstärkung der Halszunge, zeugt ebenfalls vom frühen Baudatum. Der Verzicht auf den Nullbund war sicherlich ein ausdrücklicher Wunsch von ALOSA.

 

 

Zustand vor der Restauration:

Die Untersuchung offenbarte eine Reihe von Schäden:

Zwei Deckenrisse, ein Boden- und ein Zargenriss, dazu Zargenüberstände an einigen Stellen.

Die Lackierung war stark aerodiert und Decke + Boden hatten sich über weite Strecken von den Zargen gelöst. Selbst am kleinen Bug und im Cut-Bereich war die Verleimung defekt, was mir in diesem Umfang bisher noch nicht begegnet ist. Die Gitarre muss wohl über viele Jahre extremen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt gewesen sein.

 

 

Restaurationsbericht:

Zuerst demontierte ich die Gitarre und überarbeitete das Halslager und die Halspassfläche. Ein vergrößerter Halswinkel sorgt für eine höhere Stegauflagekraft wodurch eine bessere Klangübertragung erreicht wird. Es folgte das Tuning des Griffbretts und der Bundstäbe.

Sodann waren die notwendigen Reparaturen am Korpus an der Reihe, wobei die Nachverleimung von Decke, Boden und Bindings sowie die Egalisierung der Zargenüberstände außergewöhnlich viel Zeit in Anspruch nahmen. Das Entlacken von Hals und Korpus plus Finish für die Lackierung war der nächste Schritt.  Die transparente Spezialbeschichtung mit Zwischenschliff und Hochglanzpolitur weist ein Gewicht von 50 Gramm auf.

 

Auf eine Einfärbung des transparenten Lacks verzichte ich grundsätzlich. Der honigfarbene Farbton und die starke Kontrastierung der Holzmaserung wird durch künstliche Alterung, verbunden mit der guten Anfeuerung, des von mir verwendeten Beschichtungsmaterials erreicht.

 

Die Menge (Schichtdicke) der Lackierung hat, wie schon an anderer Stelle erwähnt, zusammen mit deren physikalischen Eigenschaften, einen gravierenden Einfluss auf den Klang der Gitarre. 

Allgemein gilt: Mit fallender Masse verbessert sich die Ansprache und die Brillanz.

Eingehende Untersuchungen an 17 Zoll Archtops aus den 50er bis 80er Jahren haben ergeben, dass die üblichen Nitrocellulosebeschichtungen eine durchschnittliche Masse von 100 bis 150 Gramm aufweisen. Moderne 2-Komponenten-Beschichtungen liegen meist deutlich darüber.

 

Die Spezialanfertigung von fehlender oder nicht originalkonformer Hardware, eingedenk der Überarbeitung von vorhandenen Komponenten erforderte einen nicht unerheblichen Zeitaufwand.

Nach der Endmontage, dem Stimmen und Justieren, sowie dem Vermessen und Dokumentieren ist ein weiteres Projekt zu einem guten Ende gekommen.

 

Das optische Ergebnis entspricht meinen Erwartungen. Der Klang ist fantastisch.

 

Bilder vor der Restauration:

 

Die Arbeiten im Einzelnen:

 

  • Gitarre demontiert
  • Halslager im Korpus überarbeitet
  • Passfläche am Hals für optimalen Halswinkel nachgearbeitet
  • Bohrlöcher an beiden Seiten des Griffbretts versiegelt
  • Riss in der Kopfplatte und lose Bindings verleimt
  • Bundstäbe unterkoffert,  Griffbretteinlagen nachverleimt
  • Bünde abgerichtet, profiliert, Enden verrundet und poliert
  • Offene Bundschlitze im Binding verschlossen
  • Griffbrett überarbeitet, geschliffen, poliert und gewachst
  • 2 Deckenrisse + 1 Boden-und Zargenriss verleimt
  • Decken- und Bodenablösung verleimt und verschliffen
  • lose Bindings am Korpus verleimt und verschliffen
  • Zargenüberstände egalisiert
  • Korpus und Hals entlackt, feingeschliffen und retuschiert
  • transparente Lackierung mit Zwischenschliff, Endschliff und Politur
  • Steg gewichtsoptimiert, angepasst und poliert
  • Anfertigung von 6 Einschlaghülsen aus Neusilber
  • Kalibrierung der Bohrungen für die Einschlaghülsen in der Kopfplatte
  • Anfertigung von originalgetreuer Schlagplatte inklusive Halter
  • Mechaniken überholt, neue Wirbel aus Perlmutt
  • Spezialanfertigung Gurtpin für Montage in der Halsverschraubung
  • montiert, besaitet und justiert
  • PU d´Armond Rhythm Chief 1000 + Controlbox + Gestänge nachgerüstet
  • dokumentiert und fotografiert

 

Bilder nach der Restauration:

 

 

 

MUSIMA – VEB Musikinstrumentenbau Markneukirchen

Artikel von Stefan Lob

MUSIMA wurde 1952 als Treuhandbetrieb mit 20 Mitarbeitern gegründet. Zunächst hieß die Firma VEK (Volks Eigener Kreisbetrieb) Musikinstrumentenbau Markneukirchen und wurde 1953 in VEB (Volks Eigener Betrieb) MUSIMA umbenannt. Die MUSIMA begann mit einem veralteten Maschinenpark und Materialresten enteigneter Firmen. Berichtet wird, dass die enteigneten Firmen ERoma (Heinrich Roth II), CA Götz aus Wernitzgrün und Wenzel Rossmeisl (ROGER Gitarren) den Grundstock für Material und Maschinen lieferten.

Der erste Firmensitz der Musima befand sich in der Gartenstraße in Markneukirchen. Der Betrieb wuchs schnell und mit steigender Mitarbeiterzahl wurden die Räumlichkeiten zu klein. In der Pestalozzistraße 21, befanden sich die weitaus größeren Gebäude der Firma MARMA. MARMA musste der MUSIMA weichen und ihre Werksräume abgeben. Die MARMA begnügte sich nun mit den alten Räumen in der Gartenstraße. Neben der zentralen Produktionsstätte gab es weiterhin kleine Werkstätten, die Instrumente, Saiten und Teile zulieferten. In nur fünf Jahren entstand, durch staatliche Mithilfe, der größte DDR Spezialbetrieb der Zupf- und Streichinstrumentenbranche. Weitere Produkte waren Blockflöten, Saiten und Zubehör.

 

MUSIMA sollte der Vorzeigebetrieb der DDR werden und deshalb bekam diese einen sehr modernen Maschinenpark und große Materiallager, um in großen Mengen produziere

n zu können. Durch die stetig steigende Produktion und den weltweiten Export in immer mehr Länder wurden auch die Räumlichkeiten in der Pestalozzistraße zu klein. 1964 wurde ein Neubau

 bewilligt und die Gelder dafür bereitgestellt. Bereits im selben Jahr erfolgte der Spatenstich und damit der Bau eines großen neuen Werkes in der Pestalozzistraße 25,das auf dem Weg von Markneukirchen nach Wohlhausen liegt, direkt unterhalb des neuen Gewerbeparks, indem sich seit 1995 Framus/Warwick befindet . Ebenso findet man dort die vogtländische Traditionsfirma RUBNER (Mechaniken und Zubehör) u.v.m.. In der zweiten Hälfte des Jahres 1967 wurden die neuen Gebäude eingeweiht. Die alten Gebäude der Pestalozzistraße wurden weiterhin als Lehrwerkstatt genutzt. Die neuen Gebäude wurden mit modernster Technologie ausgestattet, um große Produktionsmengen und beste Qualität der erzeugten Instrumente zu erzielen. Neben der technischen Ausstattung gab es für die Mitarbeiter eine eigene Ärztestation, Ruheräume und eine Kantine.Als großes Exportunternehmen war die MUSIMA ein großer Devisenbringer für den Staat. Im gleichen Zeitraum wurden in Klingenthal neue Produktionsräume für den Akkordeon- und Mundharmonikabau errichtet und im Blasinstrumentenbau gab es ab 1967 einen neuen Betriebsteil der VEB Blechblas- und Signalinstrumentenfabrik.Ende der 70er Jahre wurden viele halbstaatliche Betriebe dem VEB Musima und dem VEB Blechblas- und Signalinstrumente angeschlossen. So auch die 1960 gegründete PGH SINFONIA. Diese wurde zwischen beiden VEBs aufgeteilt. Ende der 80er Jahre waren rund 1200 Mitarbeiter im VEB Musima beschäftigt.

Nach der Wende im Jahr 1989 musste sich die MUSIMA (seit 1990 MUSIMA GmbH) den neuen marktwirtschaftlichen Gegebenheiten anpassen, rationalisieren und die Rentabilität steigern. Viele der kleinen Außenbetriebe die zur MUSIMA gehörten wurden geschlossen und es gab zahlreiche Entlassungen.

1992 wurde die MUSIMA GmbH von Helmut Stumpf und Fritz Kropp (aus den alten Bundesländern) gekauft und nannte sich nun MUSIMA „Manufaktur GmbH“. In dieser Zeit wurden auch Gitarren für den Giessener Hersteller „Lakewood“ gefertigt. Es waren die Modelle D-8 aus Mahagoni und Fichte sowie die D-12 aus Ahorn und Fichte. Rund 2000 dieser Lakewood Gitarren wurden innerhalb von fünf Jahren bei der MUSIMA produziert. Im Gegensatz zu den Lakewood Gitarren aus Giessener Produktion hatten sie ein „L“ anstatt dem gesamten Namenszug in die Kopfplatte eingelegt.

Die Musima GmbH meldete am 1.5.1997 Konkurs an und es kam zu einer Gesamtvollstreckung.

1998 übernahm der Cottbusser Bodo Bärwinkel das Hauptwerk der aber ebenfalls 2003 Konkurs anmeldete. Die Firma MUSIMA wurde nach 51 Jahren endgültig geschlossen.
Die letzte Übernahme gab viel Grund zu Spekulationen und Streitigkeiten. Da ich diese Periode aber nicht so sehr betrachte und mein Haupt-Interesse an der Zeit von 1950-1970 liegt, verweise ich auf den Artikel „Die Ost-Gitarre am Beispiel von Musima und Migma“ von meinem Kollegen Ulf Schaedla.

 

Musima Hauptgebäude

MUSIMA Werkstätten

Lehrlingsausbildung

Das alte Firmengelände in Wohlhausen aufgenommen im Jahr 2007

Wie man auf den Bildern unschwer erkennen kann, wird das Gelände langsam vom Unkraut überwuchert.


© Stefan Lob schlaggitarren.de

MUSIMA, DEMUSA und der Export

Von Anfang an sollte ein Großteil der Instrumente ins Ausland exportiert werden. Bereits in den 50er Jahren waren es 15 Länder. Im Laufe der raschen Weiterentwicklung und besonders nach dem Neubau des Firmengeländes steigerte sich der Export um das zwölffache und Ende der 60er Jahre wurden bereits 53 Länder mit Musima Instrumenten beliefert.

Um den Export zu kontrollieren, hat die DDR eine eigene Kontrollbehörde ins Leben gerufen. Am 07. Dezember 1956 wurde die DIA gegründet. Ein VEB der den deutschen Innen- und Außenhandel mit Kulturgütern regeln sollte. Das gesamte DDR Exportgeschäft unterlag einem staatlichen Monopol. Die DIA war der direkte Vorgänger der DEMUSA eine Abkürzung für „Deutsche Musikinstrumenten- und Spielwaren Außenhandelsgesellschaft mbH Berlin“. Gehandelt wurde mit Musikinstrumenten aller Art, Christbaumschmuck, Fest- und Scherzartikeln, Zündhölzern und Kinderwagen wobei sich das Handelssortiment, bis zur Auflösung der DDR, im Wandel der Zeit auch änderte. Die DEMUSA nahm am 01. September 1960 ihre Tätigkeit auf, mit Sitz in Klingenthal. Am 01. September 1973 ist sie in einen volkseigenen Außenhandelsbetrieb (VE AHB) umgewandelt worden der am 30. Juni 1986 aufgelöst wurde. Nach der Wende erfolgte noch einmal eine Umwandlung in die DEMUSA GmbH Klingental die weiterhin für den Handel mit Konsumgütern sowie die Abwicklung von Forderungen zuständig war. Am 16. April 1998 ist die DEMUSA von Amts wegen endgültig erloschen.

Für die DDR war der Export ein wichtiges Geschäft. Dieser brachte die Devisen die für den Import gebraucht wurden.

Auf dem Markt des Musikalienhandels spielte die MUSIMA eine enorm große Rolle und wurde deshalb staatlich sehr gefördert.

 

Hier eine Grafik, die anschaulich demonstriert wie groß der MUSIMA Exportmarkt war

Zu den Gitarren und Bässen

MUSIMA hat im Laufe der Jahre unzählig viele Gitarrenmodelle hergestellt. Von der einfachen Wandergitarre bis zur hochwertigen klassischen Gitarre, Schlaggitarren, Westerngitarren, moderne Elektro-Gitarren und Bässe wurden in 50 Jahren Firmengeschichte auf den Markt gebracht.

Da mein Spezialbereich die deutschen Schlag- und Elektro-Gitarren sind, werde ich hier einige dieser Modelle und typische Musima Merkmale zeigen.

Musima Logo

Das erste Musima Logo bestand aus zwei Löwen die eine Gitarre halten. Dieses Logo wurde bis 1964 verwendet. 1964 wurde, zeitgleich mit dem Spatenstich für das neue Firmengelände, ein neues Logo eingeführt. Das berühmte eingekreiste „M“ mit dem darunterliegenden Musima Schriftzug. Dieses Logo wurde bis 1990 verwendet.

Weitere typische Musima Schriftzüge

Musima Merkmale

Bei einem Hersteller mit solch einer Modellvielfalt über einen sehr langen Produktionszeitraum ist es schwer, typische Merkmale herauszuarbeiten. Ich beschränke mich deshalb auf Gitarren aus den 50er – bis 70er Jahren.

Kopfplatten

Geschwungene, asymmetrische Kopfplatte

Kopfplatte in „Paddelform“

Kopfplatten mit symmetrischer Form


© Paco Jimenez Permuy

Kopfplatten mit einseitiger Mechanikführung

Diverse Musima Kopfplattentypen

Griffbretteinlagen

Neben den Standardeinlagen wie Punkt- und Blockeinlagen gab es vereinzelt auch Dreieckseinlagen. Es gibt jedoch eine ganz typische „MUSIMA-Einlage“ die ich bei noch keiner anderen Gitarre aus dem Vogtland gesehen habe. Das sind die „Rhomboid Einlagen“. Passend zu den Rauteneinlagen der Record Kopfplatten hat man diese rautenähnlichen Rhomboid-Einlagen verwendet. Diese Einlagen von den frühen Record Modellen wurden zu einem Musima typischen Merkmal das später bei vielen Gitarrenmodellen verwendet wurde; auch bei massiven E-Gitarren.

 

 

Tonabnehmer

Hier klicken und Ihr erfahrt vieles über SIMETO und MUSIMA!

Record, Solist & Co

Für Freunde alter deutscher Schlaggitarren ist die „Record“ wohl die interessanteste Musima Gitarre. Die ersten „Record“ Modelle wurden im Stil der „ROGER“ Gitarren gefertigt. Wenzel Rossmeisl übernahm 1950 in Markneukirchen die alte Werkstatt von Peter Harlan. Dieser hat nach dem 2.WK die Burg Sternberg übernommen und seine Werkstätten von Markneukirchen nach dort verlegt. In Rossmeisls Werkstatt waren einige vogtländische Gitarren und Geigenbauer beschäftigt.

Mir bekannte Namen sind:

  • Anton Lorbeer (gelernter Zimmermann, gemäß Brief von Marianne Rossmeisl vom 18.09.53. Später bei der Musima Fachmann für ROGER Gitarren und Meister für Instrumentenbau.)
  • Roman Schuh (Geigenmacher, Zubehörteile-Verfertiger)
  • Wolf Übel
  • Karl Keller (Geigenmacher, fertigte auch Miniaturinstrumente)
  • Claus Voigt
  • Ehrfried Wunderlich (Geigen / Cello / Bässe)

 

 

 

 

 

                                                                     

                                                                               

Im Frühjahr 1951, auf der Leipziger Messe wurde Wenzel Rossmeisl wegen Vergehens gegen das Devisengesetz zu 4 Jahren schwerem Zuchthaus verurteilt.Sein gesamter Besitz an Werkzeugen und Materialien wurde enteignet und 1952 der MUSIMA als Grundstock übergeben. Wichtiger als sein Material waren seine Mitarbeiter. Übel und Wunderlich flohen in den Westen, aber Lorbeer, Schuh, Voigt und Keller wurden bei der MUSIMA eingestellt und arbeiteten nun unter der Leitung von Gerhard Buchner. Buchner war der Vorarbeiter für den Bereich „Schlaggitarren“, später wurde er Chef der Lehrausbildung. Seine Mitarbeiter verfügten natürlich über das nötige „know how“ um neue Musima Schlaggitarrenmodelle im Stile der „Roger“ Gitarren zu bauen.

Die „Record“ war das Top Schlaggitarrenmodell der Musima und wurde drei Jahrzehnte lang, mit stetigen Veränderungen gebaut.

Die ersten Modelle wurden 1955 auf der Frühjahrsmesse in Leipzig vorgestellt. Der Korpus ist baugleich mit dem ROGER-Modell SUPER-ULTRA. Durch die dreischichtige Verleimung der zweifarbigen Decken- und Bodenhölzer und die Ausformung der Hohlkehle entstand dieses interessante Design. Da man zu dieser Zeit nur „Rellog“ Tonabnehmermodelle von Willi Goller zur Verfügung hatte, wurden die frühen Modelle mit diesen, in die Hälse integrierten Systemen ausgestattet. Später verwendete man SIMETO Tonabnehmer. Vogtlandtypisch ist der Hals verschraubt und die Aufstellstege haben die ebenfalls vogtlandtypische „Ochsen“-Form. Die größte Abweichung zum ROGER Vorbild ist der Hals mit einem veränderten Profil und einer anderen Kopfplatte. Die Schalllöcher haben ebenfalls eine etwas andere Form.

Vollakustische Record Modelle

Frühes Modell mit Dreischichtverleimung von Decke und Boden


© Stefan Lob schlaggitarren.de

Das Modell Record gab es auch als halbakustische Schlaggitarre.

Hier ein ganz frühes, halbakustisches Modell mit halseingebautem Rellog und der alten Kopfplattenform.


© annonym mit BR

Die halbakustische Record links, stammt von ca. 1963. Das erkennt man an dem treppenförmigen
SIMETO Tonabnehmer. Ab 1964 wurde das Modell 15 (rechtes Bild) gebaut. Beide Gitarren haben noch die alte Kopfplattenform sowie Rhomboid Einlagen im Griffbrett und besitzen bereits das moderne MUSIMA-Schlagbrett in Wellenform.


© www.musikkeller.com – N. Schnepel

Die halbakustische Record gab es auch in blond mit dreischichtig verleimten Decken und Böden.


© Arjen Ehlers

Etwas später bekam die Record eine neue, breitere Kopfplatte. Das Logo befindet sich nicht mehr in der eingelegten Raute sondern wurde auf die Mittelachse platziert. Die Halseinlagen wurden verändert und bekamen eine längliche, abgerundete Form.


© Stefan Lob schlaggitarren.de

Dieses Modell hat SIMETO Tonabnehmer die ab 1974 gebaut wurden. Dies ist sicherlich eines der letzten Record Gitarren die gebaut worden sind.


© anonym mit BR

Record Sondermodelle

Die Record gab es auch als Sondermodell. Dieses zeichnet sich durch die besondere Bauform und ein extravagantes Design aus. Die Kopfplatte wurde verändert und bekam eine „Paddelform“. Diese „Paddelform“ fand auch bei den frühen Elektro-Gitarren Verwendung. Neben der ungewöhnlichen Form fällt das Mittelschalloch auf. Dieses besteht aus fünf Schlitzen, die so angeordnet sind, dass sie eine Kreisform bilden. Bei diesem Modell wurde auch die Mehrschichttechnik angewendet, jedoch mit einer aufwendigen siebenfachen Sperrung. Auffällig ist das Schaller Mischpult mit MUSIMA Gravur. Es gab Handels und Export Beziehungen mit Westdeutschland. Im Bereich Halbakustische Musima Gitarren befindet sich ein Katalogbild mit einer MUSIMA, die komplett mit Schaller Parts und Elektronik ausgestattet ist.

Im Bereich frühe Elektro Gitarren sieht man die ersten Elektrina Modelle. Diese haben die gleiche Korpus-Grundform und eine „Paddelkopfplatte“ wie dieses Sondermodell. Die ersten Elektrinas stammen von ca. 1960 und haben noch RELLOG Tonabnehmer. Ab 1961 gab es den geriffelten SIMETO Tonabnehme mit MUSIMA Schriftzug. Die ersten Simeto Mischpulte gab es dann kurze Zeit später. Deshalb gehe ich davon aus, dass diese Sondermodelle von 1960-1963 gebaut worden sind.
Ein weiterer Indikator für die Datierung ist das Löwenlogo, welches man durch die Schlitze sehen kann
Was zuerst da war, die Elektrina oder das „Record Sondermodell“ konnte ich noch nicht klären, aber ich glaube, die Elektrina war zuerst da und daraufhin entwickelte man ein akustisches Modell in dieser Ausformung.

Dieses Instrument befindet sich im Fundus des Musikinstrumentenmuseums in Markneukirchen


© Stefan Lob schlaggitarren.de

© jazzgitarren.k-server.org – Tats Ohisa

Spätes Sondermodell


© W. Woigk

Hier eine Weiterentwicklung des Record Sondermodells. Diese Gitarre wurde bei der Band „The Polars“ Anfang der 60er Jahre gespielt. Wilfried Woigk war so nett, mir umfangreiches Bildmaterial und Informationen zur Verfügung zu stellen. Die „Polars“ spielten anfangs auf vollakustischen Gitarren. Auf den Bildern erkennt man eine Willy Wolfrum, das klassische Record Modell, einen Marma Bass sowie dieses ausgefallene Record Modell. Neben den ausgefallenen Schalllöchern fällt auf, dass die Cello-ähnliche Ausformung des Korpus auf beiden Seiten zu finden ist – im Gegensatz zum oberen Modell mit einer Einbuchtung. Auf dieser Gitarre ist auch keine Schaller-Elektronik sondern ein früher SIMETO Typ montiert. Sie wurde 1963 in Halle gekauft.


© W. Woigk

Mandoline im Record Stil

Diese wunderschöne Mandoline im Record Stil wollte ich Euch nicht vorenthalten. Ein wunderbares, seltenes und außergewöhnlich schönes Instrument.


© Rolf Johansson

Record & Co.

Neben den Records gab es noch zahlreiche Modelle welche die Record Modell Serie erweitern und abrunden.

Solist mit F-Löchern

Ein Modell in „ROGER-Junior“ Form war die “Solist“ mit F-Schalllöchern. Diese Gitarre scheint ein altes Modell zu sein mit Perloid-Balkeneinlagen und einem Staccato-Dämpfersytem am Aufstellsteg. Sie
hat einen versteckten Rellog-Gitona im Hals und die typischen Bananenstecker Anschlüsse im Halsfuß.


© Stefan Lob schlaggitarren.de / Die Gitarre im Bild wurde, unter Verwendung von originalen ROGER-Teilen zusammengebaut.

Solist mit Katzenaugen

Dieses Modell mit Schalllöchern in Katzenaugen-Form ist späteren Baujahrs. Ich schätze auf Mitte 60er Jahre. Der Hals hat bereits einen verstellbaren Stahlstab. Die Mechaniken (Van-Gent) sind geschlossen.


© Alderico

Primus

Die Primus ist eine frühe Record mit Halsrellog ohne dreischicht verleimte Decken und Böden.


© anonym mit BR / Die Gitarre im Bild wurde, unter Verwendung von originalen ROGER-Teilen zusammengebaut.

Spezial

Die frühe Spezial ist ähnlich der frühen Solist.


© anonym mit BR / Die Gitarre im Bild wurde, unter Verwendung von originalen ROGER-Teilen zusammengebaut.

Halbakustische Spezial

Dies ist ein halbakustisches Spezial Model von ca.1963. Die Datierung habe ich anhand der Treppenförmigen SIMETO Tonabnehmer vorgenommen.


© anonym mit BR

Export Modelle

Hier einige Export Modelle die auf der Record Modelllinie basieren.

Ambassador

Die Ambassador wurde nach England exportiert. Ein vollakustisches Modell, basierend auf einer Solist mit f-Löchen. Sie trägt ein ausgefallenes Schlagbrett. Ich bin mir nicht sicher ob dieses original ist! Sie trägt den MUSIMA typischen „Foreign“ Stempel auf der Rückseite der Kopfplatte.


© anonym mit BR

Atlas

Atlas war sehr wahrscheinlich ein Händler, der sich auf den spanisch sprachigen Raum spezialisiert hat. Diese Gitarre wurde sicher bei MUSIMA gebaut. Auffällig ist die Kopfplatte in Musima „Paddelform“ die mit einer Glitterauflage versehen ist. Die Schalllöcher in Blitzform sind Musima untypisch. Diese Form findet man eigentlich bei OSBAMA, jedoch sind sie bei Atlas spiegelverkehrt angebracht. Der eingebaute Halsrellog lässt auf ein altes 50er Jahre Modell schließen.


© anonym mit BR

Einfache Schlaggitarren

Es gab natürlich auch ganz einfache, gesperrte Schlaggitarren von MUSIMA!
Die ersten beiden wurden vor 1964 gebaut, die dritte ist ein späteres Modell.


© anonym mit BR

© anonym mit BR

© anonym mit BR

Anton Lorbeer und Harmonie

Gemäß Brief von Marianne Rossmeisl vom 18.09.53 war Anton Lorbeer gelernter Zimmermann und Mitarbeiter der Firma ROGER. Nach der Verhaftung von Wenzel Rossmeisl wechselte Lorbeer zur MIGMA. Beim VEB Musima MUSIMA war er, nach deren Gründung, als Fachmann für Gitarren im ROGER-Stil eingesetzt. In der Datenbank des Musikinstrumentenmuseums Markneukirchen ist verzeichnet, dass er seinen Meister als Instrumentenbauer machte und Leiter der „Specialwerkstätten für Streichinstrumenten und Zupfinstrumentenbau“ und der Meisterwerkstätten wurde. Er hatte bei der Musima ein eigenes Signum mit dem Namen „Harmonie“. Eine wunderschöne, von Herbert Rittinger restaurierte Harmonie ist auf der folgenden Collage zu sehen.


© HR

Halbresonanz Schlaggitarren

Perloid Modell

In den 60er Jahren gab es einen Trend, den Gitarrenkorpus mit einem dünnen Perloidbezug zu versehen. Auch bei der MUSIMA gab es ein solches Modell. Ich tippe auf 1962-1963 da die Simeto Mischpulte aus dieser Zeit stammen. Auffällig sind die Griffbretteinlagen die ich bei MUSIMA so noch nicht gesehen habe.


© jazzgitarren.k-server.org – Tats Ohisa

1655 & 1657 moderne Halbakustische Gitarren

Ende der 60er Jahre ging der Trend hin zu halbakustischen Gitarren. Neben der Record gab es diese beiden Klassiker.

Modell 1655


© anonym mit BR

Modell 1657


© anonym mit BR

MUSIMA & Schaller

Diese Halbakustische Schlaggitarre auf dem Musima Katalog ist sehr ungewöhnlich, da alle Parts, Mechaniken und die Elektronik von Schaller stammen. Das zeigt deutlich, dass es eine Geschäftsbeziehung zwischen der MUSIMA und Schaller gab.

Die Entwicklung der massiven Musima-Elektrogitarren

Die ersten Elektro-Gitarren wurden ende der 50er Jahre entwickelt. Diese Modell gehört sicherlich zu den allerersten Versuchen. Für mich ist es ein Vorläufer der Elektrina Serie. Sie besitz die Elektrina- typische Kopfplatte, den typischen Musima Saitenhalter und RELLOG Tonabnehmer. Diese Gitarre ist ein Export Modell und stammt aus England.


© anonym mit BR

Elektrina

Die erste Serienproduktion massiver Elektro-Gitarren nannte Musima „Elektrina“. Im Laufe der Jahre gab es die unterschiedlisten Elektrina Modelle. Sehr verwirrend ist die Tatsache, dass Musima die Bezeichnung „Elektrinas“ als Sammelbegriff für viele E-Gitarrenmodelle wie die Etherna und Elgita verwendete.

Die erste Elektrina Serie bestand aus den Modellen I-IV wobei die Ausstattung und Qualität mit steigender Nummer besser wurde. Auffällig ist die Korpusform die eine Cello-ähnliche Formung der oberen Zarge hat und somit eine unverkennbare Form besitzt.

Die Elektrina, auf dem Bild links, ist eines der ersten Modelle. Da sie noch die alten RELLOG Tonabnehmer besitzt, würde ich sie auf ca. 1960 datieren. Für die Elektrina Serie wurde der erste SIMETO Tonabnehmer von Dr. Schroth entwickelt. Dieser Tonabnehmer mit einer geriffelten Plastikhaube und dem MUSIMA Schriftzug wurde zum erstenmal 1961 eingesetzt. Das Elektrina Modell III, in der Collage, hat bereits diese neuen Tonabnehmer du ein schönes und auffälliges Vogelaugenahorn Furnier. Die Kopfplatte ist etwas kleiner und hat nicht mehr die extreme „Paddelform“. Bei beiden Modellen ist die Zarge gerade und eingefasst. Auffällig ist die Position der Gurtaufhängung. Man konnte an dieser Einzelaufhängung einen Saxophongurt einhängen.


© Arjen Ehlers

Diese Elekrina III ist von Matt Armstrong aus Edinbourgh. Als Gitarrist von „The Kaisers“ hatte er ein faible für alte, ausgefallene Gitarren und konnte sie in einem Musikgeschäft in Wrexham erstehen. Sie hat einen „Foreign“ Stempel und ist somit eine Export Elektrina. Dieses Modell hat wieder die große „Paddelförmige“ Kopfplatte“. Mechaniken und Brücke sind nicht original.


© „Kaiser Matt“

Matt sendete mir das Foto der Band „The Comets“ aus dem Buch „The Beatles, the true beginnings“ von Roag Best. Deutlich erkennt man die Elektrina III. Matt hat den Verdacht, dass seine Gitarre die Gitarre auf dem Bild ist. Was dafür spricht ist die große Ähnlichkeit zu seiner Gitarre. Man sieht ja deutlich dass Elektrinas aus gleicher Serie sehr unterschiedlich gerabeitet sein können. Desweiteren liegt Wrexham nicht weit von Liverpool entfernt. Wir werden es wohl nie genau wissen; es ist aber eine schöne Geschichte.


„The Comets“ aus dem Buch „The Beatles, the true beginnings“ von Roag Best

Die nächste Collage zeigt eine Elektrina II von Lordbizarre. Sie hat zwei SIMETO Tonabnehmer und keine Zargeneinfassung. Die Zargen wurden abgerundet. Auffällig ist die längliche Kopfplattenform mit einreihiger Mechanikanordnung.


© lordbizarre’s electric guitar & amp museum

Weiterentwicklung der Elektrina

Die Elektrina bekommt eine neue Form mit zwei spitzen Ausschnitten. Die beiden Modelle stammen aus der Zeit von 1962-1963. Auf den Gitarren befinden sich SIMETO Tonabnehmermodelle der nächsten Entwicklungsstufe. Links die eckigen Einbaumodelle, recht das Aufbaumodell mit abgerundetem Rahmen. Auf der Gitarre links befindet sich ein neu gestalteter Saitenhalter. Diese Form findet man oft bei den späteren Modellen

Die endgültige Entwicklungsstufe der Elektrina nach 1964

Die Korpus- und Kopfplattenform wird eleganter und die Grifbretter haben nur noch einfache Punkteinlagen.


© Ramin Hesse

Vibromatic

Die Vibromatic war ein extravagantes, auffälliges Showmodell mit einer bizarren Formgebung und Flitterlackierung. Diese Gitarren hatten eine Elektronik die auf das Schüteln der Gitarre reagierte. André Ponath von „vintageaudioberlin“ hat diesen Schüttelvibrato, der unter dem Schlagbrett montiert war, einmal fotografiert.

Das Modell unten ist eine perloidbezogene Elektrina mit Vibromatic System.


© www.vintageaudioberlin.de / anonym mit BR

Verstellbarer Stahlstab

Anfang der 60er Jahre wurde die Nachfrage nach schlanken Hälsen immer größer und im Ausland stellte man schon längere Zeit Elektro-Gitarren mit einem verstellbaren Stahlstab im Hals her. Musima wollte seine Elektro Gitarren auch mit solchen ausstatten.

Das Problem war: „Es funktionierte nicht richtig“!

Was sollte man machen?! Man kam auf die Idee über die DEMUSA eine Burns E-Gitarre in England zu kaufen um diese eingehend untersuchen zu können. Alfred Schaufuß arbeitete in der Abteilung Technik in der Sparte Entwicklung und Standardisierung. Er und Curt Voigt bekamen den Auftrag den Fehler zu finden. Eigentlich wollten sie den Hals aufschneiden um sich den Stahlstab und dessen Wirkweise anschauen zu können, aber die DEMUSA untersagte die Zerstörung dieses teuren Instruments. Dann kam Ihnen eine Idee: Sie fuhren gemeinsam in das nächste Krankenhaus und durchleuchteten die Gitarre. Schnell fanden sie heraus woran es lag: Der Stahlstab darf nicht gerade eingebaut werden!

Elgita

Die Elgita war die erste MUSIMA in dieser modernen Form. Die ersten Modell stammen von ca. 1963 und hatten bereits einen verstellbaren Stahlstab im Hals.


© Ramin Hesse

Etherna

Die Etherna war das Musima Luxus Modell mit vielen Schaltungsmöglichkeiten und technischen Raffinessen.

Electra

Die Elektra besaß nicht die klassischen SIMETO Aufbau/Rahmentonabnehmer sonder das eckige Einbau Modell. Die Elektra ist etwas einfacher ausgestattet.


© anonym mit BR

Luxus Modell der Elektra


© Ramin Hesse

Musima Gitarren der Band Pollux

Bevor wir zu den moderneren Musima Instrumenten kommen, noch ein paar schöne Bandfotos von POLLUX aus Berggießhübel bei Dresden. Die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1976 und deutlich erkennt man eine „1655“ und eine „Elektra“.


© Axel Wolf

Habt Ihr auch noch Bandfotos aus der Zeit? Dann sendet sie mir zu unter info@schlaggitarren.de

1974 – 25 Jahre DDR

1974 feierte die DDR ihr 25 jähriges Bestehen. Bei Musima wurde zu diesem Anlass eine komplett neue Bass und Gitarrenserie auf den Markt gebracht. Parallel zu den neuen Gitarren wurden von der SIMETO neue Tonabnehmertypen konstruiert. Diese gab es wie die Vorgängersysteme als Einbau- und Aufbausystem.

Eterna de Luxe 25

  • Lackierung mit Farbverlauf
  • 3 Simeto Tonabnehmer
  • Aufwändige Einzelschaltung
  • Tremolo System

© www.vintageaudioberlin.de

Musima de Luxe 25

  • Schwarz
  • Zwei Simeto Einbau Tonabnehmer

© Stefan Lob schlaggitarren.de

Musima de Luxe 25

Identisches Modell wie oben, in einer Farbverlaufslackierung


© anonym mit BR

Musima de Luxe 25 B – Bassversion


© www.vintageaudioberlin.de

Musima „Les Paul Modell“

Diese Gitarre hat natürlich nicht die genauen Maße einer Les Paul aber die Form erinnert sehr stark an das Vorbild.


© Ramin Hesse

Der Vollständigkeit halber anbei noch Elektro-Gitarren Modelle der 80er Jahre

Das meistgefragteste Modell waren Gitarren der LEAD STAR Serie. Zum ersten mal verwendete MUSIMA keinen Nullbund. Simeto entwickelte eine moderne Humbucker- und Singlecoillinie mit standard Einbaumaßen westlicher Gitarren. „Floyd Rose“ Tremolo Systeme und auffällige Lackierungen passen zur Zeit. Eine moderne 80er Jahre Gitarre.


© Original MUSIMA Werbepostkarten – Danke an Renate Wunderlich

Action Bass


© MUSIMA Werbepostkarte

Von Links nach Rechts:

  • Lead Star ohne Schlagbrett mit „Floyd Rose“
  • Lead Star mit 24 Bünden, und unglaublicher Ähnlichkeit mit der Charvette
  • MH-S

©Matthias W.

Heavy Gitarren

Musima passt sich dem Trend an und bringt Gitarren für „Heavy“ Gitarristen auf den Markt.

Von Links nach Rechts:

  • MH-X
  • MH-V (die „Urform“ der MH-V, allerdings auf der Leipziger Messe 1986 als Lead Star vorgestellt)

© Matthias W.

Ich suche dringend Katalog und Flyer Material von Musima!

Weitere Links zum Thema Musima:

Musima Gitarren
Die Ost-Gitarre am Beispiel von Musima und Migma
Cheesy Guitars
musima.ru

Quellenangabe
Renate Wunderlich
MuM Markneukirchen
Curt Voigt
Staatsarchiv Chemnitz

Danke an:

  • Herbert Rittinger – für die Korrektur und seine ständige Hilfe
  • Paco, er lebt in Spanien, ist leidenschaftlicher Gitarrensammler, Musima Fan und gab mir Tipps einiges noch einmal zu überarbeiten!
  • Matthias W. und
  • alle die mir bereitwillig (wie so oft) Ihr Material zur Verfügung stellten.

Stefan Lob für Schlaggitarrem.de, veröffentlicht am 10.10.2010

Sandner 17″ Jazzgitarre Archtop

SALE – VERKAUF

Anton Sandner in Baiersdorf  (Tel 091334958)

Dies ist nur eine Gitarre von sehr, sehr vielen, die er gebaut hat. Er baut Archtops auf Käuferwunsch ab 2000,- aufwärts. Hat leider kein Computer und ist nur telefonisch zu erreichen. Natürlich kann man bei ihm auch Django Gitarren, klassische Gitarren oder Westerngitarren bauen lassen.