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Restauration einer MIGMA von „Erich WANDER“

von Herbert Rittinger

Die Gitarre wurde vor geraumer Zeit als Restaurationsobjekt in ebay angeboten.

Es war Liebe auf den ersten Blick und mir war sofort klar, dass dies kein alltägliches Instrument ist.
Leider fehlte jegliche Hardware und die Decke hatte einen unprofessionell reparierten Crash am großen Bug, nebst zwei offenen Rissen in der Zarge.

Ich hätte beinahe gewettet, dass es sich um einen Korpus von ROGER handelt, wäre da nicht im Inneren ein Zettel mit der Aufschrift MIGMA MEISTER gewesen. Dieser ist handsigniert. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nichts über den Erbauer, außer dass dieser aus dem Vogtland stammen musste und seine Instrumente über die MIGMA vertrieben hat.

Als erstes wurde der stark gekrümmte, geschraubte Hals begradigt. Das Abrichten und Profilieren der Bundstäbe war der nächste Schritt, gefolgt von der Kosmetik für das Griffbrett.
Nun war die Reparatur des Deckenschadens und die Stabilisierung der Zargenrisse an der Reihe. Diese Arbeiten hatten aber den Lack so in Mitleidenschaft gezogen, dass ich mich zu einer kompletten Neulackierung entschloss.
Das Entfernen des ursprünglichen, transparenten Lacks wie auch das nachfolgende Schleifen erfolgte in reiner Handarbeit.

In den vergangenen Jahren habe ich in vielen Versuchen mit verschiedenen Lacken und Verarbeitungsverfahren Erfahrungen gesammelt. Die besten Resultate, vor allem in Bezug auf die klangliche Auswirkung, habe ich beim Farbauftrag mit dem Pinsel erzielt. Dieses Verfahren erfordert allerdings eine spezielle Technik und ist darüber hinaus viel zeitintensiver weil mehrmals geschliffen werden muss. Das Ergebnis ist ein brillianter, glockenreiner Klang der mich für diese zusätzliche Mühe reichlich belohnt.

Von den vielen Parametern die den Klang einer Gitarre beeinflussen, zähle ich die Lackierung zu den gravierendsten Einflussgrößen.

Nachdem das Holz wieder in neuem Glanz erstrahlte, wurde das schmucke Stück mit der passenden Hardware komplettiert. Für die Schlagplatte bevorzugte ich das ROGER-Design an Stelle der Originalform. Ich fand dies kongenial weil der Korpus eine millimetergenaue Kopie des berühmten Vorbildes ist und mir diese Schlagbrettform darüber hinaus die unsichtbare Unterbringung der Klinkenbuchse gestattete.

Die Gitarre von Erich Wander ist nicht nur eine gelungene Kopie der ROGER, sie ist dieser auch in allen Belangen ebenbürtig. Was ihr im Vergleich zu ihrem Vorbild fehlt, ist die Berühmtheit und der Bekanntheitsgrad ihres Erbauers.
Mittlerweile besitze ich mehr Informationen über Erich Wander. Für mich gehört er unzweifelhaft zur Oberklasse der Gitarrenbauer seiner Zeit.


© HR